
Manche meinen noch immer, dass Fans auf ein neues Album von einer von ihnen geschätzten Band warten. Ist das wirklich so? Bei dieser Veröffentlichungsschwemme durch Reunions, plötzlichen Live-Platten etc.? Jedoch freuen tut mensch sich ja wohl schon. Zum Beispiel wenn das schweizerische Billy-Trio THE PEACOCKS mal wieder im Studio war. Können sie ihre letzte überragende LP „Flamingo“ (2017) bestätigen oder gar toppen? Für den Weltfrieden ist das nicht wichtig, klar, für die Fanseele irgendwie schon. Ich erinnere mich, wie ich die Combo 1998 mit ihrer zweiten CD „In Without Knockin’“ kennen lernte. Die CD hatte ich verliehen und nie wieder bekommen, doch das störte mich gar nicht. Warum? Weil sie zwar auch da schon cool waren und einen eigenen Sound-Trademark besaßen, jedoch, wenn man es genau nimmt, mit den Album „Touch And Go“ 2007 (damals noch auf People Like You und in Sachen verschiedener Labels waren sie ohnehin schwer aktiv) bereits ihren Sound perfektioniert hatten. Ja, immer noch mit Kontrabass und „nur“ einer Gitarre, aber von da an kompakter, zwingender, abwechslungsreicher. Es folgten „After All“ (2010) und „Don’t Ask“ (2012) und das waren ebenfalls lupenreine Perlen der Underground-Kultur. Mit den Pfauen verhält sich seit spätestens 2007 eben wie mit einer Tüte Paprika Chips. Der erste Chip im Mund, ein Erlebnis – hier auf der Platte wäre das analog dazu der Opener „Control“ mit herrlichem Trash-Geschepper. Dann isst man immer weiter, während man sich wohl fühlt und nicht stoppen kann. Ein ungesundes, aber Spaß machendes Menü aus nur einer Tüte. Auch unsere schweizerischen Freunde bieten längst nicht mehr nur Punkabilly mit Ska-Einlagen. Nein, sie bedienen sich inzwischen auch Sounds der 1960er, 1970er und ,wenn man so will, auch der 1980er Jahre, als die Neo-Rockabilly/Psychobilly-Welle wohl auch die drei Männer aus Winterthur auf den Plan rief. Das ist kein bloßer Feldversuch, das sind THE PEACOCKS heute, und das ist gut so. Unverkennbar wie eh und je, aber doch eben optimiert. Letzten Zweifler:innen sei das neue Video zu „Nowhere“ ans Rock’n’Roll-Herz gelegt. Nicht nur weil es gut gemacht ist – unsere Herren sporteln mit weißen Anzügen durch einen dunklen Wald und bieten düsteren Billy mit einer langen, starken Gesangslinie von Hasu –, es unterstreicht auch den Anspruch der Band, noch mehr Leute zu erreichen. Ist meine überdeutliche Kaufempfehlung für das zehnte Studioalbum „And Now What?“ nun allenthalben angekommen? Wenn die Jungs musikalisch schon neue Türen für sich und ihre Hörer:innen öffnen, können doch auch Menschen, die beim Begriff Billy nur mit den Achseln zucken, über ihren Schatten springen, oder? Kaufen!
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