
Bernd Hüppaufs Forschungsschwerpunkt ist die Mentalitäts- und Kulturgeschichte der Moderne. In diesem Buch liegt sein Fokus auf den Brüchen in der Perspektive auf Tiere. Ist in der frühen Neuzeit zunächst ein Bruch durch die naturwissenschaftliche Perspektive gegeben, ist es derzeit das Schisma zwischen einer Hinwendung zum Tier als Subjekt und Tierrechten einerseits und Eingriffen in die Evolution der Tiere und dem absoluten Machtanspruch des Menschen andererseits. Nachdem er in seinen Untersuchungsgegenstand eingeführt und notwenige Voraussetzungen geklärt hat, befasst sich Hüppauf zunächst mit dem Tier in der Neuzeit, der Phase der Rationalisierung und den Gegenbewegungen. Das Tierbild gerät um 1900 in eine Krise, daraus folgt eine reflexive Form der Moderne. In der Postmoderne bewegt sich das Tierbild dann zwischen Wissenschaft und Verstehen. Dabei tritt ein ganz neues Problemspektrum zutage, nicht nur in ethischer Hinsicht, sondern auch mit Blick auf einen aufkommenden Transhumanismus, die Frage nach der Agency, der Künstlichen Intelligenz etc. Damit aber nicht genug. Auch die Zeit nach der Postmoderne wird beleuchtet. Das Nachwort befasst sich mit dem Begriff der Sorge. Das Buch stellt die historisch wechselnden Perspektiven dar und gibt Diskussionsanstöße für die Gegenwart, das ist nicht nur für Fachwissenschaftler:innen lohnend. Mit dem Band setzt der Verlag seine Reihe spannender Einblicke ins Forschungsgebiet Human-Animal Studies fort. In dieser Disziplin gibt es noch viel zu tun. Bleibt zu hoffen, dass die wissenschaftlichen Ergebnisse eine breite Öffentlichkeit erreichen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #186 Juni/Juli 2026 und Jens Schäfer