
Es gibt zig Bücher über Bruce Springsteen. Und irgendwie sind alle gut – auch wenn „Born To Run“, erschienen 2018, sicher das intensivste Werk ist und einen Sonderplatz im Literaturkanon zum Boss einnimmt. Immerhin: Das fast gleich betitelte „Born To Sing – Ein Leben in Gesprächen“ braucht sich nicht vor den auf diesen Superschmöker folgenden Werken zu verstecken. Es ist zwar lediglich 163 Seiten stark, aber diese bieten allerlei Inhalt, umfassen sie doch Interviews mit Springsteen aus den Jahren 1975 bis 2016 etwa mit dem Rolling Stone, dem Mojo-Magazin, der Mitteldeutschen Zeitung oder auch freien Journalisten. Und es ist spannend wie beruhigend zu lesen, wie dieser überlebensgroße Künstler über die Jahre immer gleich smart geblieben ist, dabei stets der Musik und dem Song dienend. Mehr noch, wie er von Dekade zu Dekade reflektierter wurde. Man liest davon, wie sehr ihn der selbst erschaffene Kultstatus nach „Born In The USA“ irgendwann erdrückte. Wie sich der wachsende Erfolg und die immens gestiegene Popularität auf die Freundschaft unter den Musiker:innen der E STREET BAND auswirkte. Oder wie eng er Kunst und Gesellschaftspolitik miteinander verwoben sieht und dies auch immer wieder klipp und klar äußert – eine schallende, verdiente Ohrfeige für all jene, die immer rufen: „Politik raus aus allem!“ „Born To Sing“ ist letztlich kein Meisterwerk der Musikliteratur. Und es erreicht auch nicht die bewegende literarische Tiefe eines Buchs wie „Faith, Hope and Carnage“ von Nick Cave und Séan O’Hagan. Aber das muss es auch nicht. Der Boss spricht für sich. Und wer ergründen möchte, warum er seit fast einem halben Jahrhundert auf der Bühne steht und zum guten Gewissen der USA wurde, der wird hier fündig.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Frank Weiffen