DIE ABENTEUER DES WERNER HOLT

Die DEFA-Produktion „Die Abenteuer des Werner Holt“ unter der Regie von Joachim Kunert ist einer der bekanntesten Antikriegsfilme der DDR, der hierzulande auch im Kino lief und später auf VHS und DVD veröffentlicht wurde, mir aber vor der Neuauflage von Filmjuwelen (das erste Mal auf Blu-ray) gänzlich unbekannt war. Selbiges gilt für den gleichnamigen, auch in Westdeutschland erschienenen zweibändigen Roman des DDR-Schriftstellers Dieter Noll, dessen erster Band „Roman einer Jugend“ von 1960 (1963 folgte „Roman einer Heimkehr“) als Grundlage für Kunerts Film diente. In seinem Roman, eine Art „Remarque des 2. Weltkriegs“, schildert Noll das Schicksal des Gymnasiasten Werner Holt und seiner Klassenkameraden in den Wirren des 2. Weltkriegs zwischen begeisterter Abenteuerlust, politischer Überzeugung und völliger Desillusionierung, als sich das Kriegsende abzeichnet und sich die Unmenschlichkeit des Nazi-Regimes nicht mehr verleugnen lässt, dessen Grauen sich auch gegen die eigenen Leute richtet, während man versucht die russischen Panzer aufzuhalten und die dabei die eigene innere Verrohung erleben muss. Eine Schlüsselszene des hinsichtlich seiner Figuren sehr ambivalenten Schwarzweiß-Films ist, als Holt (gespielt von Klaus-Peter Thiele, einer Art DDR-Jake Gyllenhaal) seinen Vater besucht, einen Arzt und Wissenschaftler, der sich nicht an der Massenvernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten beteiligen will, was sein Sohn zu diesem Zeitpunkt nicht verstehen kann. „Die Abenteuer des Werner Holt“ erinnert auch ein wenig an Bernhard Wickis erschütternden Antikriegsfilm „Die Brücke“ von 1959, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Gregor Dorfmeister über seine persönlichen Kriegserlebnisse, der noch drastischer den Missbrauch jugendlicher Unbefangenheit und Ideale zeigt.

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