
Als ich 1987 das „Dawnrazor“-Debütalbum von FIELDS OF THE NEPHILIM hörte, riss mich das völlig mit: den so geschätzten Goth-Sound erweiterten Frontmann Carl McCoy und seine Band um einen markanten Hardrock-Sound und schlugen damit in eine Kerbe, die zuvor schon THE CULT mit „Love“ geschlagen hatten und die sich bei SISTERS OF MERCY bereits andeutete. Nicht überall war ich bereit, diesen Weg weg von spitzen Schnallenschuhen hin zu Rockerboots (und hier: Cowboyhüten) mitzugehen, aber in diesem Fall stimmte die Mischung. Die Band war erst 1984 in Stevenage, Hertfordshire gegründet worden, hatte in rascher Folge in der boomenden UK-Goth-Szene zuerst 1985 die 12“-EP „Burning The Fields“ veröffentlicht, zunächst auf dem eigenen Tower Release-Label und dann via Jungle Records, wo 1986 die „Returning To Gehenna“-12“-EP erschien, bevor die Band beim Beggars Banquet-Sublabel Situation 2 unterschrieb, wo 1987 „Dawnrazor“ erschien. Mit „The Nephilim“ kam schon 1988 das zweite Album, das mir aber bereits zu sehr Rock war. Die Band existiert mit Irrungen, Wirrungen und Unterbrechungen bis heute, kehrte aber nie wieder zu diesem speziellen und von mir besonders geschätzten „Wave-Sound“ von Mitte der 1980er zurück: dieses Sphärisch-Psychedelische, dieses Dunkle, Drängende, Dramatische, was echten Goth für mich ausmacht, wiederholten sie nach „Dawnrazor“ nie wieder. Schön, dass Jungle die wirklich exzellenten beiden ersten 12“-EPs nun im Doppel-LP-Format im Klappcover und auf dunkelgrünem Vinyl neu aufgelegt hat, wobei die erste LP jeweils pro Seite eine EP enthält und die zweite 12“ auf der A-Seite Remixe und auf der B-Seite drei Demos von 1985 sowie das „Reunion-Demo“ von „Deeper“ von 1997. Die Songs der zweiten LP stammen ausweislich der Linernotes von Mick Mercer vom „Genesis & Revelation“-Boxset. Unbedingt nötig in jeder Playlist: „Trees come down“ und „Power“.
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