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JOYCE MANOR

I Used To Go To This Bar

Was sich im Oktober im Berliner Columbia Theater tummelte schien aus der Zeit gefallen und auch der Style der Besuchenden passte sich dem an, was abends on stage geboten wurde: Line-up und Tunes, die man so auch problemlos in den 2000er Jahren hätte verorten können. Und es schien nötig zu sein, denn schaute man sich im Saal um, blickte man ausschließlich in völlig beseelte Gesichter. Für einen Abend ausbrechen, noch mal 23 sein und mitgrölen, als gäb’s kein Morgen. Und ein ebenso warmes und wohliges Gefühl wie an diesem Abend im Oktober stellt sich mit dem siebten JOYCE MANORSAlbum „I Used To Go To This Bar“ ein (was ein Albumtitel!). Schon wegen all der süßen Referenzen, die sich bereits beim ersten Durchgang fest ins Hirn ballern – und die gibt’s schließlich zuhauf: AFI, WEEZER, MARITIME wären nur ein paar Bands, die man sofort mitdenken möchte. Überhaupt, Gefühle: spätestens bei „All my friends are so depressed“ steht man vor einer riesigen Text / Gefühl-Schere. „Postapokalyptisch“ nennt die Band das dazugehörige Video, „wunderschön“ würde es die Rezensentin nennen und die Bilder aus dem sonnigen Kalifornien holen einen einfach ab, vor allem am Tag der Albumveröffentlichung mitten im eisigen deutschen Winter. Der Song ist so unglaublich eingängig, dass man sich unweigerlich wiegend und wippend und vermutlich auch ein wenig grinsend wiederfindet, daran ändern auch Zeilen wie „Wish that I would fucking die“ und „3pm can’t get dressed“ nichts. Auf die Spitze treiben JOYCE MANOR es übrigens im Titelsong mit „Your funeral I didn’t make but that ain’t what keeps me awake“ und spätestens hier drängt sich der Gedanke an eine künftige Split-Platte mit ALKALINE TRIO auf. „I Used To Go To This Bar“ sollte man sich wegen seiner Banger unbedingt ins Plattenregal stellen – aber auch wegen der Huldigung an ein wunderbares Tier: „The opossum“.

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