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DAS RENNEN DES JAHRHUNDERTS

Kid Toussaint, José Luis Munuera

Nach den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit in Athen 1896 und den zweiten in die Weltausstellung 1900 in Paris eingebetteten, war der dritte, ebenfalls in eine Weltausstellung eingebundene Wettbewerb 1904 in St. Louis, USA die erste Veranstaltung dieser Art außerhalb des europäischen Kontinents. Die Wettkämpfe zogen sich teilweise über mehrere Monate hin, waren schlecht organisiert und es nahmen kaum nicht US-amerikanische Staatsbürger teil, lediglich 13 verschiedene Nationen waren mit – bis auf Kanada und die USA – nur wenigen Sportlern vertreten. Die eigentliche Hauptattraktion war die vor Gigantomanie nur so strotzende Weltausstellung mit 1.500 Gebäuden und 120 Kilometern Straße inklusive „Anthropology Days“, einem Menschenzoo aus indigenen Männern, der die Überlegenheit der „weißen Rasse“ demonstrieren sollte. Immerhin gab es eine Neuerung, die zu einem festen Bestandteil der Spiele werden sollte: Erstmals wurde jedem Erstplatzierten eine Goldmedaille überreicht. Ein Sinnbild für die auf Bevorzugung der eigenen Landsleute ausgelegte, dürftige Organisation James E. Sullivans war der olympische Marathonlauf. Als eine Art Laborexperiment zur Dehydration angelegt, wurde den Läufern bei über 30 Grad Hitze auf staubigem und unwegsamem Gelände nur eine einzige Wasserstelle bei Kilometer 20 zur Verfügung gestellt. Innere Blutungen und andere Langzeitschäden waren die Folge. Szenarist Toussaint gelingt das Kunststück, diese Unmenschlichkeit in eine hochironische, slapstickartige Handlung zu verpacken, die bis zum Ende zu fesseln weiß. Der Gewinner? Ein mit dem Rattengift Strychnin gedopeter US-Bürger, der die Ziellinie nur mit fremder Hilfe überqueren konnte.

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