
Bei Teorema muss ich unweigerlich an den Film von Pier Paolo Pasolini denken, damit einhergehend an einen hoher Kunstanspruch, geprägt von extremer Abstraktheit und Symbolik. Die Begrifflichkeit „menschliches Theorem“ hat die französische Band aber anscheinend exklusiv, was auch immer sie uns damit sagen will. Ihren hohen Kunstanspruch sieht man auf jeden Fall an der Verwendung eines Gemäldes von Bruno Schmeltz (ein schöner Kontrast zwischen mediterraner Natur und eher unnatürlichen Steinquadern) und der konzeptionellen Aufgliederung ihrer drei rein instrumentalen Kompositionen „Onirico“, „Studiis“ und „Spedizione“ in weitere Unterkategorien. Wie nicht anderes erwartet bei Sulatron, geht das Ganze natürlich in Richtung Neo-Krautrock, Prog und Psychedelic, mal deutlich rockiger, mal verspielt elektronischer und sphärischer. „Le Premier Soleil De Jan Calet“ ist das erste Album von HUMAN TEOREMA, vorher gab es bis auf die Vinyl-EP „Feuer!“ von 2014 nur rein digitale Single-Releases. Handwerklich ist das gut gemacht, aber insgesamt fehlen mir hier etwas der rote Faden und echte Emotionalität, wodurch man sich nur schwer auf die stilistisch etwas zu zerfaserten und widersprüchlichen HUMAN TEOREMA-Kompositionen einlassen kann – schickes Konzept hin, schickes Konzept her.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Thomas Kerpen