
Manchmal dauert es etwas länger ... Etwa wenn man als Band bei einem Label wie Cleopatra unterschreibt, das auf Punkfanzines scheißt und kategorisch keine Platten mehr rausschickt. Da waren MDC auf Twisted Chords doch weitaus sympathischer untergebracht, wo 2020 noch „Millions Of Dead Cowboys“ erschienen war. Leider existiert Twisted Chords nicht mehr und so erreichte mich „War Is A Racket“, erschienen bereits 2023, erst im Frühjahr 2025. Vor diesem Album war zuletzt 2017 „Mein Trumpf“ als „richtiges“ MDC-Album erschienen, denn „Cowboys“ war ja so was wie eine „halbe Platte“ mit akustischen Coversongs. Apropos: aktuell haben MDC mit „You Haven’t Done Nothin’“ eine neue Platte mit Coversongs raus, anscheinend bezahlt Cleopatra Bands am liebsten für solche Cover-Projekte, etwas strange ... Nun, MDC, die sich hier auf der Plattenhülle nur MDC schreiben und nicht MILLIONS OF DEAD COPS, sind auch 46 Jahre nach ihrer Gründung so wütend wie eh und je. Dave Dictor, der die Band seinerzeit in Austin, TX ins Leben rief und nach seiner Übersiedlung nach San Francisco einfach immer weiterbetrieb, scheint weder an die Rente zu denken noch an Energie eingebüßt zu haben, und vor allem nicht an der Fähigkeit, scharfzüngige Analysen zum „state of the nation“ rauszuhauen – da ist er immer noch führend, neben seinem Wegbegleiter Jello Biafra. Kritik wäre aus antispeziestischer Sicht und wegen grenzwertiger Bildsprache aber auch beim Coverartwork angebracht: Polizisten als Schweine und damit als böse darzustellen, ist etwas gestrig, das geht subtiler und treffsicherer. Generell gehen die Texte in ihrer Kritik an den Mächtigen, am Militärisch-industriellen Komplex, in die richtige Richtung, aber auch hier finde ich dieses „Wir gegen die“ etwas ... antiquiert, doch diese Denkschule des in den 1980ern geprägten Polit-Punk ist eben zeit- und generationstypisch. Musikalisch erweisen sich MDC, die hier neben Dave Dictor aus Al Schvitz (dr), Barry D’live (gt), Russ Kalita (gt) und Mike Smith (bs) bestehen, als sehr tight und bissig – MDC at their best, mit dieser speziellen Rhythmik und den markanten Tempowechseln. Sehr cool: „I am a donut“. Ich bin auf das nächste Album gespannt, an textlicher Inspiration mangelt es gerade ja leider nicht.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #58 Februar/März 2005 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #54 März/April/Mai 2004 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #90 Juni/Juli 2010 und André Bohnensack
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #146 Oktober/November 2019 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #54 März/April/Mai 2004 und Joachim Hiller
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© by Ox-Fanzine - Ausgabe #46 März/April/Mai 2002 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #152 Oktober/November 2020 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #47 Juni/Juli/August 2002 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #48 September/Oktober/November 2002 und Christian Maiwald
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