
Nach dem 2024er Tribut-Album für Willie Nelson stellt die gebürtige Kanadierin mit Wahlheimat Neuseeland mit „Neon Cowgirl“ ihr bis dato schillerndstes Werk vor – ein kühner Ritt durch Soul, Country, Gospel und Glamour. Nicht nur eine der kraftvollsten Stimmen ihrer Generation, sondern auch eine unerschrockene Grenzgängerin zwischen Retro-Sound und feministischer Botschaft. Der Titelsong „Neon cowgirl“ mit Duettpartner Neil Finn (SPLIT ENZ und CROWDED HOUSE) strahlt wie ein Nashville-Marquee in der Großstadt: glitzernde Strings, Western-Twang und Blaxploitation-Groove verschmelzen zu einer funkensprühenden Hymne. Tami Neilson rechnet ebenso mit Männermythen und Rollenklischees ab wie sie dabei mit großer Geste und soulgetränkter Wucht glänzt. „Keep on“, hier begleiten sie die SECRET SISTERS, unterstreicht ihren ganz eigenen Ansatz und „You’re gonna fall“, ein Duett mit JD McPherson, könnte womöglich der Höhepunkt des außerordentlich gelungenen Albums sein. Produziert mit einem Fuß in der Stax-Schule und dem anderen im staubigen Honky Tonk, zeigt das Album seine Referenzen offen – von Wanda Jackson über Loretta Lynn bis hin zu Roy Orbison. Diesem setzt sie mit „One less heart“ ein rührendes Denkmal. Ein durchweg warmherziges, gefühlvolles und liebevoll inszeniertes Album entfaltet einen opulenter Sound, der nie nostalgisch wirkt, sondern glasklar in der Gegenwart steht und mit allen Klischees über „singende Cowgirls“ und dergleichen aufräumt.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #148 Februar/März 2020 und Gereon Helmer
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #163 August/September 2022 und Gereon Helmer
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Gereon Helmer
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #138 Juni/Juli 2018 und Julia Segantini