
Wer mit dem amerikanischen Autor H.P. Lovecraft etwas anfangen kann, sollte sich in diese Comicreihe einlesen. Die ersten beiden Bände setzen die Lovecraft-Storys „Das Grab“, „Die Musik des Erich Zann“ und „Das Bild im Haus“ um. Eine gute Einführung in den Horrorliteratur-Kosmos von Lovecraft, in dem vieles unaussprechlich der eigenen Vorstellungskraft überlassen wird. Noch bewegen wir uns in den Anfangstagen seiner schriftstellerischen Laufbahn und nicht in den Untiefen des Cthulhu-Mythos, der mit den von Lovecraft erdachten Büchern und Schriften vieles von dem begründet, was wir heute im Horrorgenre als selbstverständliche Grundlage kennen. Die beiden Adaptionen der frühen Lovecraft-Kurzgeschichten sind respektvoll umgesetzt. Wie in den Vorlagen gibt es keine reißerische Action, vielmehr die Beschreibung des Unaussprechlichen, Fingerübungen für das tiefere Eintauchen in die alte Welt von Providence, mit seinen Fischmenschen, den alten Göttern und denen, die nicht zu sehen und nicht mit Worten zu beschreiben sind. Beide Bände nehmen sich bei der Adaption der Vorlagen Zeit, auch wenn sie in ihrem Rahmen reduziert umgesetzt werden. „Das Grab“ kommt nahezu menschenleer daher, jedes Bild eine Momentaufnahme. „Die Musik des Erich Zann“ und „Das Bild im Haus“ benötigen auch nicht mehr als jeweils zwei Protagonisten und wurden in Aquarelltechnik von Sergio Vanello gekonnt umgesetzt. Wenn man, wie ich, die Originale Lovecrafts vor vielen Jahren gelesen hat, sind diese Comicadaptionen eine hervorragende Wiederauffrischung der tief im Gedächtnis abgespeicherten Eindrücke.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Kalle Stille