Foto

OHL

Jenseits von Gut und Böse

Zuletzt hatte Teenage Rebel Records 2007 dieses letzte „klassische“ Album der Leverkusener OHL neu aufgelegt, die einschlägigen Portale haben es zu akzeptablen Preisen im Angebot, ganz soooo gesucht war es die letzten Jahre wohl nicht. Erschienen war „Jenseits von Gut und Böse“ 1986 und wie die drei vorherigen Alben bei Rock-O-Rama Records. Danach war Schluss bei OHL, Sänger und Bandchef Deutscher W ging studieren, „Die Auferstehung“ kam 1993 in Form des so betitelten Albums. In den Linernotes im Innencover beschreibt Dirk Windgassen, wie er sich im Vorfeld der Platte zunehmend von der Punk-Szene entfremdet hatte, mehr Spaß an dem gefunden hatte, was wir damals „Wave“ nannten (nicht Goth) und speziell an LORDS OF THE NEW CHURCH. Ein für lange Zeit letztes Konzert im Kölner Luxor wurde gespielt, dann war die Band in der Form durch, W machte mit Chris Falkland als SONS OF KINGS düsterrockend weiter, doch mehr als ein paar Studioaufnahmen wurde nicht daraus und OHL legten eine lange Pause ein. Seine Vorliebe für Goth-Rock lebte Dirk dann in den 1990ern mit DER FLUCH ausführlich aus. Rückblickend wirkt „Jenseits von Gut und Böse“ nicht wie der starke Bruch, als den die Szene (und W selbst) es damals empfunden hat. Zeitliche Distanz erlaubt eine differenziertere Betrachtung und Einordnung, es ist definitiv keines jener gefürchteten „Spätphase“-Alben, mit denen besonders in den 1980ern Punkbands der ersten oder zweiten Stunde ihre Fans vor den Kopf stießen.

Anzeige