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ALEXISONFIRE

Otherness

Facts first: „Otherness“ ist genau das Album, mit dem sich ALEXISONFIRE am besten schon vor vier, fünf Jahren hätten zurückmelden sollen. Statt zweier nahezu mystischer Singles und ein paar Shows wären die jetzt (endlich) veröffentlichten zehn Songs genau das gewesen, was wir alle so sehr gebraucht haben. Leider bedurfte es erst einer Pandemie (By the way, können wir dieses Wort bitte zum Unwort der letzten zwei Jahre plus x machen? Neben Friedrich Merz und dem Wort Krieg), bis sich die Kanadier mit den sonst so vollen Zeitplänen endlich wieder zusammensetzen konnten, um neue, gute und vor allem wichtige Musik zu schreiben. Die Einschätzung, dass „Otherness“ wirklich wichtig ist, lässt sich schnell belegen: Wenn eine Band nach mehr als zwanzig Jahren Geschichte und einer Handvoll sehr unterschiedlicher Alben mit einem Statement von Platte, nach fast zehn Jahren Veröffentlichungspause, so klingt, wie ALEXISONFIRE es hier tun, ist das etwas Besonderes. Vor allem weil das, was Dallas Green hier zusammen mit Wade MacNeil, George Pettit, Chris Steele und Jordan Hastings geschaffen hat, wahrscheinlich das beste und stärkste Album in der leider kurz unterbrochenen Karriere der Band ist. Man merkt Songs wie „Dark night of the soul“ mit seinen Eighties-Horror-Synthies an, dass sich jemand etwas getraut und gleichzeitig auch den Mut hat, es durchzuziehen. Songs wie „Sweet dreams of otherness“ klingen so, als hätten die Kanadier endlich eine entscheidende Stufe genommen, für die sie vorher vielleicht noch nicht bereit waren. Gleichzeitig tut es dem Album unfassbar gut, dass sich hier fünf fantastische Songschreiber einig geworden sind. Einig darüber, dass es viel besser ist, nicht sein eigenes Süppchen zu kochen, sondern etwas zu kreieren, das wirklich gut und, wie oben schon gesagt, wichtig ist. „Otherness“ ist der Beweis, dass Vorfreude nicht immer die schönste Freude sein muss. „Otherness“ ist gleichzeitig auch der Beleg dafür, dass sich ALEXISONFIRE ihrer Sonderstellung im Emo, Post-Hardcore oder was auch immer, bewusst sind. Es gibt vorerst keine Band, die ein Album wie dieses in naher Zukunft veröffentlichen wird. Deswegen fallen auch alle Vergleiche weg, die das hier beschreiben können. Oder wir nehmen einfach die gleichen, die wir schon bei „Old Crows / Young Cardinals“ oder bei „Crisis“ genommen haben. Aber halt, da gab es doch außer ALEXISONFIRE auch niemanden ... Wenn ein Album, auf das wir alle so lange warten mussten, so überragend gut ist, dann kann man getrost von einer Platte des Jahres sprechen. Definitiv ist „Otherness“ der neue Superlativ des Post-Hardcore und reiht sich damit irgendwie doch ganz geschmeidig in alles ein, was die Band jemals veröffentlich hat.