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RITUAL

Songs For The Haunted

Die Recklinghäuser Band RITUAL betrat 2005 die Bühne des deutschen Hardcore. Im Folgejahr veröffentlichten die jungen Männer ihre erste 7“. Bis 2012 folgten zwei weitere und ganze drei Alben: 2006 „Precious Times“, „Beneath Aging Flesh And Bone“ im Jahr 2009 und 2011 noch „Paper Skin“. Zu dem Zeitpunkt hatten sie sich von der Hardcore-Szene bereits entfremdet und lösten sich schließlich 2012 auf. Daraufhin spielten die Mitglieder in anderen Bands, Sänger Julian gründete ORBIT THE EARTH und WIRE LOVE und ist auch bei DIE NEGATION aktiv. Pascal Wagner und Philipp Wulf starteten die genrefremde und recht erfolgreiche Post-Punk-Band MESSER. Die Freundschaft der Bandmitglieder blieb trotz einiger Umzüge erhalten – und 2022 spielten RITUAL drei Shows mit befreundeten Bands. Wie sie damals sagten, wollten sie weder neue Musik machen noch auf Tour gehen. Kurze Zeit später schwenkten sie um und beschlossen, eine neue 7“ zu produzieren. Und dann sprudelten unerwartete 13 Songs raus, die es wert waren, auf Vinyl gepresst zu werden. Ein paar Demos blieben sogar übrig. Und nun ist die Reunion tatsächlich da. Viele davon scheitern, weil sie im Ergebnis dann doch eher eine lustige Nummer bleiben. Andere meinen es ernst und haben den entsprechenden Ehrgeiz, noch einmal etwas zu reißen. Bestes Beispiel in der harten Musik zur Zeit sind für mich DEADGUY – und RITUAL. Ihr Reunion-Album „Songs For The Haunted“ ist für eine Hardcore-Platte eine wahnsinnige Dreiviertelstunde lang geworden. 13 Tracks finden darauf Platz, die vor Kreativität nur so strotzen. Sind die ersten beiden harten und im Midtempo-Bereich angesiedelten Songs für RITUAL stilistisch erwartbar, so kommt einem bei „Silver lining“ das erste Stirnrunzeln. Das ist beinahe poppig, zumindest für RITUAL-Verhältnisse. Das hört sich an wie ein Stück von HOT WATER MUSIC – als die es noch draufhatten. Melodie, Sanftheit, Härte, laut, leise, all das packt die Band perfekt in einen Song. Der nächste Track „In the rain“ führt das im Grunde fort, auch wenn es etwas progressiver wird. Vielfältig geht es weiter, „Sleeping ghost“ vermittelt einen DEFTONES-Vibe und wandelt wunderbar zwischen durchaus sphärischen Parts mit zurückhaltenden Vocals bis hin zum RITUAL-typischen Geschrei. „Trust“ erinnert dann an SNAPCASE und REFUSED, „Bones“ wiederum offenbart ihre Sympathien für Britpop. Und da ist man auf der Landkarte gleich richtig: Bei „Into the light“ kommt die Liebe zu DEPECHE MODE heraus. Es klingt wie ein absolut perfekter Coversong – und ist gar keiner. Zusammenfassend gesagt, dürfte schon lange keine so extrem abwechslungsreiche Platte mehr erschienen sein – jedenfalls keine, die dennoch so völlig stimmig und wie aus einem Guss ist.

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