Foto

KANONENFIEBER

Soldatenschicksale

Noise, der umtriebige kreative Kopf hinter KANONENFIEBER informiert die Menschen in der Etappe mittels neuer und neu aufgenommener Frontberichte aus dem Ersten Weltkrieg. „Soldatenschicksale“ vereint die drei ersten EPs „U-Bootsmann“, „Der Füsilier“ und „Yankee Division“ zu einer frühen Werkschau, die um die neue „Skagerrak“-EP ergänzt wurde. Insgesamt bietet das Album neun wieder einmal beeindruckende Tracks, die zeigen, dass KANONENFIEBER im Black Metal gegenwärtig das Maß aller Dinge hierzulande sind. Noise bleibt seinem bewährten Konzept treu und erzählt fiktive, aber realitätsnahe soldatische Fronterlebnisse. Jede Veröffentlichung legt den Schwerpunkt auf eine andere Waffengattung. Bei den neuen Songs liegt der Fokus auf der Hochseeflotte. Die spekulative Authentizität und die martialische Inszenierung des Projekts machen den Reiz von KANONENFIEBER aus, die vorgeben, Soldatenschicksale dem Vergessen entreißen zu wollen. Zugleich bleibt dieser künstlerische Zugang problematisch. Die Texte sind zudem oft wertfrei formuliert und informieren so nicht nur über das Grauen des Krieges, sondern romantisieren diesen auch und erzeugen Märtyrer. Das Bild wird erst recht schief, wenn Noise auf seiner Homepage seine Fans auffordert, ihm Familiengeschichten zuzusenden, um aus dem Material neue Songs zu machen, die den „Helden“ von damals ein Andenken ermöglichen sollen. Wenn nicht Verklärung, sondern Mahnung hier der Anspruch ist – und daran gab es bislang keinen Zweifel –, dann sollten sich KANONENFIEBER weniger ambivalent äußern.

Anzeige