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SWANS

Birthing

Wikipedia listet in der Diskografie der Anfang der 1980er Jahre im Umfeld von No Wave, Industrial und Noiserock von Michael Gira in New York City gegründeten SWANS für 1983 bis 2023 16 Studioalben auf, das heißt, das aktuell erschienene, „Birthing“, wäre die Nr. 17. Hinzu kommen allerdings noch zahlreiche Live-Alben und EPs, neben Platten, die Gira unter seinem Namen veröffentlichte, plus die Releases der von 1998 bis 2009 aktiven SWANS-Nachfolgeband THE ANGELS OF LIGHT. Man hat es hier mit dem schon alleine quantitativ beeindruckenden Gesamtwerk eines Musikers zu tun, der auch noch nicht seinen Schlusspunkt erreicht hat. Eingespielt hat Gira „Birthing“ mit Kristof Hahn, Phil Puleo, Dana Schechter (die auch an THE ANGELS OF LIGHT beteiligt war), Christopher Pravdica und Phil Puleo (Gründungsmitglied von COP SHOOT COP, der die SWANS schon in den 1990ern begleitete, ebenso wie THE ANGELS OF LIGHT), die zum einigermaßen stabilen Pool von Musiker:innen gehören, mit dem er seit der Wiederbelebung der SWANS im Jahre 2010 und dem Album „My Father Will Guide Me Up A Rope To The Sky“ zusammenarbeitet. Aber ähnlich wie die Musik der SWANS unterliegt auch das Line-up einem ständigen Transformationsprozess, als ob sich der aus dem Raupenstadium hervorgegangene Schmetterling irgendwann wieder selbst verpuppen würde. Es ist auch nicht das erste Mal, dass Gira eine Phase der SWANS hinsichtlich eines bestimmten Personals für beendet erklärt, denn das war auch schon in den 1980ern und 1990ern der Fall. Und so läutet „Birthing“ das Ende der aktuellen Phase der SWANS in dieser Besetzung ein, ist Schlusspunkt und Neubeginn. Was danach kommt, weiß nur Gira selber, aber dass er weiterhin Musik machen wird, in welcher Form auch immer, dürfte klar sein. Denn seine Frau Jennifer sagt in Nick Soulsbys Oral History „Sacrifice And Transcendence“ nicht ohne Grund: „Wenn er damit aufhören würde ­– und das wird er nicht tun –, würde er sterben.“ Gira is SWANS and SWANS is Gira! Der Titel „Birthing“, also „Gebären“, würde aber eigentlich auch gut zu anderen SWANS-Platten passen, denn deren Musik ist wie eine ständige Geburt von neuen Ideen, um Veränderungen herbeizuführen. Seit „My Father Will Guide Me Up A Rope To The Sky“ ist Giras Musik immer epischer geworden (nur einer der sieben Songs auf „Birthing“ bleibt unter zehn Minuten) und versucht, Transzendenz nicht nur alleine durch exzessiven Lärm zu erreichen, sondern durch folkig-psychedelische Trance-Drone-Ambient-Klänge, die nicht selten auf ein mächtiges Finale hinauslaufen. Totale musikalische Finsternis bildet dabei einen Kontrast zu einer euphorischen, wunderschönen Melodik. Das ist auf gewisse Weise sogar berechenbar, aber besitzt dennoch eine überraschende Vielschichtigkeit und atmosphärische Dichte, die die SWANS auch auf „Birthing“ wieder so einzigartig machen.

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