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Interviews & Artikel

GOOD RIDDANCE

"A job that really pays"

Als ich mir vor ziemlich genau zehn Jahren den Fat Wreck-Labelsampler "Survival Of The Fattest" zulegte, hat sich für mich musikalisch gesehen eine neue Welt aufgetan. Das Teil enthielt mehr als nur ein paar Stücke, die mich auf Anhieb begeisterten. Unter anderem waren auch GOOD RIDDANCE mit "Mother superior" - von ihrem 1995 erschienenem Debüt "For God & Country" - vertreten. Während die Begeisterung für ein paar andere der enthaltenen Bands im Laufe der Zeit wieder nachließ, hat mich der Vierer aus Santa Cruz bis heute nicht enttäuscht. Ich habe die Band dann im selben Jahr noch auf einer Tour mit den VANDALS und NOFX das erste Mal live erleben dürfen, und spätestens da hatte ich eine Lieblingsband mehr. Dieses Jahr haben GOOD RIDDANCE mit "My Republic" ihr siebtes Album veröffentlicht und beweisen damit erneut, warum sie zu den sympathischeren Vertretern ihrer Zunft gehören. Das folgende Interview führte ich mit Sänger Russ Rankin (neben GOOD RIDDANCE-Chef auch noch Mitglied von NONE MORE BLACK und Kolumnist für das A.M.P. Magazine), der das Ganze netterweise zweimal über sich ergehen ließ, weil beim ersten Versuch mein Aufnahmegerät nicht lief ...


Russ, erzähl mir, wann und wie du mit Punkrock in Berührung gekommen bist und welche Gefühle diese Begegnung bei dir ausgelöst hat.

Ich erinnere mich daran, dass mir ein Typ auf der Highschool einen Song der DEAD KENNEDYS vorgespielt hat, das war wahrscheinlich 1983. Ich habe es von der ersten Sekunde an geliebt, weil es wütend, aggressiv und wild war. Es hat mich berührt zu wissen, dass es auch andere Menschen gibt, die sich so fühlen wie ich. Es drückte sehr gut aus, was in mir vorging, und hat der Sache eine Stimme gegeben. Meine erste Show waren die ADOLESCENTS, nach wie vor meine absolute Lieblingsband, und es hat mich überwältigt zu sehen, wie die ganzen Leute durchgedreht sind. Obwohl ich nervös war, eine sehr beeindruckende Erfahrung.

Glaubst du, dass sich die Szene seit damals stark verändert hat?

Die Sache wurde auf jeden Fall kommerzieller, besonders in den letzten Jahren. Als ich zum Punkrock kam, gab es noch keine Warped-Tour, kein Alternative-Magazine oder ähnliches. Es war wirklich ein Leben mit eigenen Werten und einem eigenem kulturellem Rahmen. Unglücklicherweise wird unsere Szene zu einem Gegenstand der Popkultur, samt eigenem Marktwert. Dass passiert nun mal, wenn ein paar Bands Erfolge feiern und einen Major-Vertrag bekommen.

Vor etwa drei Jahren kamen einige Leute zu der seltsamen Beobachtung, dass Punkrock wieder politisiert worden sei. Eine wirklich lächerliche Feststellung, die impliziert, dass es zu irgendeiner Zeit nicht so gewesen ist. Wie denkst du darüber?

Ich bin da ganz deiner Meinung. Allerdings gab es schon immer unpolitische Punkbands wie die ANGRY SAMOANS und so. Aber das politische Zeug hatte für mich seit jeher eine höhere Anziehungskraft und interessierte mich mehr als der Rest, da habe ich mich nie wirklich weit von entfernt. Es gab in den Neunzigern eine Zeit, wo ein paar Bands erfolgreich wurden, die den Eindruck erweckt haben, dass es, besonders an der Westküste, nur ums Trinken, Feiern und darum geht am Strand abzuhängen. Bands wie BLINK 182 oder SUM 41 haben halt eine eher lockere Einstellung zu dieser Art von Musik, was ja auch okay ist. Aber bei Menschen, die keinen richtigen Einblick haben, ist das Missverständnis aufgetaucht, es sei repräsentativ für die ganze Szene.

Bei deinen Texten muss man nicht wirklich zwischen den Zeilen lesen, um festzustellen, dass du eine nachdenkliche, teilweise traurige, wenn nicht sogar depressive Person bist.

Es gibt eine Menge Positives in meinem Leben. Aber für mich hat es einen Nutzen, dass ich als Songwriter die Möglichkeit habe, einen Weg zu gehen, der sich mit den Dingen beschäftigt und diese reflektiert. Stücke wie "Darkest days" oder "Shame" handeln von mir und meiner Vergangenheit, sie zeigen, wo ich herkomme, was für Entscheidungen ich im Leben getroffen habe und was ich daraus gelernt habe. Auf der einen Seite ist es etwas sehr Persönliches, aber ich denke zeitgleich wird ein generelles Unbehagen angesprochen, das auch andere Menschen nachvollziehen können.

Du schreibst ja auch eine Kolumne für das A.M.P. Magazine. Welche Themen werden von dir angesprochen?

Ich kann schreiben, worüber ich will, es ist meistens so, dass dabei etwas Politisches herauskommt. Ein paar der Texte sind aber eher humorvoll. Im Endeffekt schreibe ich einfach über Dinge, die ich erlebe und die mir widerfahren. Eine Kolumne hatte Beobachtungen über Flugreisen zum Inhalt, eine Menge Leute haben mir geschrieben, dass es sie zum Lachen gebracht hat. Seltsamerweise schreibe ich selten über Musik, obwohl es ja eine Musikzeitschrift ist.

Woher nimmst du die Motivation, in zwei Bands zu spielen, eine Kolumne zu schreiben und all so was?

Als bei GOOD RIDDANCE etwas die Luft raus war, habe ich die andere Band zusammen gebracht, weil es das ist, was ich liebe. Dann haben mir die Leute vom A.M.P. Magazine die Möglichkeit für die Kolumne gegeben, was ich unglaublich fand. Ich mag es, beschäftigt zu bleiben, und genieße die verschiedenen Plattformen, um kreativ zu sein. Es ist eine glückliche Situation, all diese Ventile zu haben, um meine Ansichten und Meinungen raus zu lassen. Solange es Menschen gibt, die sich dafür interessieren und denen ich damit irgendwie helfen kann, bin ich dankbar. Genauso wie es immer irgendjemand gab und gibt, der mir mit so etwas geholfen hat, meine Sicht der Dinge zu erweitern.

Heutzutage lebst du straight, aber ich habe gelesen, dass es nicht immer so war. Denkst du, dass Drogen einem im Weg stehen, wenn man versucht, ein politisch agierender Mensch zu sein?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich einen Nutzen für irgendeine Person hätte, wenn ich noch immer so leben würde wie früher. Jetzt kann ich klar denken und schaffe, es mich zu artikulieren und einzubringen. Als ich noch getrunken habe, war mir das nicht möglich. Für mich selbst macht es also einen großen Unterschied. Aber ich bin sicher, dass es auch eine Menge Menschen gibt, die trinken, Drogen nehmen und trotzdem ihren Teil für eine bessere Welt beitragen. Mal ganz abgesehen davon, bin ich allgemein niemand, der davon ausgeht, dass andere genauso sein müssen wie ich selbst.

Auf eurem neuen Album gibt es eine Textzeile die lautet "... a job that really pays". Welche Erfahrungen hast du mit Scheißjobs gemacht?

Als ich sechzehn war, habe ich bei McDonalds gearbeitet. Was schon irgendwie ironisch ist, weil ich heute vegan lebe. Das war eigentlich der einzige Scheißjob, den ich jemals hatte, trotzdem habe ich damals ein bisschen über Verantwortung gelernt und darüber, was es heißt, jeden Tag zur Arbeit zugehen. Ansonsten hatte ich das Glück, in vielen Cafes und Buchläden arbeiten zu können.

Euer neues Album, "My Republic", unterscheidet sich kaum von den anderen Alben, es ist vielmehr eine Zusammenfassung eures bisherigen Schaffens. Hast du eine Erklärung, warum es trotzdem so frisch klingt?

Du beantwortest die Frage eigentlich schon selbst. Wir wollten ein wirklich klassisches GOOD RIDDANCE-Album machen, das alles, was vorher war, enthält. Viele von unseren Alben wurden von den Bands geprägt, mit denen wir getourt sind, beispielsweise SICK OF IT ALL bei "Operation Phoenix". Oder LIFETIME, die auch einen sehr großen Einfluss auf uns hatten. Beim neuen Album war uns bewusst, dass wir einfach nur wir selbst sein wollten. Außerdem sollte es sich nach Kalifornien anhören und nicht nach Ostküsten- Hardcore. Wir sind alle mit Bands wie den ADOLESCENTS, BLACK FLAG, X, den GERMS, T.S.O.L. und so weiter aufgewachsen, Gruppen, die meiner Meinung nach Aussage mit Melodie verbunden haben. All diese Bands hatten was Düsteres an sich, und sie klangen trotz ihrer Melodien nicht fröhlich oder nach Pop. Unser erstes Album ging schon in diese Richtung. Das ist jetzt elf Jahre her, wir hoffen, in der Zwischenzeit etwas gelernt und uns verbessert zu haben. Das Album sollte sich nach "For God & Country" anhören, gepaart mit der zwischenzeitlich gemachten Erfahrung, und ich denke, das haben wir geschafft.

All eure Alben haben meiner Meinung nach ein hervorragendes Artwork. Wie wichtig ist das Design einer Platte für dich?

Mir ist das schon sehr wichtig. und abgesehen von ein paar Ausnahmen mag ich all unsere Cover. Das Artwork fürs erste Album war ein bisschen schnell zusammengeschustert, aber ich finde es immer noch okay. Das Design von "Bound By The Ties Of Blood And Affection" gefällt mir nicht, da wurde ich nun mal überstimmt. Aber die Tatsache, dass es weiß ist, finde ich cool, so haben alle unsere Alben eine andere Farbe. Als der Albumtitel für die neue Platte stand, habe ich Bilder aus dem späten 17. Jahrhundert gesucht, die die amerikanische Revolution als Thema hatten. Bei vielen war ich mir nicht sicher, ob sie durch ein Copyright geschützt werden. Weil wir nicht verklagt werden wollten, waren wir irgendwann ziemlich unschlüssig. Als wir dann auf Europatour waren, rückte die Deadline für die Gestaltung immer näher, also haben wir den Leuten bei Fat Wreck gesagt, sie sollen sich schlau machen. Im Endeffekt war es aber Sergie von Slapped Together Design, der sich um die Copyright-Geschichte gekümmert und das Artwork gemacht hat. Meiner Meinung nach ist ihm es gelungen und besser als das, was wir zustande gebracht hätten.

Lars Koch

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #67 (August/September 2006)

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