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Interviews & Artikel

TURBOSTAAT

Die Chaoten übernehmen das Ruder

TURBOSTAAT-Platten sind der Soundtrack für geistige Strandspaziergänge. Graues Meer, klare Luft, einsame Nordseestrände, Wolkenmassen so hoch wie einst das WTC und kalter Wind, der dir ins Gesicht bläst. Etwas klischeehaft, könnte man sagen, dass auch die bisherigen vier Platten so was wie die treuen Freunde sind, die immer dann am besten wirken, wenn das Wetter um einen herum rauher wird. Das Bild vom Soundtrack für die bewegte See passt auch beim neuen Album „Das Island Manöver“ noch gut. Die Veränderungen beim zweiten Album der Flensburger auf einem Majorlabel sind nicht so gravierend, als dass man sich als langjähriger Fan beschämt wegdrehen oder sich auf die Suche nach einer neuen Lieblingsband machen müsste. Aber kleine sympathische Veränderungen gibt es trotzdem, ohne die wär’s ja auch langweilig. Was sich geändert hat, hat Marten, TURBOSTAATs Sänger und Hauptliederschreiber erzählt.

Lass uns über die neue Platte reden. Das Erste, was mir aufgefallen ist, war der Titel: „Das Island Manöver“. Der hat mich recht stark an den alten 3000 YEN-Song „U-Boot-Manöver“ erinnert. Hat der was damit zu tun, ihr habt den Song ja auch mal gecovert?

Ehrlich gesagt steckt da gar nichts hinter. Das eine Lied heißt ja auch „Island Manöver“ und unser Trommler sagte mal – die Songs haben bei uns ja noch keine Titel, wenn wir sie im Proberaum spielen – „Lass doch dieses Island Manöver spielen“, und dann wussten wir auch alle, um welches Lied es geht. Und von da an hieß es „Das Island Manöver“.

Funktioniert das bei euch öfter so, dass ihr im Proberaum seid und beim Proben diese etwas seltsamen Songtitel entstehen?

Ja, entweder so oder man kalauert sich einen zusammen, dann wird das Lied so genannt. Für mich steckt da keine Absicht hinter. Ich hab ja früher immer die Texte geschrieben und dazu keine Titel. Es war halt immer so ein Band-Ding, was alle zusammen machen, die Titel dazuzufeuern. Also hat das mehr so einen sozialen Charakter als einen künstlerischen.

Wo wir gerade beim sozialen Charakter sind: Ihr habt euch ja diesmal ganz zielstrebig zurückgezogen und euch, im Gegensatz zu den früheren Platten, ganz gezielt über einen bestimmten Zeitraum fürs Songwriting zusammengesetzt. Was war der Unterschied in der Herangehensweise im Vergleich zu den vorherigen Platten?

Na ja, vorher haben wir über die Jahre immer geprobt und zwischendurch immer wieder Lieder gemacht, sie auch live gespielt und dann irgendwann eine Platte aufgenommen, wenn wir zwölf Lieder zusammen hatten. Diesmal haben wir es umgekehrt gemacht, wir haben quasi den Produzent und alle anderen angerufen und gesagt: Im Sommer nehmen wir die Platte auf. Ohne ein einziges Lied zu haben. Und haben uns dann ein halbes Jahr rangesetzt und die Lieder dafür gemacht, und nach zwei Monaten hatten wir immer noch kein fertiges Lied – so ging es dann weiter.

Meinst du, man hört den Unterschied der neuen Songwriting-Methode im Vergleich zu den Songs, die ihr sonst so kleckerweise zusammengebracht habt?

Das würde sich für einen Journalisten natürlich unheimlich schön anhören, wenn ich das so beschreiben könnte. Aber ich weiß es nicht. Ich bin ganz schlecht darin, darüber ein Urteil zu fällen. Eine Bandentwicklung kann ich natürlich raushören, wenn ich alle vier Platten hintereinander höre und kann auch sagen, was da passiert ist ...

Dann schieß mal los.

Man spielt viel besser. Man geht anders an die Songs ran, wenn man sie schreibt. Man achtet auf viel mehr Sachen, wenn man die Lieder im Proberaum zusammenbastelt. Früher hat eigentlich jeder das gemacht, wozu er Lust hatte, das macht er zwar heute auch noch, aber heute achtet er mehr auf zum Beispiel Einsätze, oder ob das wirklich spielbar ist oder sonst was. Und es wird auch immer schwerer.

Aber eigentlich doch nur, wenn man nicht immer das Gleiche spielen will. Es gibt ja auch Bands, die spielen immer dasselbe und da passiert halt nichts mehr.

Okay, an dem Punkt waren wir jetzt eigentlich auch, weil wir diese Musik in konzentrierter Form auf der letzten Platte schon hatten. Das war quasi das, was uns alle verbunden hat. Da mussten wir diesmal etwas raustendieren, weil wir sonst die gleiche Platte noch mal geschrieben hätten.

Wenn man jetzt mal von der Weiterentwicklung ausgeht – wäre denn vor fünf Jahren oder so ein Song wie „Fünfwürstchengriff“, in dem ja ein Drumcomputer, so ein TRIO-Beat, vorkommt, bei TURBOSTAAT überhaupt möglich gewesen?

Gerade das Lied ist halt so eine Sache, das haben Jan und ich bei mir zu Hause in fünf Minuten zusammengeklöppelt. Und dann hat es seinen Weg auf die Platte gefunden. Das war ganz überraschend für mich. Wir haben tunlichst drauf geachtet, dass unser Trommler nicht arbeitslos wird, und wenn wir es live spielen, achten wir auch drauf, es in anderer Form zu spielen. Das ist so ein Lied, an dem sich die Geister in der Band scheiden, so ein Rührtitel. Mit „Rührtitel“ meine ich, dass jeder eine andere Vision von dem Song hatte. Jeder zerrte und riss an diesem Lied rum und am Ende ist es das geworden, was es ist. Die Entwicklung von dem Song ist aber eigentlich noch nicht zu Ende.

Würdest du sagen, dass ihr beim „Island Manöver“ innerhalb der Band mehr diskutiert habt, in welche Richtung die Songs gehen sollen?

Wir haben schon immer viel diskutiert. Diesmal war es eigentlich weniger. Wir haben uns mehr über die Sache an sich unterhalten, als viel zu debattieren. Wir haben eigentlich mehr über technische Sachen geredet, also wie man zum Beispiel in einen bestimmten Refrain reinkommt oder so was. Einfach weil die Zeit kurz war, das heißt, du musst zu Ergebnissen kommen, und das ist eigentlich ganz hilfreich, weil wir uns sonst auch gern mal tot diskutieren und alles wegschmeißen.

Es gab ja schon frühere Termine für das Interview, aber dann sind immer Verzögerungen wegen des Abmischens aufgetaucht – was war denn da los?

Das ist ganz lustig, weil das viele bei uns noch nie erlebt haben. Unser Mischer, Philipp Hoppen, der hat die Platte auf einer digitalen Konsole digital gemischt. Und dann wurden die Singles noch mal neu gemischt, das macht man ja meistens so. Die wurden aber analog gemischt. Jetzt war der Unterschied so gravierend, dass wir gesagt haben: Oh, das hört sogar ein Laie, den Unterschied zwischen digital und analog. Dann hat die Plattenfirma noch mal Geld locker gemacht und Philipp hat das Ganze noch mal in einem analogen Studio gemixt. Wir waren dann sehr glücklich, dass wir die Platte im analogen und digitalen Mix vorliegen haben und man so einen Vergleich hat. Das Digitale klingt total gut, Philipp hat einen sehr guten Mix gemacht, aber im Vergleich zum analogen kommt es dir ganz klein vor. Wenn du nach der analogen die digitale Version hörst, dann merkst du erst mal, wie reduziert das ist, das ist ganz abgefahren.

Du hast gerade gesagt, die Plattenfirma hätte noch mal ein bisschen Geld für den zweiten Mix losgemacht. Das hört sich so an, als wäret ihr ganz zufrieden damit, auf einem Majorlabel zu sein. Es gibt ja recht viele Punkbands, die machen bei einem Major eine Platte und dann sind sie auch schon wieder weg vom Fenster. Das ist jetzt eure zweite – was macht ihr anders?

Das weiß ich nicht. Ich könnte nicht sagen, dass ich denen was krumm nehmen könnte. Die lassen uns einfach machen. Die tragen natürlich auch jede Menge Sachen an uns heran, die für einen Punker absonderlich klingen, etwa ob man bei diversen Fernsehshows auftritt oder so was. Was die Leute jetzt sehen, ist ja nur das, was wir machen. Wenn sie die 90% sehen würden, die wir ablehnen oder gegen die wir uns ganz strikt verwehren, wäre die Meinung auch ganz anders. Aber das ist eben die Aufgabe vom Label, die ticken da halt auch anders und haben sich darauf eingelassen, solche Chaoten wie uns ans Ruder zu lassen, und dann müssen sie damit klar kommen.

Aber müsst ihr denn jetzt auch vermehrt Interviews geben bei „genrefremden“ Magazinen?

Na ja, die kommen ja nicht vorbei und betteln um ein Interview. Da gibt’s ja Freelancer die fragen an und dann kommt das vielleicht in die Coupé, Gala und Praline, haha. Wenn überhaupt. Meist ist ja auch „Copy & Paste“ der Autor.

Hast du eigentlich einen Lieblingssong auf „Island Manöver“?

Nee, wir haben jetzt ein bisschen drüber geredet, was wir denn auf der Tour von den Songs spielen, und wir wollen eigentlich keinen von den neuen Songs auslassen. Daran rühren wir gerade, weil man ja nicht alle spielen kann.

Ich hab ja bei den Texten von TURBOSTAAT oft das Gefühl, dass die manchmal recht mehrdeutig sind und nicht so ganz leicht verständlich. Ist es denn Absicht, dass es manchmal etwas kryptisch bleibt?

Nee, das ist es nicht. Ich setze mich nicht hin und denke, dass ich jetzt ein Lied gegen Atomkraft schreiben möchte und überlege, wie ich das jetzt besonders hübsch verpacken kann, damit auch keiner versteht, dass ich gegen Atomkraft bin. So ist es nicht. Ich versuche mich auszudrücken. So wie’s in den Textheften steht, lässt es wohl auch eher durchblicken, wie grauenhaft kompliziert ich denke. Es geht schon darum, dass man sich gewissen Themen nähert. Ich mag halt nicht dieses plakative Eindeutige, dieses Führertum. Es geht mir darum, Gedanken in Gang zu setzen. Dahinter steckt jetzt aber kein Konzept oder großer Masterplan.

Wie schnell geht es denn bei dir beim Texteschreiben?

Unterschiedlich, ganz unterschiedlich. Es gibt Texte, die sind innerhalb von fünf Minuten runtergeschrieben, und andere, da saß ich dann immer mal wieder über Monate dran. Zum Beispiel „Fünfwürstchengriff“, das ist innerhalb von fünf Minuten entstanden, inklusive Text und Musik. Während ich für den Song „Island Manöver“ ganz viele Versuche gebraucht und über Monate immer wieder was dazu geschrieben habe.

Im Ox ja gibt’s ja auch immer eine Kochecke, bei der es zum Rezept auch immer einen Musiktip gibt. Wir machen das jetzt mal andersrum. Wenn man „Das Island Manöver“ hört, was sollte man dabei kochen?

Oh, jetzt wird’s schlimm. Wahrscheinlich irgendwas Deftiges, Grünkohl und Pinkel oder so. Man kann das ja auch mit vegetarischem Kasseler und viel Räuchersalz machen, das habe ich früher auch gemacht.

Gary Flanell

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #89 (April/Mai 2010)

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