BOSTON MANOR

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Es war ein stressiges Jahr für BOSTON MANOR, die Pop-Punk-Band aus Blackpool: Neben einer Tour mit NECK DEEP, einem Auftritt bei Rock am Ring und einer Herbst-Tour mit ALEXISONFIRE stand auch noch ihr viertes Studioalbum „Datura“ an. Warum das allerdings so kurz ausgefallen ist und wie die Zukunft der Band aussieht, verrät Sänger Henry im Interview.

Ihr habt gerade einen großen Konzert- und Festivalsommer hinter euch. Wie geht ihr mit all diesen aufregenden Möglichkeiten um, be­sonders nachdem ihr zwei Jahre lang nicht richtig touren konntet?

Es fühlt sich großartig an, wieder in Europa zu sein und Shows zu spielen; wir hatten immer großes Glück, dass wir über die Jahre hinweg Unterstützung auf dem Festland hatten und es war wirklich ätzend, fast zwei Jahre lang nicht hierher kommen zu können. Die Rückkehr nach Europa zu Veranstaltungen wie Rock am Ring war unglaublich, eine der größten Menschenmengen, vor denen wir je gespielt haben.

Außerdem stand im Oktober eine Tour mit ALEXISONFIRE an. Die sind nach vielen Jahren nun endlich mit einem neuen Album zurück. Was bedeutet euch das?
Wir haben früher alle ALEXISONFIRE gehört, also ist die Möglichkeit, mit ihnen auf Tour zu gehen, etwas ganz Besonderes. Sie waren unglaublich zuvorkommend und ihr Publikum war sehr nett zu uns! Es ist großartig, eine Band mit über zwanzig Jahren Erfahrung zu erleben, die großartige Musik macht und dabei verdammt cool aussieht. Das gibt mir Hoffnung für die Zukunft.

Weitere aufregende Neuigkeit: Euer viertes Stu­dioalbum steht kurz vor der Veröffentlichung. Es ist mit nur sieben Songs recht kurz, vor allem im Vergleich zu „Glue“ von 2020, das rund fünfzig Minuten Spielzeit hatte. Warum habt ihr euch dazu entschieden?
Es ist der erste Teil eines zweiteiligen Albums. Wir haben uns aufgrund des Konzepts – Teil 1 spielt von der Abend- bis zur Morgendämmerung, Teil 2 am nächsten Tag von der Morgen- bis zur Abenddämmerung – entschieden, es in zwei Schritten rauszubringen. Außerdem waren wir der Meinung, dass ein Werk, das 27 Minuten lang ist, leichter verdaulich ist und man es sich in einer Sitzung anhören kann. Im Zeitalter des Streamings spielen die Leute oft nur die erste Hälfte des Albums und das war's. Wir wollten, dass diese Platte von vorne bis hinten verdaut werden kann. Aber an alle, die sagen, dass es zu kurz ist: Ihr bekommt bald die andere Hälfte!

Ist es etwas, das ihr auch für zukünftige Veröffent­lichungen beibehalten wollt? Es gibt Bands, die statt zwei Jahre auf ein neues Album warten zu lassen, mehrere EPs in kurzer Zeit veröffentlichen. Könntet ihr euch vorstellen, dass es BOSTON MANOR künftig ähnlich halten?
Irgendwie schon, wir haben letztes Jahr eine EP ver­öffentlicht, dieses Jahr eine Platte, und eine weitere wird bald folgen. Das heißt, wir machen das, weil wir es wollen. Wenn wir keine gute Musik schreiben würden, würden wir es nicht erzwingen. Aber ich denke, es gibt etwas, das dafür spricht, dass Bands überarbeitet sind. Die Streaming-Giganten zahlen uns einen Hungerlohn und die Maschine verlangt, dass ständig „Inhalte“ produziert werden. Dass es Bands gibt, die ausgebrannt sind, ist definitiv ein Thema.

„Datura (dusk)“ ist der Titel eures Albums und des Eröffnungstracks. Er klingt ziemlich heavy und gibt den Ton für den Rest des Albums vor. Was hat euch beim Schreiben des Albums in Bezug auf aktuelle Ereignisse oder euren Musikgeschmack im Allgemeinen inspiriert?
Wir sind sehr stark von unserer Heimatstadt Blackpool inspiriert. Die Dichotomie von Glanz und Schmutz. Ich denke, dieser Kontrast ist in der Dynamik unserer Musik ziemlich offensichtlich. Wir haben versucht, beim Schreiben dieses Mal nicht zu weit nach außen zu schauen. Wir haben versucht, uns nur von uns selbst inspirieren zu lassen. Trotzdem haben wir immer noch unsere Haupteinflüsse, die uns als Künstler prägen. Man wird wahrscheinlich immer irgendwo ein paar Bands aus den späten Neunzigern und frühen Nullern raushören.

„Shelter from the rain“ ist ein Instrumentalstück, und ihr habt bereits angekündigt, dass ihr euch mehr auf die Atmosphäre konzentrieren wollt. Was war also die Idee hinter diesem Song?
An diesem Punkt der Geschichte ist es etwa vier Uhr morgens, es ist sehr dunkel, man kann kein Taxi bekommen und ist allein. Alles, was man will, ist nach Hause zu kommen, irgendwo, wo es warm und trocken ist. Wir wollten diese Verletzbarkeit in der Musik einfangen und ein ruhiges, nacktes Zwischenspiel machen. Wir haben Geräusche von nächtlichen Spaziergängen in Blackpool aufgenommen, von Menschen, die auf der Straße vorbeigehen, von Autos, dem Regen, damit es sich wirklich dreidimensional und lebendig anfühlt.

Ihr beendet das Album mit „Inertia“, einem Song, der offenbar von Herzen kommt. Kannst du mir erklären, worum es in dem Lied geht?
Es ist ein Liebeslied, das ich für meine Frau geschrieben habe, eine Hommage an sie für all das, womit sie mich in meinem Leben unterstützt hat. Es ist auch eine Botschaft der Hoffnung für die Zukunft. Es fühlte sich richtig an, die Platte auf einer positiven Note zu beenden, wenn die Morgendämmerung anbricht.

„Inertia“ ist etwa sechs Minuten lang und die letzten zwei klingen wirklich ungewöhnlich und es endet schließlich mit Vogelgeräuschen. Es fühlt sich fast so an, als würde man nach den vorherigen Songs aufwachen. Warum habt ihr euch entschieden, hier mit dem Sound zu experimentieren?
Es gibt eine Menge versteckter Botschaften in diesem „geheimen Track“, die Hinweise auf das geben, was als Nächstes kommen wird. Außerdem wollten wir, dass es sich anfühlt, als ob man aus einem schrecklichen Traum aufgewacht ist. Der Vogelgesang zeigt an, dass die Morgendämmerung angebrochen und die Nacht vorbei ist.