GOOD RIDDANCE

Foto

40 Jahre

So lange gibt es die kalifornische Band nun bereits. Altersmilde ist für das Quartett allerdings ein absolutes Fremdwort. Solange es Missstände und Ungerechtigkeiten auf dieser Welt gibt, werden GOOD RIDDANCE dagegen ankämpfen. Wie man über all die Jahre so konstant angepisst sein kann, wie beschissen die Welt heutzutage ist und was das alles mit dem neuen, zehnten Album. namens „Before The World Caves In“ zu tun hat, besprechen wir mit Russ Rankin.

Wie schafft ihr es, euch nach all der Zeit noch zu motivieren?

Kurz gesagt, die Welt motiviert uns. Bei all der Scheiße, die so abgeht, kann man einfach nicht stillsitzen und zusehen. Was da abgeht, treibt uns an und lässt uns kreativ sein.

„Before The World Caves In“ sprüht vor intensiver, dunkler Energie. Was war euer Ziel mit dem Album?
Stilistisch gesehen war uns relativ früh klar, dass sich „Before The World Caves In“ deutlich vom Vorgänger abheben sollte. Es sollte düsterer klingen, atmosphärischer und vor allem härter. Inhaltlich geht es vor allem um Entfremdung, Reue und Selbstreflexion – speziell während man älter wird.

Die allgemeine Weltlage ist schwierig momentan. Wie manövriert ihr euch so durch diese Zeiten?
Bleib dir selbst treu, hilf dabei, Gemeinschaften zu bilden, und pflege diese. Schütze und unterstütze Leute um dich herum, die in einer nicht so privilegierten Situation sind wie du selbst. Am wichtigsten ist, dass du etwas tust. Geh wählen und such den Dialog mit denen, die du gewählt hast, um dich zu vertreten. Finde heraus, wo deine Stärken liegen, und bring sie ein. Wo es Demos gibt, marschier mit, wo es Proteste gibt, mal ein Schild und sei dabei.

GOOD RIDDANCE haben schon immer den Finger in die Wunde gelegt und sich laut und klar positioniert. Wie beurteilt ihr die aktuelle Lage in den USA?
Leider würde eine umfassende Antwort dieses Interview sprengen. Aber wenn die Institutionen, auf denen dieses Land aufgebaut ist, im besten Fall unfähig sind, im schlechtesten Fall eine Mitschuld an der Situation tragen, muss man sich nicht wundern, dass so vieles den Bach runtergeht. Einer der Gründe, wieso viele Menschen bei der letzten Wahl nicht mal aufgetaucht sind. Und nun haben wir einen verurteilten Straftäter und Vergewaltiger im Weißen Haus sitzen. Manchmal muss es scheinbar wirklich schlimm werden, bevor ein Prozess angestoßen wird, der alles zum Besseren wendet. Der Kampf, den die demokratische Partei gerade ausficht, um sich selbst neu zu erfinden, ist dabei fast erfrischend für uns, die wir links der Mitte stehen. Es bleibt spannend, wie es aussieht nach den Midterms.

Der Trend zur KI-Musik scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. Was hältst du davon?
Du hast es richtig gesagt, die ganze Nummer ist nicht aufzuhalten. So faszinierend das Ganze vom technischen Standpunkt aus gesehen ist, so sehr glaube ich, dass KI niemals den kreativen menschlichen Output und die damit verbundenen Emotionen ersetzen kann.

Anzeige