© by Victoria PrestesBen Cook hat nicht nur gefühlt schon überall auf der Welt gelebt, sondern war auch an den unterschiedlichsten Musikprojekten beteiligt. Dazu gehören Hardcore-Bands wie FUCKED UP und NO WARNING. Mit seinem Soloprojekt GUV geht Ben Cook in eine poppigere und experimentellere Richtung. Sein neues Album „Warmer Than Gold“ klingt an vielen Stellen nach Britpop, was mit seiner Herkunft und seiner großen Leidenschaft für OASIS zu tun hat. Wir sprachen mit Ben über das neue Album, das Comeback von OASIS und seinen Ausstieg bei FUCKED UP.
Im Vergleich zu deinen bisherigen Alben als GUV wirkt „Warmer Than Gold“ irgendwie größer und epischer. Mit was für Ideen bist du an die Platte herangegangen?
Ich bin der Meinung, dass „Warmer Than Gold“ mein bisher bestes Album ist. Das liegt glaube ich daran, dass es sich wie ein richtiges Album anfühlt. Mein NO WARNING-Weggefährte James Matthew Seven hat mich unter anderem als Produzent unterstützt und weiß genau, wie man ein Album mit einem roten Faden macht. Meiner Meinung nach ist er einer der besten Produzenten weltweit. Vor „Warmer Than Gold“ habe ich als GUV zwei oder drei Jahre Pause gemacht, um mein Leben auf die Reihe zu bekommen und mich auf wichtige Dinge neben der Musik zu konzentrieren. Ich war zwischenzeitlich auch ziemlich genervt davon, wie einige Menschen heutzutage Musik konsumieren, und dass man sich als Künstler um Social-Media-Content kümmern muss. Ich wollte einfach einen anderen Job und mein Geld nicht mehr in die Musik stecken. Matt hat mich aber schließlich ermutigt, wieder Musik zu machen. Er hatte die Idee, mehr mit Samples und Breakbeats zu arbeiten und das Ganze noch britischer klingen zu lassen. Ich bin ja selbst Brite und habe Familie in England. In dieses Album wollten wir noch mehr meinen musikalischen Hintergrund einfließen lassen. Der Entstehungsprozesses lief hauptsächlich digital ab. Zwischendurch waren wir aber auch zusammen in einem Raum. Während Matt viel zu Hause ist und sich von YouTube oder seiner Plattensammlung inspirieren lässt, bin ich gerne in der Weltgeschichte unterwegs. Auch wenn GUV mein Soloprojekt ist, haben wir uns die Arbeit an dem Album geteilt. Matt ist kein Producer, der den ganzen Tag nur irgendwelche Knöpfe drückt und Gras raucht. Er ist ein spiritueller Ratgeber – ein bisschen so wie Rick Rubin. Natürlich könnte ich auch irgendwo in den Wald gehen und alleine ein Album machen. Dabei hätte ich aber viel weniger Spaß. „Warmer Than Gold“ klingt so groß, weil dahinter zwei Menschen stecken, die seit etwa 30 Jahren Musik machen.
Wie hat es Matt geschafft, dich wieder ins Studio zu bekommen?
Das hat viel mit seiner Besessenheit und Leidenschaft für sein Handwerk zu tun. Er interessiert sich gefühlt für nichts anderes und es ist wirklich inspirierend, ihm beim Musikmachen zuzugucken. Ich muss aber auch sagen, dass das ganze Projekt ziemlich chaotisch losging. Wir waren beide in Portugal, wo ich zwischendurch auch lebe. Er ist für die Arbeit an dem Album extra zu mir geflogen, und alles, was ich gemacht habe, war Wein zu trinken und zum Strand zu gehen. Matt war deshalb ziemlich angepisst, aber ich habe es zu dieser Zeit einfach noch nicht richtig gefühlt. In der ersten Session ist uns dann direkt die Idee zu „Hello Miss Blue“ gekommen. Der Song war ein guter Orientierungspunkt, wie das Album klingen soll. Wir wollten diesen britischen Sound mit Rave und Punk kombinieren und es sollte so klingen, als ob die BEASTIE BOYS ein Britpop-Album produzieren. Matt hat mir sehr dabei geholfen, diese Idee zu verfolgen und nicht wieder in alte Muster zu verfallen. Meine vorherigen Alben als GUV gingen ja eher in eine Powerpop-Richtung.
Ich finde ja, dass deine vorherigen Releases als GUV verspielter und experimenteller klangen ...
Das liegt daran, dass ich bei meinen vorherigen Alben nie den Anspruch hatte, dass sie zusammenhängend klingen. Auf „GUV IV“ kann man so viele unterschiedliche Vibes hören und das Ganze wirkt eher wie ein Mixtape. Bei „Warmer Than Gold“ gab es von Beginn an die Idee, ein Thema einzubauen, dass sich durch den kompletten Release zieht. Das Album handelt davon, etwas Echtes und Wahrhaftiges abseits von der Konsumkultur und den ganzen Statussymbolen zu finden.
2024 hast du deine Musik im „The Run For Cover“-Podcast als „ignorant British indie stuff“ beschrieben. Wie sieht es heute aus?
Ich würde sagen, dass mein neues Album durchdachter und lyrischer ist. Wir wollten aber wieder bewusst diese Ignoranz und Einfachheit der britischen Musik der 1980er und 1990er mit einfließen lassen.
Ich habe das Gefühl, dass das Label „Britpop“ seit dem Comeback von OASIS stellenweise etwas inflationär benutzt wird. Bist du cool damit, wenn deine Musik so bezeichnet wird?
Ich glaube, dass wir immer irgendwelche Labels und Überbegriffe benötigen, um über Musik zu sprechen und sie zu beschreiben. Ich habe mich vor der Arbeit an meinem neuen Album nicht hingesetzt und alle Platten von OASIS, BLUR und PULP durchgehört, um sie dann zu kopieren. Ich habe versucht, meine eigene Interpretation für den Begriff „Britpop“ zu finden. Genauso gerne wie die Musik mag ich übrigens auch die Mode, die mit dieser Szene verbunden ist.
Wir haben bereits über den großen Einfluss von James Matthew Seven gesprochen. Neben ihm hat unter anderem auch Meg Mills am Album mitgewirkt. Wie genau sah die Zusammenarbeit aus?
Meg und ich sind durch die Hardcore-Szene Freunde geworden und ich war schon immer ein Fan ihres Projekts CARE CHARMER. Sie ist eine coole, ruhige Person und unglaublich talentiert. Ich habe sie ins Studio eingeladen, als ich in London an meinem Album gearbeitet habe. Ich hatte eine Idee im Kopf, an der ich mit Meg arbeiten wollte. Daraus ist schließlich der Song „Seaside story“ entstanden, einer meiner Favoriten des Albums.
Mein Lieblingssong ist „September grey“. Der passt mit seiner melancholischen Stimmung perfekt ans Ende des Albums. Gibt es dazu eine persönliche Hintergrundgeschichte?
Der Song ist entstanden, als ich das erste Mal mit Produzent Remghost zusammengearbeitet habe. Ich hatte den Titel bereits im Kopf und wollte einen Song über dieses melancholische Gefühl am Jahresende machen. Ich habe dabei an den Herbst in New York gedacht, wo ich einige Jahre gelebt habe. Das ist eine der besten Jahreszeiten, um in dieser schönen Stadt zu sein.
Wir haben jetzt viel über dein Soloprojekt GUV gesprochen. Wo siehst du den größten Unterschied, wenn du es mit deiner Arbeit in Bands wie FUCKED UP oder NO WARNING vergleichst?
Als GUV habe ich die Kontrolle über zeitliche Abläufe und Erwartungen. Ich kann machen, was ich will, und muss mich nicht mit Spotify-Zahlen oder TikTok beschäftigen. NO WARNING war eine gemeinsame Idee von Jordan, Matt, Jesse, Ryan und mir und wir machen bis heute gerne Musik zusammen. Bei FUCKED UP habe ich zwar an ein paar Alben mitgearbeitet, aber es hat sich nie wirklich wie meine Band angefühlt.
FUCKED UP haben mal im Ox-Interview erzählt, dass es nie wirkliche Differenzen zwischen euch gab und dass du dich einfach auf deine Solokarriere konzentrieren wolltest. Hast du die Band auch deswegen verlassen, weil du deine Persönlichkeit und Gedanken noch mehr zum Ausdruck bringen wolltest?
Auf jeden Fall! „Warmer Than Gold“ ist eine Ode an den Briten in mir. Immer, wenn wir ein Album für FUCKED UP geschrieben haben, ging es darum, was das Beste für die Band ist. Als Solokünstler habe ich mehr Raum für meine persönlichen Gedanken und gehe gleichzeitig ungezwungener an die ganze Sache heran. Ich habe das Gefühl, dass viele Leute in Bands alles viel zu ernst nehmen. Ich kann verstehen, dass Menschen damit ihr Leben finanzieren, aber sie sollten sich selbst trotzdem nicht für zu wichtig halten. Als GUV möchte ich einfach nur Alben machen, mit meinen Freunden herumhängen und vielleicht mit ihnen auf Tour gehen. Mit dem Projekt verdiene ich nicht wirklich viel Geld, aber das ist mir egal.
Hörst du dir noch die neuen Releases von FUCKED UP an?
Ehrlich gesagt nein. Es gibt kein böses Blut und ich bin immer noch ein Fan von FUCKED UP, aber nach 13 Jahren in der Band höre ich mir die neue Musik nicht mehr an. Ich bin noch mit Jonah Falco in Kontakt und finde, dass er als Produzent interessante Alben macht.
Wie sehen deine Zukunftspläne mit GUV und „Warmer Than Gold“ aus?
Ich habe mit dem Projekt bereits ein paar UK-Shows gespielt und es sind auch Konzerte in den USA geplant. Ich möchte außerdem nach Europa kommen, weil ich glaube, dass das neue Album live gut funktionieren wird.
© by Fuze - Ausgabe #116 Februar/März 2026 und Christian Biehl
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