LIK

Foto© by Michaela Barkensjo

Ungezügelt

Bei „Necro“, seinem vierten Studioalbum, ist das Quartett aus Stockholm etwas andere Wege gegangen. Klar, es ist immer noch HM2-getriebener Schwedentod, doch fallen die Lieder 2025 wesentlich diverser aus als noch in der Vergangenheit. Wir sprechen mit Schlagzeuger Chris Barkensjö.

Habt ihr die Songs für das neue Album geschrieben, um bestimmte Plätze in eurer Live-Setlist zu füllen?

Nein, aber was wir gemacht haben, ist, dass wir darüber gesprochen haben, dass wir immer diesen, wie heißt das, diesen Skank-Beat haben. Ich schätze, ich habe den ziemlich gut drauf. Das ist vielleicht das Einzige, von dem ich selbst sagen würde, dass ich es gut kann, und ich habe das seit hunderttausend Jahren gemacht. Aber als wir angefangen haben, für dieses Album zu schreiben, haben Thomas Åkvik, unser Sänger und Gitarrist, und ich darüber gesprochen, dass wir diesmal vielleicht nicht versuchen sollten, überall einen Skank-Beat reinzupacken, obwohl er funktioniert. Wir haben uns selbst herausgefordert, wollten es mit mehr Midtempo, schwerer und vielfältiger haben, nicht nur um die Skank-Beats zu minimieren, aber es wäre wohl ziemlich langweilig, denke ich, immer wieder das gleiche verdammte Ding zu bringen. Ich bin jetzt sehr zufrieden mit der Vielfalt. Ich muss sagen, ich bin wirklich glücklich damit.

Ich muss sagen, ich war es am Anfang nicht. Als ich das Album zum ersten Mal gehört habe, kam ich bis zum dritten Song „They“ und dachte: Was geht hier ab? Ist das ein AMON AMARTH-Album? So richtig warm geworden bin ich mit der Nummer bis heute nicht.
Ich meine, im Allgemeinen sagen die Leute: Das ist das beste Album, das ihr je gemacht habt, und das ist gut, das macht Spaß, das gefällt mir. Aber selbst wenn sie sagen würden, dieses Album ist scheiße – okay, das ist traurig zu hören, aber wir sind trotzdem wir selbst, wir sind sehr glücklich damit. Denn im Grunde sind wir eine Proberaum-Band im Vergleich zu vielen anderen heutzutage. In all diesen Songs steckt so viel Leidenschaft, und sie klingen so, wie sie klingen, weil wir sie live einspielen. Wenn wir irgendwo Mist bauen, fangen wir da an, wo wir gerade aufnehmen. Es sind Schlagzeug, Rhythmusgitarre und Bass, und danach gehen wir vielleicht rein und fixen ein paar Sachen, was auch immer. Aber ich meine, was du bekommst, ist das, was du auch live erwarten kannst – nur das Tempo kann variieren. Ich kann dich beruhigen und sagen, dass „They“ momentan nicht in der Setlist ist, haha, aber wir haben ihn geprobt und meiner und ich denke, auch Thomas’ Meinung nach, weil er es erwähnt hat, ist das auch ein cooler Song. Ich denke also, er wird in Zukunft definitiv dabei sein.

Mit „Rotten inferno“ habt ihr einen sehr melodischen und auch langsamen Track am Ende des Albums. Kannst du mir etwas über die Entstehung dieses Songs erzählen?
Nun, zuerst einmal ist es der langsamste Song, den wir je gemacht haben. Und wir hatten schon die Idee dazu, in diese Richtung zu gehen, als wir anfingen, dieses Album zu schreiben. Die Sachen gerieten aber wirklich heavy und wir mussten etwas das Tempo anziehen. Zum Beispiel brauchte „Morgue rats“ etwas mehr Uptempo, aber es wurde dann ein großartiger Song. Aber „Rotten inferno“ war für mich tatsächlich einer der schwierigeren Songs. Denn ich nehme nicht mit Clicktrack auf, weil ich einen Song fühlen will. Wir wollten, dass es wirklich, wirklich heavy klingt. Es war so, einmal konnte ich nicht zur Probe kommen und eine Woche später meinten Thomas und die Jungs: Wir haben einen Song geschrieben, oder zumindest damit angefangen. Er sagte auch direkt, das Schlagzeug muss wirklich, wirklich langsam sein. Ich habe selbst nie Doom gespielt. Die langsamsten Songs, die ich über die Jahre gespielt habe, waren nicht langsam im Vergleich dazu. Es zieht sich ein schweres und richtig derbes, doomiges Gefühl durch den ganzen Song, es ist ein trauriger Song, aber auf eine gute Weise. Ob wir ihn auch live spielen werden, weiß ich noch nicht. Wir haben ihn geprobt und versucht, ihn in unser Set einzubauen, aber er passt noch nicht so richtig.

Wie oft müsst ihr die Songs vorher proben, damit ihr sie im Studio live einspielen könnt?
Wenn wir anfangen zu schreiben, dann schreiben wir, und für uns dauert es einfach so lange, wie es dauert. Wir haben keine Deadlines, bevor wir nicht das Gefühl haben: Okay, jetzt sind wir auf dem richtigen Weg, jetzt sollten wir eine Deadline setzen, um uns selbst ein bisschen zu pushen, wirklich fokussiert und konzentriert zu sein. Ich meine, diesmal hat es eine Weile gedauert, dieses Album zu schreiben, und das ist nicht komisch, denn es ist das vierte Album — und das war hart. Denn sogar wir dachten: Können wir überhaupt wieder das Level erreichen wie bei „Misanthropic Breed“? Aber dann haben wir aufgehört, darüber nachzudenken, weil das für eine Weile ein Blockadefaktor war – zumindest für mich war es einer, und ich dachte: Ach, scheiß drauf! Das ist ein anderes Album, das ist ein komplett anderes Ding. Nach einer Weile hat sich einfach alles zusammengefügt. Wir nehmen die Sachen live auf, weil wir beim ersten Album kein Budget hatten und Laurence sagte: Ihr habt das Wochenende, das ist alles. Also mussten wir wirklich verdammt gut vorbereitet sein. Wir haben immer eine gute Zeit, weil wir vier Freunde sind und Spaß haben, also haben wir kein Problem damit zu proben. Aber manchmal nervt es natürlich. Vor einer Aufnahme sind wir immer richtig fokussiert. Aber diesmal, bei „Necro“, hat unser Produzent Laurence Mackrory uns gebeten: Bitte seid nicht zu gut eingespielt, weil ich diesen Nerv treffen will. Wir haben wirklich nicht viel geprobt, wir hatten auch nicht die Zeit, weil wir noch nicht mit allem fertig waren. Maximal zweimal die Woche. Selbst als wir ins Studio gingen, waren wir nicht komplett sicher mit dem Material, aber dann hat es plötzlich funktioniert. Und was du jetzt auf dem Album hörst, ist auch kaum editiert, also dass man sagt: Ich setz das hierhin, ich verschiebe diesen Takt auf die andere Seite ... Weil, wie gesagt, kein Clicktrack, es ist alles live und eben das, was wir in dem Moment gefühlt haben.

Anzeige