© by www.dropink.deSchon sehr oft waren es Filme, die als Inspiration dienten, wenn die Mümchner MARATHONMANN sich an neue Projekte wagten. Wie genau dieser Zusammenhang zwischen Musik und Film aussieht und was er bedeutet, erklären Michi und Jo im Interview.
Ihr beide seid sehr große Filmfans. Wie genau kommt es zustande, dass ihr eure Themen mit Filmen oder Filmzitaten verknüpft. Wird speziell danach gesucht, kann man so was planen?
Michi: Direkt geplant ist das nicht. Wir sind schon immer mit Filmen in Berührung. Wir leben das einfach. „Die Goonies“, mein absoluter Lieblingsfilm aus der Kindheit, hat mich so sehr geprägt, dass ich noch heute Träume und Denkmuster bei mir erkenne, die ich darauf zurückführen kann. Bei der neuen Platte zum Beispiel haben Jo und ich uns die Bälle zugespielt und immer wieder Filmzitate ausgetauscht, die zur Stimmung der einzelnen Songs passten, und so ist das dann entstanden.
Gibt es einen Film oder ein Genre, das ihr besonders häufig benutzt, oder eines, das eher unterrepräsentiert ist?
Jo: Zum Großteil sind bei uns eher die Filme der 1980er und 1990er vertreten. Was daran liegt, dass das die Zeit ist, in der wir aufgewachsen sind. Dadurch wurden wir am meisten geprägt. Gerade diese Ära ist aktuell ja ein sehr großes Thema in der Popkultur. Bestimmt wirkt es oft so, als würden wir die Zitate und Themen aus dieser Zeit benutzen, um auf diesen Zug aufzuspringen. In Wahrheit ist es aber einfach Glück, da es genau diese Filmepoche ist, die uns am meisten beschäftigt. Zusätzlich haben wir aber auch ein paar Anspielungen auf Indie-Streifen, die eh kaum jemand kennt. Wir machen das ja in erster Linie für uns. Ich wüsste jetzt nicht, was unterrepräsentiert wäre.
Michi: Wir sind durch die Bank sehr gut abgedeckt. Unser neues Album ist mehr durch Horror geprägt. In Horrorfilmen, gerade bei denen aus den 1980ern, sind so viele verschiedene Ebenen erkennbar. Vor allem bei den früheren Werken, als die Effekte noch nicht so gut umsetzbar waren oder es an Budget fehlte, wurde sehr viel mit Metaebenen gearbeitet. Dadurch haben sich sehr angsteinflößende Szenen etabliert, die über das gesprochene Wort funktionierten. Daraus entstanden dann gute Zitate die man zu allen möglichen Themen benutzen kann. Wenn du einen bestimmten Satz hörst und dann Freddy Krueger im Kopf hast, wie er ihn sagt, ruft das wieder das unbehagliche Gefühl von damals hervor.
Wenn ihr Filme aus einer bestimmten Zeit oder spezielleren Genres zitiert, habt ihr da manchmal Sorge, dass den Zuhörer:innen, die das nicht kennen, der Zugang zu euren Texten fehlt?
Michi: Also ich würde sagen nein. Die Sätze, die wir verwenden, sind teilweise so stark, dass sie nicht an Wirkung verlieren, wenn man ihre Herkunft nicht kennt. Aber klar, wenn du „Zurück in die Zukunft“ nicht gesehen hast, wirst du mit dem Satz : „Was zum Teufel ist ein Gigawatt?“ eher wenig anfangen können. Aber „Hören die Lämmer heute auf zu schreien?“ ist ein Satz, der so viele Gefühle ausdrücken kann und so gut funktioniert, dass es, glaube ich, egal ist, ob man „Das Schweigen der Lämmer“ gesehen hat oder nicht.
Jo: Wir machen ja sowieso eher Musik, die keinen direkten Zugang durch die Texte liefert. Michis Texte sind immer sehr voll mit Metaphern, so dass dadurch schon immer ein sehr großer Interpretationsspielraum vorhanden war. Und durch die eben genannte Sozialisation ist sein Schreibstil sehr davon geprägt. Ich wurde schon häufiger gefragt, aus welchem Film denn diese oder jene Zeile stammen würde, die gar kein Zitat war, sondern die Michi selbst geschrieben hatte.
Michi: Das finde ich jetzt witzig zu hören. Auf dem neuen Album „Poltergeist“ finde ich es diesmal sogar etwas direkter. Bei dem Song „Frequenzen“ habe ich in der ersten Strophe sehr direkt etwas zu einem Thema geschrieben und in der zweiten Strophe zu einem anderen, ich will jetzt noch nichts verraten, und das fiel mir selbst auch erst hinterher auf. Aber es passt.
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