© by Manuel WieslhuberDen Namen sollte man sich unbedingt merken. Die unheimlich sympathische Band aus Nürnberg schafft es, einen ganz eigenen Weg zu beschreiten, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Gegründet 2019, spielten sie 2021 die ersten Konzerte und geben seitdem kräftig Gas. DIY-Attitüde, gepaart mit unfassbarem Arbeitsethos und ansteckender Spielfreude, lassen keinen Zweifel daran, dass es mit der Band stets steil nach oben gehen wird. Nur einige von vielen guten Gründen, uns mit Sängerin Oli und Gitarrist Basti einmal ausführlich zu unterhalten. Wir reden über das kommende Album „Take Care“, den damit einhergehenden Labelwechsel sowie die turbulenten letzten Jahre von MELONBALL. Anschnallen!
Ihr seid eine sehr authentische und nahbare Band, auch musikalisch mögt ihr es reduziert und verzichtet auf die momentan allgegenwärtigen Übertreibungen, was eure Produktionen und eure Live-Shows angeht. Woher kommt das?
Oli: Ich sehe die Entwicklung teils kritisch, dass alles immer fetter und immer krasser werden muss. Natürlich muss am Ende des Tages die Leute entscheiden, ob sie das wollen. Man kann sich allerdings schon die Frage stellen, ob man auf der Bühne zehn Gitarren hören muss, wenn da nur zwei Menschen stehen? Sicherlich Geschmackssache, aber etwas, das wir niemals machen würden. Wir wollen immer zu 100 % das auch umsetzen können, was wir geschrieben haben.
Basti: Du wirst zum Beispiel als junger Mensch zugeknallt mit der krassesten, überproduzierten Show. Natürlich ist das Entertainment pur, aber erhöht das nicht auch die Einstiegshürde für junge Künstler? Stellt man sich als Konsument dabei nicht vielleicht die Frage, wie man dieses Level jemals erreichen soll, und lässt es dann vielleicht gänzlich bleiben, mit der Musik anzufangen?
Ohne predigen zu wollen, aber vielleicht könnte das alles etwas niederschwelliger sein. Wir wollten jedenfalls bewusst einen reduzierteren, roheren Sound und sind seit jeher total happy damit.
Was hat sich bei euch persönlich wie auch musikalisch seit dem ersten Album verändert?
Oli: Ich glaube, beim ersten Mal war es gar nicht unserer Plan, ein Album zu schreiben. Wir haben eben einfach drauflos geschrieben, und als wir dann irgendwann zehn Songs fertig hatten, haben wir gesagt, lasst uns die doch einfach mal aufnehmen. Es kam dann alles etwas anders, wir haben die Leute von Lockjaw Records auf dem Punk Rock Holiday Festival in Slowenien kennen gelernt und plötzlich hatten wir ein Label. Damals hatten wir zunächst noch vor, alles selbst zu veröffentlichen. Jetzt beim zweiten Album haben wir viel bewusster einen Zeitraum geblockt, in dem wir ein Album schreiben wollten. Da wir sehr viel live spielen, war das gar nicht so einfach. Aber das hat auch echt viel Spaß gemacht.
Basti: Rein organisatorisch hat sich absolut nichts verändert, wir waren und sind DIY und haben alle Dinge selbst in der Hand. Das wird auch so bleiben. Natürlich ist das mehr Arbeit, aber absolut unsere Vorgehensweise. Da ist es dann egal, ob es ums Booking von Shows geht, ums Hotels buchen oder die Auswahl der Künstler, die unser Artwork gestalten. Das machen wir alles selbst.
Ihr seid eine Band, die nicht müde wird, gegen die Ungerechtigkeiten in der Welt aufzustehen. Wie wurdet ihr in diese Richtung sozialisiert?
Basti: Ich komme aus einem sehr konservativen Umfeld. Und ich habe früh festgestellt, so wie ich das alles in diesem Mikrokosmos kennen gelernt habe, so will ich das nicht mein ganzes Leben lang machen müssen. Man muss offen und empathisch sein und auf Leute zugehen. Und so schreibt sich auch unsere Musik.
Oli: Die Welt ist ein seltsamer Ort und manchmal sind wir auch extrem niedergeschlagen oder wütend. Ich selbst bin in der Großstadt aufgewachsen und hatte beispielsweise durch Jugendzentren sehr früh Zugang zur Musik bekommen und konnte somit auch eine breitere Masse an Meinungen und Einflüssen aufsaugen. Als wir angefangen haben, zusammen Musik zu machen, wurde sehr schnell klar, dass unsere Sicht auf die Welt sehr ähnlich ist, wir quasi gleich ticken. Man muss laut sein gegen Ungerechtigkeiten. Diese Einstellung haben wir insgesamt als Band. Wir sind alle der Meinung, dass es wichtig ist zum Beispiel gegen rechts aufzustehen, Spenden zu sammeln, auf Demos gehen und auch Musik zu machen. Es ist wichtig, linke Strukturen zu unterstützen.
Es gibt zu wenige Bands mit FLINTA-Beteiligung. Wie nehmt ihr das Thema wahr?
Oli: Also das schwankt so ein wenig, es gibt Phasen, da denke selbst ich gar nicht mehr drüber nach. Bandintern ist das ja sowieso kein Thema. Und auch in dem Umfeld, in dem wir uns bewegen, ist das meist keine große Sache. Was natürlich aber nach wie vor ein Problem ist, ist eine gewisse Distanzlosigkeit, und das selbst in sehr linken Strukturen. Gar nicht mal unbedingt sexualisiert, aber zum Beispiel wird mir dann ungefragt in die Haare gefasst oder so was. Das ist total unnötig und sollte heutzutage gar kein Ding mehr sein. Oder dass Veranstalter und Techniker eher die Jungs in unserer Band ansprechen, obwohl viele Dinge eigentlich über mich laufen, da würde ich mir einfach noch eine Weiterentwicklung wünschen.
„Take Care“ erscheint nun Ende Februar, welche Einflüsse haben das Album zu dem gemacht, was es jetzt ist?
Basti: Natürlich könnte ich jetzt BAD RELIGION oder die RAMONES nennen. Es bleibt ja am Ende einfach Punkrock. Ich möchte aber nicht so klingen wie diese Bands denn die gibt es ja bereits. Beim Schreiben von „Take Care“ habe mich gar nicht gezielt von einem Genre beeinflussen lassen, sondern mich vor allem auf das eigene, authentische Songwriting konzentriert. Wir haben beim Recording beispielsweise komplett mit echten Amps gearbeitet, weil wir roher und echter klingen wollten.
Oli: Es hört sich an wie ein Klischee, aber am meisten inspiriert mich natürlich das Leben selbst. Die Themen meiner Texte begegnen uns jeden Tag – in den Medien, aber auch ganz konkret zu Hause, im Bekanntenkreis, im Stadtteil ... Es geht um politische Entwicklungen ebenso wie um Gleichberechtigung, aber auch um sehr persönliche Dinge wie Selbstkritik, Reflexion und Selbstliebe. Ich habe mich auf das Songwriting gar nicht bewusst mit bestimmter Musik eingestimmt.
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