PALE

Foto

Back from the dead

PALE sind zurück! Das neue Album „The Night, The Dawn And What Remains“ steht in den Startlöchern. Es ist das erste seit 2009. PALE waren eine der hiesigen Indie-Sensationen der frühen Zweitausender. Irgendwo zwischen Indie, Emo, Soul und Rock mit einer Punkrock-Attitüde hatte man sich damals eine eigene Nische geschaffen und mit Songs wie „A town called Malice“ oder „Goodbye trouble“ so viele Menschen berührt. Nach gut 13 Jahren ist die Aachener Band nun mit neuer Musik zurück. Wir haben mit Sänger Holger die leider traurigen Umstände der Entstehung beleuchtet und herausgefunden, wie sehr ein Album ein Manifest der Dankbarkeit an einen geliebten Menschen sein kann.

Ihr seid von 1993 bis 2009 aktiv gewesen. Was waren die Gründe für die damalige Auflösung?

Ich würde fast sagen, dass es bei uns ganz klassisch das Leben war. Wir haben immer betont, dass die Band ein wundervolles Hobby ist und dass die Freundschaft untereinander im Vordergrund steht. Leben verändern sich, Familien werden gegründet und beruflich geht man voran. Wir hatten als Band eine sehr erfolgreiche Zeit und hätten damals, als wir angetreten sind, niemals geglaubt, dass es bei uns jemals so rund gehen würde. Wir sind sehr dankbar für das, was wir damals alles erleben durften. 2009 war aber auch der perfekte Zeitpunkt aufzuhören. Wir hatten alles erreicht, was wir uns vorgenommen hatten. Wir hatten ja noch eine Abschiedstour gemacht und somit für uns ein supergutes Ende gefunden.

Hast du nach PALE noch weiterhin Musik gemacht?
Tatsächlich habe ich selbst überhaupt keine Musik mehr gemacht nach der Auflösung, bis auf eine Ausnahme. Wir haben 2012 noch einmal eine gemeinsame Show gespielt. Ansonsten wirklich überhaupt nicht. Als wir vor einiger Zeit wieder losgelegt haben, Songs zu schreiben und am neuen Album zu arbeiten, musste ich mich tatsächlich sogar auf die Suche nach meinem Equipment machen. Dank dem Muskelgedächtnis konnte ich mich zumindest noch an die alten Songs erinnern. Immerhin. Da spielt aber bei mir auch so ein wenig die Ambivalenz zur Musik rein. Ich liebe es, Musik zu machen, aber an den weniger guten Tagen kann es auch eine absolute Belastung sein. Fluch und Segen halt.

Was waren in deiner Zeit bei PALE die persönlichen Highlights?
Ich glaube, was oft so ein wenig als Klischee angesehen wird, nämlich die Tatsache, dass wir einfach Freunde waren, die Musik zusammen gemacht haben, und uns das im Endeffekt immer genug war – also dass wir uns genug waren, ist mein wahres Highlight. Ich weiß, das erzählen verdammt viele Bands und bei einigen wird es auch so sein, aber bei uns stand das immer an erster Stelle. Es sollte nie Druck entstehen oder sich jemand innerhalb der Band unwohl mit einer Entscheidung füh­len. Das war es, was PALE absolut ausgemacht hatte. In der Szene, in der wir alle großgeworden sind, war das aber eben auch möglich. Fernab vom Druck der großen Major-Produktionen beziehungsweise die Antithese dazu. Ansonsten will ich noch unsere erste Show mit JIMMY EAT WORLD nennen. Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, wie viele Leute trotzdem wegen uns da waren, das war sehr schön.

Springen wir mal in die Gegenwart. Ihr hattet euch vor ein paar Jahren dazu entschieden, noch mal gemeinsam Musik zu machen. Wie kam es dazu?
Unser erster Bassist Philipp hatte mich in den ersten Tagen der Pandemie besucht und hatte unser allererstes Demo im Gepäck. Wir hatten erst so ein wenig spaßeshalber gesagt ,man müsste die Songs eigentlich echt mal neu aufnehmen. Allerdings war damals auch noch nicht so klar, wie schlimm es wirklich um Christian stand. Wir hatten natürlich alle noch Hoffnung, dass alles gut ausgeht. Heute wissen wir leider, dass die Hoffnung vergebens war. Damals wollten wir mit neuer gemeinsamer Musik Christian auch von seiner Behandlung ablenken. Christian hat Musik geliebt und ich habe einmal gesagt, dass er der einzige richtige Musiker bei PALE war, und da steckt viel Wahrheit drin. Irgendwann kam aber der Gedanke auf, einfach noch einmal gemeinsam neue Musik zu schreiben. In der Nachbetrachtung war es die richtige Entscheidung. Mit dem Schreiben der neuen Platte konnten wir alle auch ein Stückweit die Situation verarbeiten. Christian selbst war total euphorisch und hat es einfach total genossen.

Gab es nach Christians Tod Zweifel daran, das neue Album zu veröffentlichen?
Natürlich gab es die. In der ersten Zeit war überhaupt nicht an Musik zu denken. Zu tief saß der Schmerz über den Verlust. Es erschien uns trivial, an so etwas Profanes wie einen Albumrelease zu denken. Aber mit der Zeit wurde uns bewusst, wie sehr Christian das gewollt hätte. Er hat für die Musik gelebt und mit „The Night, The Dawn And What Remains“ konnten wir ihm auch ein kleines Denkmal setzen. Emotional war das natürlich ein riesiger Kraftakt. Wir hatten ein Jahr zusammen Musik geschrieben und Christian hatte sehr viel eingespielt und eingesungen. Als es ihm dann immer schlechter ging, waren da natürlich Zweifel vorhanden. Aber wir wussten auch um die Vision, die Christian für diese Platte hatte, und wollten das Ganze auch in seinem Sinne weiterführen.

Momentan kursieren einige Gerüchte, unter anderem dass man euch wieder live sehen wird. Was ist an diesem Gerücht dran?
Das ist tatsächlich wahr. Auch wenn vielleicht nicht ganz so, wie man es erwartet. Vorerst ist mal nur eine Show geplant. Wir werden ein Konzert im Gloria in Köln spielen. Da werden viele Gäste aus dem PALE-Umfeld dabei sein und auch aktiv an der Show teilnehmen. Auch ist es geplant, sämtliche unserer ehemaligen Bandmitglieder auf die Bühne zu bringen. Mehr kann ich dazu jetzt noch nicht verraten, aber ich glaube, wir sind uns alle einig, dass das eine hochemotionale Sache sein wird. Wir freuen uns sehr darauf. Ob und wie es danach weitergeht, können wir momentan selbst noch nicht wirklich sagen. Man sollte aber niemals nie sagen.