PREDATORY VOID

Foto© by Tetiana Malezhyk

Reduktion als Stärke

Drei Jahre nach ihrem ersten Album lassen die Belgier von PREDATORY VOID wieder von sich hören. „Atoned In Metamorphosis“ heißt die EP. Gitarrist Lennart Bossu beantwortet uns Fragen zu Ausrichtung und Songwriting.

Wie wichtig ist ein inhaltliches, textliches Konzept für eure Musik?

Unsere Arbeitsweise ist so, dass Musik und Texte in den ersten Phasen komplett getrennt voneinander entstehen. Unsere Sängerin Lina notiert Ideen, einzelne Zeilen, manchmal auch ganze Strophen, wenn sie sich inspiriert fühlt. Erst in einem späteren Schritt schauen wir, wie sich Texte und Musik zusammenführen lassen – manchmal indem wir die Struktur der Musik anpassen oder mehr Raum für Gesang schaffen, manchmal werden Texte leicht verändert, damit sie besser in das bestehende Songgerüst passen. Insgesamt würde ich aber sagen, dass die Texte eine eigene Entität sind und für uns genauso wichtig wie die Musik selbst.

Ich habe das Gefühl, dass eure Musik sehr auf ihre Kernelemente reduziert ist. Entfernt oder ergänzt ihr beim Songwriting bewusst Elemente und Strukturen?
Nachdem wir 2023 unser erstes Album rausgbracht hatten und anfingen, die Songs live zu spielen, hatte ich den Eindruck, dass sie stellenweise unnötig kompliziert geraten sind. Manche Songs waren dadurch sehr schwer zugänglich, weil wir kaum Parts wiederholt haben. Das hat bei uns definitiv den Wunsch geweckt, etwas Reduzierteres und Direkteres zu schreiben, das sich auch mal stärker an traditionelleren Songstrukturen orientiert.

Im Vergleich zu „Seven Keys To The Discomfort Of Being“ sind die Songs auf „Atoned In Metamorphosis“ recht kurz. War es schwierig, die Stücke auf ihre wesentlichen Bewegungen und Motive zu fokussieren?
Ich würde nicht sagen, dass es schwierig war, aber es gab auf jeden Fall eine bewusste Entscheidung, etwas zu schreiben, das sich fokussierter anfühlt als „Seven Keys ...“. Der Kürze und Prägnanz wegen haben wir jetzt einige Ideen bewusst nicht auf die EP genommen und sozusagen auf Eis gelegt, um vielleicht später darauf zurückzukommen.

Mit Kris habt ihr ein neues Bandmitglied dazugewonnen, gleichzeitig ist Tim, der noch auf dem Album zu hören war, ausgestiegen. Was fügt Kris deiner Meinung nach dem Sound von PREDATORY VOID hinzu?
Kris hat einen ganz anderen musikalischen Hintergrund als der Rest der Band, und wenn sie eine Basslinie schreibt, ist das meist etwas völlig anderes, als ich es mir für diesen Part vorgestellt hätte – was die Songs deutlich interessanter macht. Ihre Vocals eröffnen uns außerdem eine komplett neue Welt an Möglichkeiten.

Der cleane Gesang von Kris und Lina ist auf der EP deutlich präsenter als bisher. War das eine bewusste Entscheidung? Da die Lyrics ja meist als letztes fertiggestellt werden: Wird der Gesangsstil erst am Schluss festgelegt oder arbeitet ihr mit unterschiedlichen Texten bei gleichbleibenden Vocals während des Schreibprozesses?
Bei der Entscheidung, welche Art von Gesang ein Part bekommen soll, sind wir Abschnitt für Abschnitt vorgegangen und haben jeweils überlegt, was am besten passt – Clean Vocals, Screams oder etwas dazwischen. Manchmal war das von Anfang an klar, manchmal mussten wir erst verschiedene Dinge ausprobieren, um es herauszufinden. Danach sind wir einen Schritt zurückgegangen und haben uns den Song als Ganzes angehört, um zu prüfen, ob die Mischung der verschiedenen Gesangsstile für uns stimmig ist. Gilles Demolder, der die EP aufgenommen, gemischt und produziert hat, hatte einen großen Anteil daran, uns für einen stimmigen emotionalen Spannungsbogen im Gesang zu sensibilisieren – also nicht einfach cleane und geschriene Parts wahllos aneinanderzureihen. Auf diese Weise hat Lina auch diese „Zwischenstimme“ entdeckt, die weder ein voller Schrei noch wirklich clean ist.

Die Produktion eures ersten Longplayers – für die, wenn ich richtig liege, Tim verantwortlich war – wirkt deutlich verhangener und droniger als die EP. Warum habt ihr euch entschieden, mit eurem OATHBREAKER-Kollegen Gilles zu arbeiten und für die EP einen schärferen, klareren Sound zu wählen?
Als die Songs geschrieben waren, klangen sie von sich aus schon deutlich schärfer. Wir haben im Vergleich zum Album einen Ganzton höher gestimmt und hatten das Gefühl, dass die EP von einer Produktion profitieren würde, die weniger auf diese tiefe Schwere und Wucht setzt. Wie du erwähnt hast, kenne ich Gilles aus meiner Zeit bei OATHBREAKER, und ich habe absolutes Vertrauen in seinen Geschmack, wenn es um kreative Entscheidungen geht, deshalb war er für mich gleich der Richtige.

Siehst du die EP als nächsten logischen Schritt für PREDATORY VOID oder eher als einen kleine Abstecher, um neue Dinge auszuprobieren?
Wir haben hier definitiv neues Terrain betreten, und wir hätten uns auch in ganz andere, aber durchaus plausible Richtungen entwickeln können. Doch uns gefällt das sehr, was dabei herausgekommen ist, und ich gehe davon aus, dass diese EP das Fundament für alles weitere sein wird, was wir schreiben werden.

„Atoned In Metamorphosis“ ist mit seinen vier Tracks recht kurz. Nach dem Hören wünscht man sich mehr. Ist ein neues Album bereits geplant?
Danke! Die EP war vor allem als ein Lebenszeichen der Band in der neuen Besetzung gedacht. Einen konkreten Zeitplan gibt es noch nicht, aber unser klares Ziel ist es, als Nächstes wieder ein Album zu machen.

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