© by Ina BohnsackBei der Kölner Band SCHNUPPE ist drin, was draufsteht. So zumindest wird es via Plattentitel postuliert. Bei SCHNUPPE drin sind nach einigem Hin und Her, von dem die Band berichtet: Mel, Katharina, Diana und Dani. Sie erzählen im Interview von ihrem Zusammenfinden, davon sich ein Herz zu fassen, von der Freude an Popmusik, von ein bisschen Pech, aber doch vor allem viel Zuspruch.
Ihr seid noch eine neue Band und habt gerade eure erste Platte rausgebracht. Im Infotext nennt ihr euch selbst Newcomer. Ist es für euch alle die erste Band?
Diana: Für mich ist es die erste. Das ist echt ganz witzig, weil die meisten um einen herum auf jeden Fall mehr Erfahrung haben. Ich hätte gar nicht gedacht, dass ich das mal machen würde. Das ist auf jeden Fall geil.
Wie ist es dann dazu gekommen?
Diana: Ich habe in der Pandemie angefangen, Schlagzeug zu spielen. Ich hatte damals ab und zu bei einem guten Freund Unterricht gehabt und der hat mich gefragt, was mein Ziel sei. Da meinte ich, dass ich gern einmal mit einer Band auf einer Bühne stehen wollen würde. Irgendwann habe ich von Katharina einen Beitrag in einer Gruppe von dem Festival, wo wir beide arbeiten, gesehen, in dem sie gefragt hat, ob jemand eine Schlagzeugerin kennt oder selber spielt. Ich hatte keine Ahnung von der Band oder von Mel oder von den anderen. Ich kannte eben Katharina und habe mich so erst mal gar nicht getraut, ihr zu schreiben, dann aber doch.
Mel: Ich habe aber auch spät angefangen. Bin ja ein bisschen älter als ihr. Die erste einigermaßen ernstzunehmende Band hatte ich auch erst mit Anfang 30 und das ist jetzt, glaube ich, die vierte nach VELOCHROME, SANS GENE und KRATZEN.
Und wie haben SCHNUPPE angefangen?
Katharina: Ich habe bei Facebook einen Aufruf gestartet und gefragt, ob wer Bock hat, mit mir Musik zu machen, und dann hat sich die Mel gemeldet. Du hast dann noch Steffi von KRATZEN mitgebracht und dann waren wir mitten in der Pandemie das erste Mal im Proberaum.
Ihr kanntet euch schon oder war es wirklich so eine mehr oder minder anonyme Social-Media-Begegnung?
Diana: Wir kannten uns ein bisschen, weil wir mal ein Video für VELOCHROME gedreht haben.
Mel: Genau und Steffie ist die Schlagzeugerin von KRATZEN und die hatte ich zuerst mitgebracht, aber ihr war das zu viel auf Dauer und die Bassistin verließ uns dann auch.
Katharina: Ja, wir waren lange auf der Suche und haben hoffentlich jetzt die richtige Person mit im Bunde.
Feminismus ist ein großes Thema auf eurer ersten Platte. Was habt ihr so bisher als All-FLINTA*-Band erlebt?
Katharina: Wir haben weitestgehend sehr positive Erfahrungen gemacht. Besonders schön finde ich in dem Kontext, dass du, Diana, auch wirklich das erste Mal Musik auf einer Bühne machst. Dianas erstes Konzert war direkt auf einem Drumriser. Wir dachten, wir spielen so vor 50 Leuten, und dann standen da 300.
Diana: Das war im Bürgerzentrum Ehrenfeld beim Geburtstag der Kneipe EDP und Hauptact waren FORTUNA EHRENFELD. Wir waren die eröffnende Band und dachten, um 19 Uhr ist da sowieso noch keiner. Ich habe auf jeden Fall versucht, mich selber zu beruhigen. Aber die waren alle schon da. Das war so eine outer body experience. Und deswegen hat es, glaube ich, so gut funktioniert. Weil es zu surreal war.
Katharina: Und dann haben wir direkt weitere Konzerte in Köln, Bielefeld, Limburg und Wermelskirchen gespielt.
Diana: Ich frage mich immer, je nachdem wo man dann so spielt, ob denen das jetzt hart genug ist?
Katharina: Das habe ich mich auch total oft gefragt, weil wir ja schon eher poppig sind. Gerade wenn es so in diesen richtigen AJZs ist.
Diana: Aber die Leute sind immer sehr wohlwollend.
Mel: Ich bin immer noch total überrascht, wenn da überhaupt Leute sind.
Wie weit war denn der Weg von „Wir gründen jetzt diese Band“ hin zu „Wir bringen diese Platte raus“?
Diana: Für mich war es absurd kurz. Ich bin im Sommer 2023 dazugekommen. Für mich ist das noch nicht so lange her. Im Winter haben wir den ersten Gig gespielt und dann war klar, dass wir im kommenden Jahr aufnehmen würden. Das haben wir im Herbst getan. Euer Zeitgefühl ist ganz anders, dadurch dass ihr zwei schon in der Pandemie angefangen habt und dann so lange Leerlauf hattet.
Katharina: Ja, aber dann ging es doch ultra schnell. Seit du dabei bist, ging es Knall auf Fall.
Mel: Am Anfang ging es auch schnell, dass Songs da waren, und dann kam das Personalproblem. Das hat alles etwas verzögert.
Diana: Wenn man sich so findet, mit nicht mehr Anfang 20, wo alle andere Prioritäten haben und schon recht feste Vorstellungen von dem, was sie möchten, was sie nicht möchten, und man auch am liebsten noch eine FLINTA*-Band bleiben möchte, ist es gar nicht so easy, Leute zu finden.
Katharina: Tatsächlich war es ultra schwierig, jemanden für den Bass zu finden. Auf Aufrufe haben dann trotzdem noch Männer geantwortet, was grundsätzlich ja auch lieb ist.
Habt ihr das selbst mal infrage gestellt?
Diana: Ich habe schon auch aus persönlichen Aspekten darüber nachgedacht. Also wenn jetzt jemand da wäre und es funktioniert mega cool, es gibt eine geile Dynamik, würde ich nie sagen: „Sorry, aber du bist ein Kerl.“ Aber irgendwie möchte ich auch, dass mehr Sichtbarkeit für Frauen auf der Bühne da ist. Also wäre es irgendwie auch cool, wenn wir das selber hinbekommen und Leute dazu motivieren. Aber du kannst das eben auch nicht erzwingen. Es zeigt nach wie vor, dass die Landschaft in der Hinsicht ein bisschen dünn ist.
Mel: Ich glaube, das wollte ich nicht wahrhaben, dass es keine Bassistin gibt oder keine Schlagzeugerin. Es kann ja nicht sein, dass wir einen Mann nehmen müssen, weil keine Frauen da sind. Da war ich vielleicht auch zu trotzig. Und ich fand es bei SANS GENE ein gutes Konzept. Irgendwie hat es doch direkt eine andere Dynamik, wenn ein Mann dabei ist. Nicht unbedingt eine schlechtere, aber anders.
Wie kam es dazu, dass die Platte bei Rookie erschienen ist?
Mel: Letztes Jahr war ich auf dem Orange Blossom Special Festival als Gast da und die beiden haben da gearbeitet und da hieß es irgendwann, Jürgen ist da und will mit uns sprechen. Dann haben wir da gesessen und er hat schon durchblicken lassen, dass Interesse besteht.
Katharina: Ich kannte Jürgen ein bisschen aus seiner Kölner Zeit, weil man sich auf Konzerten öfter begegnet ist. Der war ja immer überall. Plötzlich folgte er uns auf Instagram mit dem Rookie-Account und hat immer fleißig alles geliket. Auf diesem Orange Blossom Special Festival bin ich in ihn reingerannt und da sagte er: „Du machst doch auch jetzt ganz viel Musik, was sind denn eure Pläne ...“ Und kam direkt auf das Thema, uns zu unterstützen, also haben wir uns zwei Tage später zusammengesetzt. Wir konnten das in dem Gespräch gar nicht so richtig glauben. Es ist schon komisch. Andere Bands gibt es schon echt lange und die haben kein Label gekriegt.
In eurer Pressemitteilung steht, dass ihr in der Band alles ausprobieren könnt, es irgendwie keine Grenzen gibt und ihr alles machen könnt, worauf ihr Bock habt. Aber es gibt doch sicher Sachen, die ihr nicht machen würdet, oder?
Diana: Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass wir jetzt nicht elektronische Tanzmusik machen wollen. Aber ein bisschen elektronisch dürfte es schon sein. Ist es ja auch. Es soll ein bisschen punkig bleiben und tanzbar. Es gibt aber wirklich wenig, was eine von uns kategorisch ablehnen würde.
Mel: Vielleicht würde manches gar nicht aus uns rauskommen. Intuitive Selbstbeschränkung.
Katharina: Irgendwie haben wir wohl aber doch einen roten Faden gefunden, auch wenn wir ihn selber gar nicht immer sehen.
Ihr habt auf der Platte ein schönes Cover von „Rock ’n’ Roll Freitag“ von HANS-A-PLAST ...
Katharina: Das war der erste Song, den wir bei der ersten Probe gespielt haben, und der hat uns nicht losgelassen.
Würdet ihr die Band als Einfluss für SCHNUPPE benennen?
Katharina: So krawallig sind wir ja gar nicht. Wenn wir den live spielen, ist das der krawalligste Song, den wir haben. Wir haben den oft am Anfang der Probe gespielt, um uns so ein bisschen selber in die Energie zu stürzen. Von daher irgendwie doch.
Gibt es andere Einflüsse?
Mel: Wir hatten gar keinen Plan. Wir haben die erste Probe so gestaltet, dass jede einen Coversong mitbringen sollte, und das war dann neben „Rock ’n’ Roll Freitag“ was von L7 und X-RAY SPEX. Und am Ende ist es eine Mischung aus all dem geworden. Vielleicht noch ein bisschen mehr Pop. Ich mag es ganz gerne poppig.
Du hast ja gerade auch gesagt, dass du SCHNUPPE als nicht so krawallig empfindest.
Katharina: Nee, überhaupt nicht.
Mel: Punkig finde ich uns eigentlich auch nicht. Schon lärmig, aber es ist kein Punkrock, finde ich.
Diana: Die Attitude und die Einfachheit passen schon. Das ist das Punkige.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Bianca Hartmann
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