SLANDER TONGUE

Foto© by Tim Stadler

Snowing in my Amp

Auf SLANDER TONGUE aus Berlin bin ich vor ein paar Jahren gestoßen, als ich auf der Party eines Freundes etwas von ihnen hörte, das meine Aufmerksamkeit erregte. Bei weiteren Nachforschungen fand ich heraus, dass einige der Jungs früher in ein paar Bands spielten, die ich seinerzeit sehr mochte, wie etwa SICK HORSE und MODERN PETS. Diese Jungs können spielen und singen, wobei die Songs die perfekte Länge haben, ohne zu ausschweifend zu werden. Wenn du deine Augen schließt und deiner Fantasie freien Lauf lässt, denkst du vielleicht an DMZ oder die REAL KIDS aus Boston. Und der leicht näselnde Gesang von Sänger Axel lässt das Ganze klingen wie einen Track auf einem alten „Back From The Grave“-Sampler. SLANDER TONGUE liefern ohne Prätention, ohne Gimmicks und mit Kalkül ab.

Wer oder was ist „Slander Tongue“? Warum dieser Name?

Klaus: Wenn ich mich richtig erinnere, ist Axel der Name an einem Augustmorgen im Jahr 2017 eingefallen.
Axel: „Slander Tongue“ ist das Lästermaul deines Viertels. Die Leute lieben es zu lästern. Berlin ist ein tolles Beispiel dafür. Und Klaus hat recht, eines Morgens bin ich in Hamburg aufgewacht und das Erste, was mir in den Sinn kam, war dieser Name – keine Ahnung warum. Es ist nicht einfach, einen guten Bandnamen zu finden, und ich mochte schon immer Namen, die einen BADFINGER-Vibe haben, also dachten wir, das könnte es sein.

Du und Klaus, ihr zieht euch an wie die Jungs in meinem Viertel damals in Kalifornien, als ich ein Kind war. Ist es eine Hommage an eine bestimmte Zeit oder einen bestimmten Ort?
Klaus: Kein spezieller Stil, keine Hommage. Was auch immer passt. Heute trage ich eine Jeans, die ich in einer Givebox bei mir auf der Straße gefunden habe.
Axel: Heute ist Lederwetter, also trage ich Stiefel, Jeans und Lederjacke. Ich mag alte Sachen einfach viel lieber und kaufe normalerweise alles aus zweiter Hand – auch um den ganzen Mode-Konsumwahn nicht zu unterstützen.

Wenn ihr Songs schreibt, habt ihr dann eine ganz bestimmte Vorstellung davon, was ihr machen wollt? Eine Formel?
Klaus: Normalerweise bringt Axel eine grobe Idee oder Melodie ein, dann versuche ich, ein paar Gitarrenleads einzubringen, und die Rhythmusgruppe verwandelt sie auf magische Weise in einen Song.
Axel: Oft besteht die Formel aus den guten alten drei Akkorden. Es gibt keine eng definierte Vorstellung davon, wie genau ein Song sein oder klingen muss. Das wäre zu langweilig und trägt wahrscheinlich sogar dazu bei, dass die Band so klingt, wie sie klingt. Ich schreibe den Großteil der Musik und der Texte, vor allem in der frühen Phase der Songs. Normalerweise mache ich das zu Hause auf der Akustikgitarre und bringe die Riffs und Melodien mit in die Proben. Dann jammen wir das alles zusammen, verstärken es und ändern Teile oder die Tonart des Songs. Am Ende gibt jeder seinen Senf dazu.

Was inspiriert euch außerhalb der Musik, um in der Musik etwas zu bewirken?
Axel: In erster Linie ist es das Leben selbst, denke ich. Dinge, die täglich um dich herum passieren. Meistens sind es die Dinge, die dich stören, die in einem Song landen. Eine Menge Inspiration kommt auch durch Gefühle, die sowohl negativ als auch positiv sein können.

Zur Interaktion mit anderen Musikern: Worauf kommt es an, damit eine Zusammenarbeit funktioniert?
Axel: Es fühlt sich oft so an, als wäre es wichtiger, den Leuten zuzuhören, mit denen du spielst, als dir selbst zuzuhören. Nur so kann ein musikalisches Verständnis entstehen und etwas zusammenwachsen. Ich glaube auch, dass es wichtig ist, dass man musikalisch einen roten Faden hat. Ich wäre definitiv verloren, wenn ich mit Leuten spielen müsste, die aus einem Jazz-Umfeld kommen, oder plötzlich elektronische Musik machen müsste. Außerdem glaube ich, dass ein ähnlicher Musikgeschmack von Vorteil ist.
Klaus: Geduld ist wichtig. Du hast es mit anderen Individuen zu tun. Lass dir die Dinge nicht zu Kopf steigen, wenn du einen Streit mit jemandem hast.

Ist es für euch wichtig, bekannt zu sein?
Axel: Finanziell würde es nicht schaden, das ist sicher ... Popularität kann toll sein und macht die Dinge als Musiker in einer Band viel einfacher. Du bekommst höhere Gagen, größere Shows und alles ist toller und besser. Tatsache ist, dass wir eine Underground-Band sind, die weit davon entfernt ist, gehypet zu werden. Wenn sich das jemals ändern sollte, von mir aus, aber ich habe noch nie Musik mit dem Ziel gemacht, berühmt zu werden. Wenn das zu deinem obersten Ziel wird, solltest du vielleicht besser aufhören.
Klaus: Mir geht es nicht um Ruhm oder darum, Leute zu unterhalten. Wenn du es nicht zu deinem eigenen Vergnügen machst, hat es keinen Sinn, es zu tun. Natürlich ist es schön, wenn jemandem irgendwo deine Musik gefällt. Ich verstehe die meisten unserer Plattenkritiken nicht, manchmal kommen die Leute mit seltsamen Vergleichen. Es wäre schön, einmal kostenlose Gitarrensaiten zu bekommen.

Wie wichtig sind euch die Texte?
Axel: Die sind sehr wichtig, denn sie vermitteln die Botschaft eines Liedes, und mit Worten kann man magische Dinge erreichen. Leider warte ich oft bis zur letzten Minute, um sie fertigzustellen, und ich denke oft, dass meine Texte viel besser sein könnten ... Eine coole Sache bei mir ist, dass sie oft automatisch kommen, wenn ich bei den Proben neue Songs jamme. Zumindest Teile davon, und sie kommen auch zusammen mit einer Melodie. Das ist der Punkt, an dem ich weiter an ihnen arbeiten und sie aufschreiben sollte. Stattdessen lasse ich sie ewig liegen und beende sie oft erst während des Aufnahmeprozesses. Die alte Prokrastinationsnummer ...

Was macht für euch einen guten Rocksong aus?
Axel: Ein gutes Riff, eine schöne Gesangsmelodie, zwei oder drei Parts, die gut zusammenpassen, und vor allem eine eingängige Hook! Oft sind es die einfachen Dinge, die für mich den Ausschlag geben. Ich mag lieber drei Akkorde und eine eingängige Melodie als Songs mit fünf Teilen und vielen dissonanten Noten, die nicht zusammenpassen.
Klaus: Einfachheit. Du brauchst nicht zu viele Akkorde.

Versucht ihr, Musik als solche in irgendeiner Weise zu verändern?
Axel: Ich würde nicht sagen, dass wir das bewusst versuchen. Ist das überhaupt möglich? Oder ist das nicht etwas, das sowieso nur unterbewusst passiert? Ich würde eher sagen, dass wir die Musik in gewisser Weise neu interpretieren. Ich mag Musik aus allen Jahrzehnten, aber vor allem Sachen aus den 1960ern, 1970ern und frühen 1980ern. Das ist das Zeug, das ich mir am meisten anhöre. Ich möchte, dass der Sound der Band in diese Richtung von Rock’n’Roll-Musik geht, und das fließt bis zu einem gewissen Grad auch in mein Songwriting ein. Ich betrachte das aber nicht als einen Ansatz, die Musik zu verändern.
Klaus: Gitarrenmusik ist eine aussterbende Sache. Es wurde alles schon mal gemacht. Wir versuchen einfach, Spaß damit zu haben, solange wir können.

Geht ihr in ein richtiges Studio oder nehmt ihr selbst in eurem Proberaum auf?
Axel: Beides. Bis jetzt haben wir das meiste in Studios hier in Berlin aufgenommen. Bei Toby von Dong Xuan Productions oder bei Smail Shock. Beide haben großartige analoge Aufnahmestudios, die sich wunderbar für unseren Sound eignen. Es ist auch gut, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der alles aus einer anderen Perspektive hört. Ich habe aber auch einige anständige analoge Aufnahmegeräte in unserem Proberaum, die ich bisher hauptsächlich für Demos benutzt habe. Unsere kommende Single haben wir selbst im Proberaum auf einem alten TEAC-Board und einer Fostex-16-Spur-Rollenmaschine produziert und abgemischt.
Klaus: Ich mag es lieber, Sachen selbst aufzunehmen, weil man mehr Zeit hat und mit verschiedenen Mikrofonen und so experimentieren kann. Außerdem liebe ich es, kleine Extras hinzuzufügen, wie zum Beispiel zusätzliche Percussions. Bis jetzt waren schon zerbrochene Flaschen, Stiefel und andere Dinge auf unseren Platten zu hören. Das Aufnehmen kann eine Menge Spaß machen.

Es steht eine neue Veröffentlichung von euch an ...
Axel: Ja, unsere neue Single heißt „Let It Snow“ und kommt im Dezember auf Alien Snatch! raus, sie wird als 7“-Vinyl und digital auf allen Plattformen erhältlich sein. Es wird auch ein Musikvideo geben! Es ist kein Weihnachtssong, aber er passt zur Jahreszeit. Es wird frostig werden, es wird nass werden und es wird schneien.

Stehen irgendwelche Auftritte an?
Axel: Wir sind gerade dabei, Shows und Touren für 2025 zu buchen. Einige Termine sind bereits unter Dach und Fach, andere sind noch im Buchungsprozess, also bleibt dran. Wir würden gerne irgendwann nach Australien fahren. Falls also jemand aus Down Under das hier lesen sollte: Meldet euch!

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