SLAPSHOT

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Eine legendäre Hardcore-Band

SLAPSHOT sind eine dieser legendären Hardcorebands, die schon seit Ewigkeiten zusammenspielen, aber trotzdem nichts an Aggressivität eingebüßt haben. Ganz unumstritten war die Bostoner Band um Sänger Choke allerdings nie: Mit seinem schon längst wieder aufgelösten Label Patriot Records war der Eishockey-Fan doch ziemlich ins Gerede gekommen, und auch im Vorfeld der Europatour kursierten wieder Flugblätter, die - natürlich anonym - die alten Vorwürfe wiederkäuten. Doch lest selbst, was Choke zu Hardcore damals und Hardcore heute sowie den Faschovorwürfen zu sagen hat.

Ich habe gehört, du bist eben erst aus Chicago, wo ihr euer neues Album aufgenommen habt, nach Boston zurückgekehrt.

Ja, und ich denke, dass das neue Album unser bestes überhaupt geworden ist. Es war großartig, mit Steve Albini zusammenzuarbeiten. Wir hatten die neuen Songs vorher gut geübt, gingen ins Studio, spielten sie kurz ein, und das war's. Die „basic tracks" von allen zwölf Songs haben wir gleich am ersten Tag eingespielt. Am nächsten Tag wurde dann mein Gesang aufgenommen und die Gitarren-Overdubs . Am Abend mischten wir dann die ersten beiden Songs ab. An den nächsten beiden Tagen mischten wir dann die restlichen Songs und das war's. Hinkommen, aufnehmen, abmixen, kein großes Trara - Steve Albini liebt es, so zu arbeiten.

Aber es gibt ja Bands, die stolz darauf sind, vier Wochen im Studio verbracht zu haben.
Als wir das Studio buchten, gingen wir davon aus, dass wir zwei Wochen brauchen würden - einfach deshalb, weil Albini so viele „große" Bands aufgenommen hat wie NIRVANA und BREEDERS. Wir dachten, dass so ein großer Produzent viel aufwendiger arbeitet und waren nicht mal sicher, ob er überhaupt mit uns arbeiten will. Ich rief ihn also an und meinte, dass wir eine Woche lang aufnehmen und eine Woche lang mischen würden. Er antwortete nur, dass wir maximal vier Tage brauchen würden. Wir waren sehr überrascht darüber, und er sagte nur: „Wenn ich es nicht schaffe, ein Album in vier Tagen aufzunehmen, dann sollte ich mir einen anderen Job suchen." Der Trick ist einfach der: Es ist sein Studio in seinem Haus. Und deshalb ist es möglich, den Schlagzeugsound innerhalb von 15 Minuten einzustellen. Er weiß, wie alles klingt und muss sich mit solchen Kleinigkeiten nicht aufhalten. Andere Bands gehen in ein fremdes Studio und sind die ersten beiden Tage nur damit beschäftigt, den richtigen Schlagzeugsound zu finden. Albini nahm das letzte NIRVANA-Album "ln Utero" in zwölf Tagen auf. Es ist einfach erstaunlich, wie der Mann arbeitet.

Und wie seid ihr mit ihm ausgekommen?
Wir hatten natürlich im Vorfeld schon jede Menge Geschichten über ihn gehört, vor allem von Leuten, die ihn überhaupt nicht persönlich kennen: Er sei ein ziemlicher Idiot und sehr eigensinnig, wolle, dass alle nach seiner Pfeife tanzen. Wir waren dann auch ziemlich verkrampft, als wir im Studio ankamen und stellten fest, dass er genau das Gegenteil ist von allem, was wir über ihn gehört hatten: Sehr freundlich und überhaupt nicht abgehoben oder eingebildet. Er hat sicherlich eine feste Meinung zu verschiedenen Bands und Meinungen, und wenn er eine Band nicht leiden kann, dann sagt er das auch in Interviews und in der Öffentlichkeit. Das rechne ich ihm hoch an, denn so versuche ich mich auch zu verhalten.

Arbeitet er denn nur mit Bands, die er mag?
Nein, und ich weiß auch nicht, ob er uns als Band leiden kann. Als Personen fand er uns wohl ganz sympathisch, aber ich glaube nicht, dass er sich in seiner Freizeit SLAPSHOT-Platten anhört. Er sagt aber, dass er für die Band, die er im Studio hat, das beste gibt, was er kann.

Ist Albini teuer?
Nein, überhaupt nicht. Unser Album hat knapp über 4.000 Dollar gekostet. Das erstaunliche an Albini ist nämlich, dass er wirklich noch an die ganzen Punk-Grundwerte glaubt. Wenn wir nämlich als Band ohne Label angekommen wären und das Studio aus eigener Tasche hätten zahlen müssen, hätte er uns einen viel niedrigeren Preis gemacht. Und Majorlabels zahlen eben entsprechend mehr als Independent-Labels.

Eine Band hat ja gewisse Vorstellungen, wie die Songs klingen sollen, und der Produzent auch, wobei der die Vorstellungen der Band auf seine Weise interpretiert. Wenn das klappt, kann es ein sehr fruchtbarer Prozess sein.
Ja, stimmt. Wir haben in der Vergangenheit unsere Platten meist selbst produziert und waren nie wirklich zu Frieden. Diesmal hatten wir uns vorgenommen, Steve Albini vollkommen freie Hand zu lassen und ihm nicht reinzureden. Aber Steve mag es nicht, als „Produzent" betitelt zu werden, weshalb er Wert darauf legt, dass auf Platten „Recorded by Steve Albini" steht, statt „Produced by...". Seine Methode ist die, dass eine Band ins Studio kommt und er dich einfach so aufnimmt, wie du über sein Equipment klingst. Er legte Wert darauf, dass wir immer bei ihm blieben, und er fragte dann, ob wir das so oder so o.k. finden. Wir wussten z.B. nicht, warum der Bass an der und der Stelle so laut war, und er erklärte uns dann, warum er es so am besten findet, wie er es gemischt hat. Die Aufnahmen sind dann auch sehr gut geworden. Ich würde mir wünschen, es gäbe auch in Boston so ein hervorragendes Studio.

Aber in Boston habt ihr doch dieses bekannte Fort ApacheStudio, in dem fast alle der legendären Bostoner Bands aufgenommen haben.
Schon, aber die sind dort sehr teuer und du weißt auch nicht, welcher „Engineer" dir welchen Sound gibt. Es ist sicher das beste Studio in der Stadt, und die Leute, die dort arbeiten, haben auch sehr progressive Ideen. Wir konnten es uns einfach nicht leisten, dort aufzunehmen.

Wie ist es denn, als US-Band bei einem deutschen Label unter Vertrag zu sein?
Auch nicht anders, als bei einem US-Label zu sein. Außerdem haben wir mit Kai von We Bite America/ Rotz einen direkten Ansprechpartner. Taang! sitzen zwar in Boston, aber wir haben denen nie vertraut. Mit We Bite ist es besser, auch wenn wir ihnen ebenfalls nicht zu 100% trauen können. Das ist aber immer so im Verhältnis zwischen Label und Band: Beide Seiten haben unterschiedliche Interessen und versuchen die durchzusetzen. Ein Label versucht immer, das Beste für sich herauszuholen, wobei sich das nicht immer mit den Interessen der Band deckt. Um auf Steve Albini zurückzukommen: Das ist der Grund, warum er Bands weniger berechnet als Labels. Er mag Labels nicht und geht davon aus, dass sie in erster Linie darauf aus sind, die Bands in irgendeiner Weise abzuziehen.

Es hilft einer Band ja immer ein bisschen, einen bekannten Produzenten vorweisen zu können.
Journalisten merken sowas meistens, ja. Aber ich erwarte davon nichts konkretes.

Ganz unkonkret vielleicht, dass plötzlich die Majorlabels Schlange stehen?
Wenn das der Fall sein sollte, wäre es o.k. Wir bekämen jede Menge Kohle, und das wäre nicht schlecht. Andererseits spielt Geld für mich keine so große Rolle. Ich will vor allem die Musik machen, auf die ich Lust habe.

Und auf was für Musik hast du Lust? Wie würdest du eure Musik auf dem neuen Album beschreiben?
Ich denke, dass „Blast Furnace", unser Mini-Album, uns einen ganzen Schritt nach vorne gebracht hat. Wir haben mit neuen Stilelementen gearbeitet, die sich von den alten SLAPSHOT unterscheiden. Auf dem neuen Album sind auch wieder neue Elemente enthalten, aber wir sind in gewisser Weise auch zu unseren Wurzeln zurückgekehrt. Schon bevor wir die neuen Songs geschrieben haben, hatten wir darüber diskutiert, was die Leute eigentlich an SLAPSHOT gut finden, gerade auch an meiner Art zu singen. Wir stellten dann fest, dass ich, wenn ich richtig zu singen versuche, nicht sehr überzeugend bin, sondern dann, wenn ich richtig schreie, wenn ich all meinen Aggressionen beim Singen freien Lauf lasse. Das scheinen die Leute zu mögen, und deshalb versuchte ich, so feindselig wie möglich zu singen. Außerdem sind wir wieder weniger Rock'n'Roll und dafür mehr Hardcore. Drei von den neuen Songs hätten wir auch vor acht Jahren schreiben können.

Euch gibt es seit 1985…
„Ja, im September '94 waren wir neun Jahre alt. Ich war 22 oder 23, als wir SLAPSHOT gründeten."

Damals warst du straight edge…
...und ich bin es noch immer absolut!

Ihr unterscheidet euch aber doch beträchtlich von vielen der heutigen S.E.-Bands, die doch ziemlich einfallslos sind und alle sehr ähnlich klingen.
Ich habe mich schon vor Längerem entschlossen, nicht mehr darüber zu singen. Manche Leute meinen deshalb vielleicht, dass ich nicht mehr straight bin, aber das stimmt nicht. Auf den alten Platten hatte ich einfach alles gesagt, was es zum Thema S.E. zu sagen gibt. Ich finde es langweilig, wenn man sich ständig nur wiederholt. Außerdem desillusionierte mich damals die ganze S.E. -Bewegung: Alle jammerten nur, anstatt selbst aktiv zu werden und für das zu kämpfen, was sie mit den Texten einforderten.

Du bist aber auch schon weit über dreißig, und S.E. scheint insgesamt auch eine Angelegenheit von meist unter 20jährigen zu sein.
Klar, weil es leicht ist straight zu sein, wenn du noch nicht alt genug bist, um Bier trinken zu dürfen. Und in den USA darf man eben erst ab 21 Alkohol trinken. Aber wenn du mal 25 bist, die High School und das College hinter dir hast und immer noch straight bist, dann kannst du stolz darauf sein. Trotzdem: ich finde es gut, wenn Sechzehn-, Siebzehnjährige straight sind, denn das ist besser, als wenn sie Crack rauchen. Bewundernswert finde ich die Leute, die damals, als MINOR THREAT groß waren, straight wurden und es auch heute noch sind. Ich selbst benütze den Ausdruck „straight edge" nicht gern, weil er so abgenutzt ist. Ich rauche und trinke nicht und das ist es. Ich bin aus dem Alter rausgewachsen, wo ich es nötig hatte, alles genau zu definieren und abzugrenzen. Die Leute kennen mich und ich muss ihnen nicht ständig entgegenbrüllen, wer und was ich bin.

Was sind denn für dich die Unterschiede zwischen der Hardcoreszene damals und heute?
Es gibt hier in Boston eigentlich keine Hardcoreszene mehr - das ist der Unterschied! Natürlich, es gibt Konzerte und es sind auch jede Menge Leute da, aber Szenen wie damals gibt es doch heute nicht mehr. Ich meine, in jedem Ort gibt es ein paar Leute, die zu solchen Konzerten gehen, aber das ist noch keine Szene. In Europa ist es anders, da ist Hardcore eine große Sache.

Schon, aber das, was heute überall mit Bands wie BIOHAZARD und RAGE AGAINST THE MACHINE als Hardcore abgefeiert wird, hat kaum noch was damit zu tun, was Mitte und Ende der Achtziger darunter verstanden wurde. Heute scheint es nur noch um 50 Mark teure Longsleeve-Shirts, Baseball-Caps und die gerade aktuellen Platten zu gehen.
Ich lebe nicht in Deutschland, kann das also nicht so recht beurteilen. Ich kann nur die Unterschiede feststellen, die mir aufgefallen sind. Damals, 1983, war Hardcore in den USA eine große Sache, wobei auch damals schon die Szene in verschiedene Fraktionen gespalten war. An der Westküste waren die DEAD KENNEDYS mit ihrem starken politischen Anspruch sehr angesagt, und ich denke, dass hier auch die Wurzeln der deutschen Hardcoreszene liegen - vor allem wegen des Einflusses von Maximumrocknroll. In Deutschland übernahm dann das Trust diese Rolle und ich habe das Gefühl, dass die HC-Szene in Deutschland auch heute viel, viel politischer ist als die in den USA - in einem Ausmaß, das beinahe schon hysterisch ist. Es gibt jede Menge politische Subgruppierungen wie die Antifaleute, Veganer und was weiß ich wer noch alles. Everyone cares more over there. Der Grundstock der HC-Szene in den USA bestand und besteht natürlich auch hier aus Leuten, denen die Sache wirklich am Herzen liegt. In Deutschland war die Hardcoreszene lange Zeit eine verschworene Gemeinschaft und, wie ich eben schon sagte, viel politischer. Das ist o.k., denn es ist besser, sich aus persönlichem Engagement für eine Sache zu begeistern, als nur einem Trend hinterherzulaufen. Und genau das scheint heute zu einem gewissen Grad der Fall zu sein.

Interessant ist auch, dass all die angesagten Bands diesen New York/Brooklyn-Background haben.
Uns ist es bei der letzten Tour mehrmals passiert, dass wir auf unseren Plakaten lesen mussten „SLAPSHOT from New York City". Ich fragte mich wirklich, ob alle Leute in Europa glauben, daß Hardcore in Amerika nur aus New York kommt. Kennen die nur BIOHAZARD, S.I.O.A., GORILLA BISCUITS und AGNOSTIC FRONT? Witzig fanden wir auch die Kids, die alle versuchten so auszusehen, wie sie sich den N.Y.Stil vorstellen: lange T-Shirts, Basketballstiefel und die Baseball-Mütze verkehrt herum auf dem Kopf. Wir haben bewusst darauf verzichtet, Baseball-Caps drucken zu lassen, und stattdessen Wollmützen verkauft. Irgendwie wollten wir den Leuten klarmachen, dass wir nicht aus New York kommen. Und ich hasse es auch, auf die Bühne zu steigen und zu predigen. Ich hasse es, wenn Bands diese üblichen New-York-Sprüche loslassen: „Wir kommen von der Straße und das Leben ist so hart. Haltet zusammen blablabla..." Wenn ich etwas sage, dann in der Art, dass ich die Leute zum Nachdenken bringen will: „Denkt selber nach, anstatt von mir zu erwarten, dass ich euch erzähle, was ihr tun sollt.

Du könntest der Vater von vielen der Leute im Publikum sein.
Ja, stimmt. Als ich 18 war, spielte ich bei NEGATIVE FX. Das war meine erste Band und wir traten vor Kids in meinem Alter auf. Was dann passiert ist, ist witzig: Ich bin älter geworden, aber das Alter des Publikums ist seitdem gleichgeblieben. Ich fühle mich aber nicht wegen meines Alters verantwortlich für die Leute. Meine Motivation hat sich seit damals nicht geändert. Ich stehe auf der Bühne, weil ich gerne Musik mache. Wie alt oder jung das Publikum ist, kümmert mich nicht, solange alle ihren Spaß haben.

Gibt es ein Alter, ab dem sich Hardcore-Musiker lächerlich machen und abtreten sollten?
Wenn dich die Leute nicht mehr sehen wollen und keiner mehr zu den Konzerten kommt, solltest du aufhören. In den USA und in Boston spielen wir zum Beispiel nur noch selten, denn uns ist klar, dass der Großteil unserer Fans in Europa und besonders in Deutschland zu finden ist. Dort macht es mir mehr Spaß zu touren, und die Leute wissen es zu schätzen. Außerdem sind die Konzerte nicht so gewalttätig wie hier bei uns.

Aber es ist doch seltsam, dass manche US-Bands in Europa beliebter sind als in Amerika.
Nein, das überrascht mich eigentlich nicht. Die Leute hier sind völlig übersättigt, denn es sind ständig Konzerte. Nach einer Weile kümmert sich einfach niemand mehr darum. Und weil wir schon neun Jahre dabei sind, haben uns die meisten Leute schon x-mal gesehen. In Deutschland dagegen sind die Leute wild darauf, uns zu sehen - so wild, dass ich deutschen Bands gegenüber manchmal schon ein schlechtes Gewissen habe. Ich kann das verstehen, denn wir kommen über den Atlantik geflogen - die Leute flippen aus -, wir sind die Hauptgruppe und bekommen das meiste Geld. Da muss sich eine einheimische Band doch verarscht vorkommen. Ich fühle mich diesen Bands gegenüber verantwortlich, denn die haben ja im Gegenzug keine Möglichkeit, in den USA zu touren, und werden zudem noch total unterschätzt, denn in Deutschland gibt es jede Menge guter Bands.

Wie kommt es denn, dass ihr auf eurem neuen Album einen Song von NEGAZIONE nachspielt?
Als wir das letzte Mal in Europa waren, hatten wir eine Kassette mit NEGAZIONEs „100 %"-Album im Bandbus. Und „Back to my friends" hat sich dann so in unserem Hirn festgefressen, dass wir den Song einfach nachspielen mussten.

Verwirrt hat mich auch das Foto auf der Rückseite der neuen CD: SLAPSHOT in Anzügen. Wart ihr auf einer Beerdigung?
Kennst du den Film „Reservoir Dogs"? Auf den stehen wir total, und da gibt es so eine ähnliche Szene, die wir einfach nachstellen mussten. Das ist alles."

Ich hatte gedacht, das wäre eine Anspielung auf MADNESS.
Ja, solche Vermutungen haben wir befürchtet, haha. Nein, mit Ska haben wir überhaupt nichts am Hut."

Bei „Blast Furnace" hattet ihr ja jede Menge Filmausschnitte verwendet und zwischen die einzelnen Songs gepackt.
Solche Scherze haben wir auf dem neuen Album bleibenlassen. Da gibt es nur SLAPSHOT pur, wobei wir versucht haben, so rauh und roh wie möglich zu klingen. Bei „Blast Furnace" haben wir ein bisschen experimentiert, mit der Technik gespielt. Wir wollten, dass alle Songs ineinander übergehen und haben deshalb Ausschnitte aus „Good Fellas", „War Of The Worlds", „Silence Of The Lambs" und „I Spit On Your Grave" dazwischen gepackt. Das sind einfach Filme, auf die wir stehen.

Immerhin, ihr habt keinen Ausschnitt aus „Taxi Driver" genommen, der der für diesen Zweck meist verwendetste Film sein dürfte. Was ist eigentlich aus deinem Label „Patriot Records" geworden? Es wurde ja als recht dubios angesehen und manche Leute vermuteten einen faschistoiden Hintergrund.
Patriot Records gibt es schon seit fünf Jahren nicht mehr. Der Konflikt entzündete sich damals an dem Album von STARS & STRIPES. STARS & STRIPES war ein Side-Project von mir, Jordan und unserem alten Drummer Marc - nur zum Spaß, und keiner der Songs hatte irgendeinen bösen Hintergrund. Wir wollten eine klassische Oi!-Platte einspielen, im Stil von alten englischen Bands wie etwa RED ALERT - völlig unpolitisch oder zumindest so wenig politisch wie möglich. Bei den meisten Oi!-Platten besteht ja das Problem, dass Sie irgendwie rechtslastig sind. Wir wussten, dass sich viele Leute durch dieses Projekt provoziert fühlen würden, aber es war uns egal. Es machte Spaß, all die politisch korrekten Leute zu provozieren. Bei den beiden anderen Bands, von denen ich eine Platte rausgebracht habe, machte ich von vorne herein klar, dass ich keine Lust auf rassistische oder faschistoide Texte habe. Trotzdem haben es ein paar Leute geschafft, in die Texte von BRUISERS und FORCED REALITY etwas hineinzuinterpretieren, was überhaupt nicht drinstand. Außerdem weiß und wußte jeder, dass ich schon immer antifaschistisch eingestellt war und bin. Letztes Jahr spielten wir deshalb in Deutschland ein Benefiz-Konzert für die Antifa, und diesmal werden wir das auch wieder tun.

Im ZAP stand neulich auch wieder was zu diesem Thema.
Ja, und zwar haben die geschrieben, dass von den Platten, die ich damals gemacht habe, welche von einem deutschen Großhändler vertrieben werden, der sonst nur so Nazischeiße verkauft. Ich habe keine Ahnung, wo der die Platten her hat, denn ich habe in Deutschland an Niemanden diese Platten verkauft. Von mir jedenfalls hat er sie nicht bekommen.

Von was lebst du denn?
Ich kann schon seit einiger Zeit von der Band leben, aber die anderen in der Band haben verschiedene Jobs. Barry, unser Drummer, arbeitet als Soundmixer in diversen Clubs, Mike ist Filialleiter bei Tower Records in Boston und Chris hat diverse Fabrikjobs. Da ich zu Hause wohne, brauche ich nicht viel Geld.

Du lebst noch bei deinen Eltern?
Ich hatte eine Zeitlang eine eigene Wohnung, aber da meine Freundin weiter weg wohnt, verbrachte ich die meiste Zeit bei ihr oder auf Tour, so dass sich eine eigene Wohnung einfach nicht lohnt. Also beschloss ich, wieder zu Hause einzuziehen.

Ist ja auch schön, wenn jemand für einen kocht.
Nee, meine Mutter arbeitet, also muß ich mir selbst was kochen.

Vegetarisch?
Nein, keiner von uns ist Vegetarier. Das ist auch so ein Missverständnis bezüglich der S.E.-Bewegung. Vegetarismus und S.E. haben nichts miteinander zu tun. Vegetarismus wurde erst Mitte der Achtziger von Bands wie YOUTH OF TODAY und GORILLA BISCUITS ins Spiel gebracht. Bei Straight Edge geht's ja darum, sich den Kopf freizuhalten, und Fleischkonsum passt da nicht mit rein. Ich ernähre mich aber durchaus bewusst, esse nicht ständig Fleisch und interessiere mich für die ganze Thematik. Vegetarier bin ich aber trotzdem nicht.

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