TERROR

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Kein bisschen leise

Die Kalifornier gelten als eine der langlebigsten Bands im Hardcore. Wilde Live-Shows, ein ehrliches Auftreten und konsequentes Touren haben TERROR dahin gebracht, wo sie heute stehen. Ich fange Gitarrist Martin Stewart auf dem Weg zu einer Special-Release-Show ab, um mit ihm über die Band und ihr zehntes Album „Still Suffer“ zu plaudern.

Ihr habt als Band haben immer wieder bewiesen, dass Begriffe wie Kontinuität und Ausdauer für euch nicht bloß Worthülsen sind. Wie fühlst du dich, wenn du ausgehend davon auf all die Jahre bei TERROR zurückblickst?

Puh, es ist ein wirklich verrückter Ritt gewesen die letzten Jahrzehnte. Auch wenn ich nicht von Anfang an dabei war, habe ich doch die ersten Shows mitverfolgt und bin nun selber seit über 20 Jahren mit an Bord. Ich denke, zum einen können wir uns wahnsinnig glücklich schätzen, so lange gefragt zu sein, und auf der anderen Seite haben wir uns das aber auch hart erarbeitet, sind immer drangeblieben, egal was war. Ich fühle mich geehrt, immer noch da zu sein, so viel zu erleben, Alben zu veröffentlichen. Und nun sitze ich hier und spreche mit jemandem aus Deutschland, wo wir auch bald wieder spielen werden, das ist fantastisch!

Ich habe mich ja immer gefragt, wie der Bandname zustande gekommen ist. Er ist schön simpel, bringt den Sound aber perfekt auf den Punkt.
Also ich erinnere mich dunkel daran, dass unser Sänger Scott in früheren Interviews erzählte, dass er auf SHEER TERROR, MADBALL oder ähnliche Bands geblickt hat und etwas Kurzes, Prägnantes im Sinn hatte. Aber in über 20 Jahren verschwimmt vieles, ich bin mir nicht sicher, ob das die 100 % richtige Antwort ist.

Nach all den Jahren exzessiven Reisens, wie bereitest du dich auf eine Tour vor, hast du zum Beispiel einen Plan mit strikten Regeln?
Ich würde nicht sagen strikt, aber wenn man gar nichts macht, wird es mit der Zeit schwierig. Ich meine, wir sind alle über 40! Ich gehe so oft ins Gym, wie es mir möglich ist, auch unterwegs in Europa stehe ich meist früh auf und suche mir das nächste Fitnessstudio. Ich trinke recht wenig Alkohol, versuche so oft es geht, McDonald’s zu vermeiden, solche Sachen halt.

TERROR sind für ihre enge Verbindung zur Hardcore-Szene bekannt, aber ich finde gerade bei euch macht speziell Thrash Metal auch einen großen Anteil eurer musikalischen Identität aus. Wie ist das bei dir, hörst du moderne Metalbands, weißt du immer, was in der Szene so los ist?
Auf jeden Fall. Wir haben alle verschiedene musikalische Vorlieben, aber unser Schlagzeuger Nick ist seit vielen Jahren einer unserer Haupt Songwriter, er ist ziemlich in der Thrash-Metal-Szene drin und bringt diesen Vibe mit ein. Ich selbst höre meistens die Klassiker und bin mehr im extremeren Metal beheimatet.

Letztes Jahr habe ich euch beim Rock im Park gesehen, in dieser riesigen Halle. Wenn man sich so die Erfolge von Bands wie KNOCKED LOOSE anschaut, würdet ihr auch einen Support-Gig für METALLICA spielen?
Natürlich, warum nicht? Ich sehe diese Gelegenheit aktuell nicht bei uns, aber ich respektiere jede Band, die solche Möglichkeiten bekommt. Es ist harte Arbeit, das zu erreichen, und dann vor so vielen Leuten zu stehen, die Show zu eröffnen, wenn es noch hell ist – und die allermeisten Leute sind nicht mal wegen euch da. Aber ja, ich würde es definitiv machen!

Lass uns ein bisschen über das Album sprechen. Für mich hat es einen starken Vibe von zurückblicken, das Erreichte feiern und selbstbewusst auftreten nach all den Jahren. Kannst du damit etwas anfangen?
Auf jeden Fall! Ich hoffe, dass jeder in der Band diese Verbindung fühlt. Es steckt definitiv viel Reflexion drin, innezuhalten und, wie ich bereits sagte, sich glücklich zu schätzen, immer noch da zu sein, Musik zu veröffentlichen und auf der ganzen Welt unterwegs sein zu dürfen.

Beim letzten Album „Pain Into Power“ meinte euer Sänger Scott, dass die Welt gerade verdammt hässlich sei und ihm daher unmöglich, positive Texte zu schreiben. Nun, vier Jahre später, würde ich sagen, dass sich die Welt jetzt nicht unbedingt zum Positiven verändert hat. Wie hältst du die Balance zwischen dem, was du persönlich erlebst und siehst, speziell auch in den USA, und dem Versuch, einen Unterschied zu machen mit eurer Musik, euren Texten?
Wir sind sehr glücklich, die Musik, die wir machen, veröffentlichen zu können, denn das bedeutet, immer ein kreatives Ventil zu haben. Das hat nicht jeder. Aber es macht das Leben in dieser wirklich beschissenen Welt zumindest ein kleines bisschen leichter, weil wir unsere Meinung sagen und sie durch unsere Songs der ganzen Welt zugänglich machen können, wo Menschen sie hören und im besten Fall das Gleiche fühlen wie wir, wenn wir sie spielen. Durch diese geteilten Erfahrungen kann man zumindest für eine gewisse Zeit vergessen, was draußen in der Welt so los ist.

Kleine fiese Nebenfrage: Wie würde ein TERROR-Album klingen, wenn wir Weltfrieden hätten?
Das ist eine verdammt gute Frage! Keine Ahnung, vermutlich etwas weniger aggressiv? Es ist auf jeden Fall spannend, darüber nachzudenken, worüber man dann wütend sein würde. Aber ich bin mir sicher, ich würde etwas finden.

Kommen wir zurück zum Album. Bei „Beauty and the losses“ habt ihr Jay von MINDFORCE als Gast. Wie wichtig ist es euch, jüngere Bands auf euren Alben mit dabei zu haben?
Es ist richtig cool, sich mit Leuten aus unserem musikalischen Umfeld zu connecten, Leute, die wir aufrichtig bewundern. Bei all unseren Features auf dem Album sind wir super happy, sie mit an Bord zu haben. Jay ist tatsächlich sogar älter als ich, spielt aber in einer recht jungen Band. Es ist schön zu sehen, dass es nicht unbedingt am Alter liegt, du kannst ein älterer Gentleman sein und dennoch rausgehen und mit so viel Leidenschaft und Energie wie er einen großen Einfluss auf viele jüngere Bands haben.

Nächstes Jahr steht euer 25-jähriges Jubiläum an. Ist irgendetwas Besonderes geplant?
Wir versuchen ehrlicherweise, uns nicht allzu viel damit auseinanderzusetzen, auch wenn es natürlich eine
unglaublich lange Zeit ist. Es ist beeindruckend, keine Frage, aber ich bezweifle stark, dass es irgendetwas Spezielles geben wird. Wir ziehen weiter unser Ding durch, spielen so oft es geht und konzentrieren uns auf das Hier und Jetzt.

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