© by Rich SerraDie Band aus Saarbrücken besteht seit 2019 und die vier Musiker waren schon vorher in vielen anderen Konstellationen sehr aktiv. Drei Jahre nach ihrem hochgelobten Debütalbum „Timekeeping Starts Right Now“ haben TRUST ISSUES jetzt den Nachfolger „Too White To Be Real“ auf Break The Silence Records veröffentlicht und so wurde es höchste Zeit, die Band zum Gespräch zu bitten. Bei unserem Online-Meeting waren Sänger Gurke, Gitarrist Guschtel und Drummer Steven anwesend.
Wann und warum wurde aus CROWD OF ISOLATED plötzlich TRUST ISSUES?
Gurke: Also offiziell aufgelöst haben wir COI nie wirklich, aber die Band ist einfach aufgrund unserer Lebensumstände eingeschlafen. Und als Guschtel und ich mit Ralf und Steven TRUST ISSUES gegründet haben, war die Vergangenheit mit COI eigentlich nie Gesprächsthema.
Guschtel: Als die ersten Proben von TRUST ISSUES anstanden, habe ich den Vorschlag gemacht, ob wir nicht die unveröffentlichten COI-Songs von 2010 benutzen wollen, aber das stieß überhaupt nicht auf Gegenliebe und so haben wir die Idee verworfen. Genau genommen haben es zwei Riffs von damals in die neue Band geschafft. Insofern gibt es also zwischen beiden Bands keine Verbindung. Ich habe aber die Idee, diese unveröffentlichten COI-Stücke irgendwann komplett neu aufzunehmen, und es gibt bestimmt den einen oder anderen, der sie auf Vinyl veröffentlichen würde.
Steven: Dass es mit CROWD OF ISOLATED nicht mehr weiterging, lag nicht an unserem Bassisten Ralf oder mir, zumal wir die anderen beiden wirklich gut kennen und total mögen.
Gurke: Für zwei Bands hätte ich in den letzten Jahren auch gar keine Zeit gehabt. Wir machen das ja nicht nur der Musik wegen. Das ist schon so ein Gesamtpaket aus Freundschaft, Kreativität, Musikmachen und zusammen planen. Bei zwei Bands hätte ich gar nicht den Kopf dafür frei und dann muss man eben eine Entscheidung treffen. Es ist besser, seine Energie in eine Band zu stecken, und nicht noch eine zweite so nebenbei am Start zu haben.
Gurke, hast du bei der neuen Band auch mal darüber nachgedacht, es mit deutschen Texten zu probieren?
Gurke: Ich hatte zwischendurch mit anderen Freunden in einer Noiserock/Noisecore-Band gespielt und da hatte ich die Idee, deutsche Texte auszuprobieren. Die anderen Jungs hatten aber überhaupt keinen Bock darauf und meinten, ich müsse englisch singen. Als es dann mit TRUST ISSUES losging, stellte sich diese Frage eigentlich gar nicht. Wir hatten ja eine Vorstellung, in welche Richtung die Band gehen sollte, und da war das Thema „deutsch singen“ relativ schnell vom Tisch. Das war auch nie eine Frage, die beantwortet werden musste, sondern war dem geschuldet, was wir vorher auch schon gemacht hatten. Unabhängig von neuen Songs schreibe ich konstant neue Texte. Ich mache Skizzen und schaue dann, welche Inhalte zu welchen Songs passen könnten. Dann passe ich die Texte so weit an, damit sie mit den Songideen der anderen harmonieren. Wir haben unseren ersten Gig im Vorprogramm von Stevens damaliger Band OAKS gespielt, und weil wir selbst nur acht eigene Stücke hatten, haben wir eben noch ein paar Coverversionen von FUGAZI, BAD BRAINS und solche Sachen gespielt. Und weil heutzutage manche Dinge ja sehr schnell im Netz landen, wurde Mike Lambert von Last Exit auf uns aufmerksam. Mike kannten wir von früher, weil er Saarländer ist, heute im Hamburg lebt, und er hat uns direkt gefragt, ob wir schon jemanden hätten, der Songs von uns veröffentlichen würde. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch gar nicht über irgendeine Veröffentlichung nachgedacht, aber wir haben spontan zugesagt und sind dann auch gleich einen Monat später bei Max Ludwig ins Studio gegangen, um unsere Songs aufzunehmen.
Euer neues Album „Too White To Be Real“ ist auf Break the Silence Records erschienen. Wie kam der Kontakt zustande?
Gurke: Wir waren im Studio und haben die Songs für das zweite Album aufgenommen, aber wir hatten uns noch gar keine Gedanken gemacht, auf welchem Label die Platte erschienen sollte. Ich hatte damals Kontakt zu Ballo von Break the Silence und er hat uns angeboten, die Platte zu veröffentlichen. Er hatte mir diese schöne Geschichte erzählt, dass CROWD OF ISOLATED sein allererstes Punkkonzert gewesen waren, und von daher gab es da diese innere, langjährige Verbundenheit. Als er fragte, ob wir die Platte zusammen machen wollen, haben wir gerne zugesagt.
Zwischen den beiden Platten liegen drei Jahre. Interessiert euch das Thema „Weiterentwicklung“ oder zieht ihr einfach euren Stiefel durch?
Guschtel: Weiterentwicklung und insbesondere Abwechslungsreichtum sind uns schon wichtig und ich freue mich immer, wenn das in einigen Reviews erkannt wird und die Abwechslung hervorgehoben wird. Ich fand immer schon die Bands am besten, die irgendwie anders waren und sich weiterentwickelt haben. Irgendwie gab es früher mehr Bands, die einzigartig waren. Etwa NOMEANSNO oder VICTIMS FAMILY, die Jazz-Einflüsse hatten, und diese Mischung ist schon so mein Traum. Ich spiele gern einfache Punkrockparts, aber auch frickelige Passagen und mag ganz unterschiedliche Musikstile wie Jazz oder Soul. Das fließt natürlich, ob bewusst oder unterbewusst, in unsere Musik ein. Im Übungsraum haben wir bestimmte Ideen und versuchen, die auch sofort umzusetzen, und wenn das nicht klappt, schmeißen wir sie auch nach zwanzig Minuten direkt weg.
Steven: Wir hören alle sehr unterschiedliche Musik und sind nicht auf irgendein Genre limitiert. Die Farben der Musik sind reich und warum sollten wir uns einschränken? Ein guter Song ist ein guter Song und wenn auf dem neuen Album jetzt funkige Passagen oder mal eine Hammond-Orgel zu hören sind, dann hat uns das halt am diesem Tag angesprungen. Auf dem dritten Album werden wieder ganz andere Sachen zu hören sein.
Mit „Poor soul“ und „Failosophy“ habt ihr am Anfang und am Ende der Platte zwei klassische Hardcore-Nummern. Steckt noch so viel Wut in euch?
Steven: Mit Wut hat das irgendwie nichts zu tun und ich bin auch überhaupt keine wütende Person. Es ist eher die Energie, die da heraus muss, aber das lag nicht nur an mir, als Schlagzeuger, sondern war ein kollektiver Prozess. Wenn das Riff des Songs so ist, dann muss der eben auch so aggressiv gespielt werden.
Guschtel: Die Idee war tatsächlich, am Anfang der Platte direkt einen echten Knaller zu haben, bevor wir mit den nächsten Songs auf die musikalische Reise gehen. Das letzte Lied ist auch noch mal ein Knaller und soll Lust machen, die Platte gleich noch mal von vorne zu hören. Unser Bassist Ralf und ich fanden diesen Kontrast zwischen dem Hardcore-Song am Anfang und gleich danach der Funk-Nummer „Smash & grab“ eigentlich gut, aber wir haben das noch mal verschoben.
Steven: „Bubble destroyer“ ist eines meiner Lieblingsstücke auf der neuen Platte, weil ich finde, dass es uns als Band besonders gut repräsentiert. „Poor soul“ ist mehr ein Schlag in die eine Richtung und „Smash & grab“ geht in eine ganz andere. Wir treffen ja immer nur einstimmige Entscheidungen und ich bin froh, dass wir uns da einig geworden sind.
Wie entstehen eure Songs?
Guschtel: Meistens komme ich mit einem neuen Riff in den Übungsraum oder schüttele mir das Riff dort aus dem Ärmel und unser Bassist Ralf hat meist gleich eine Idee, wie man daraus einen Song arrangieren könnte. Ich glaube, wir zeichnen uns da durch eine schnelle und effiziente Arbeitsweise aus. Bevor wir TRUST ISSUES gegründet haben, hat Ralf immer gesagt, dass er auf keinen Fall Sixties oder Funk machen will, aber ich wollte schon immer funkige Sachen ausprobieren. Als wir dann „Smash & Grab“ geschrieben haben, mussten wir immer darauf achten, dass der Song auf keinen Fall nach RED HOT CHILLI PEPPERS klingen darf.
Steven: Ralf hat bei uns in der Band eine sehr wichtige Position. Er ist sozusagen unser Topentscheider, weil er es einfach schafft, in kurzer Zeit zu erkennen, ob ein Part etwas taugt oder nicht. Das hat uns schon ganz oft geholfen und wenn wir bei einer Probe einen Song schreiben, wird er auch sofort fertiggestellt. Ralf ist also schon verantwortlich dafür, dass wir eine schnelle Arbeitsweise entwickelt haben und niemals drei Monate an einem Song herumbasteln würden.
Werden wir euch mit der neuen Platte in Zukunft häufiger live sehen?
Guschtel: Unsere Konzerte sind rar gesät. Wir wollen natürlich nicht nur im eigenen Heimatdorf spielen, sondern auch mal raus, aber es ist schon schwierig, Konzerte an Land zu ziehen, und wenn wir einen Gig haben, fällt der wegen Krankheit auch noch aus. Wir sind ja auf das Wochenende begrenzt, und wenn man dann weit fährt, möchte man natürlich auch gleich zwei Gigs spielen, damit es sich lohnt. Dann muss man aber Freitag Urlaub nehmen, weil die Fahrt so weit ist. So kommt immer eins zum anderen.
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