WHITECHAPEL

Foto© by Alex Morgan

Legendär in allen Genres

Mit „Hymns In Dissonance“ erfüllen WHITECHAPEL aus Knoxville, Tennessee das so oft von Bands gemachte Versprechen, dass das neueste Album ihr härtestes sei. Um zu erfahren, was die Hintergründe sind, befragte ich ihren Gitarristen Zach Householder.

Ich bin seit euren Anfängen 2006 Fan und die ersten drei Alben sind für mich am wichtigsten, auch wenn mir bisher alles gefallen hat. Als 2012 „Whitechapel“ erschien, hatte ich jedoch den Eindruck, dass es zum Vorgänger einen recht großen stilistischen Abstand gab – die ihr nun aber mit „Hymns In Dissonance“ schließt.

Als Band haben wir immer versucht, etwas Neues auszuprobieren. Während das bei einigen Metalbands wie zum Beispiel OPETH, GOJIRA, MASTODON funktioniert und sich wirklich auszahlt, hieß es bei uns irgendwie eher „hit or miss“. Mal hat es geklappt, mal hat es uns in eine Art Identitätskrise gestürzt. Das selbstbetitelte Album war das, bei dem sich etwas zu ändern schien, aber es gab auch einige Wachstumsschmerzen. Wenn Alben unterschiedlich ausfielen, geschah das immer aus einem bestimmten Grund und das hat uns dorthin geführt, wo wir jetzt sind. Bands müssen immer dagegen ankämpfen, dass eine bestimmte Ära als ihre beste bezeichnet wird. Das neue Album soll aber gar nicht bewusst an unsere ersten drei Alben anknüpfen oder diese irgendwie feiern. Es ist einfach das, was wir als Musiker machen wollten.

Euer neues Album ist eine solide Mischung aus der Härte eurer ersten Alben und den verbesserten Fähigkeiten im Songwriting. Hat sich euer Vorgehen beim Songwriting im Laufe der Zeit verändert?
Ich würde sagen, dass die Art, wie wir als Kollektiv Songs schreiben, immer noch dieselbe ist. Allerdings sind wir reifer darin geworden, wie wir an Dinge herangehen, um wirklich hervorzustechen, statt uns einfach mit etwas abzufinden und stur weiterzumachen. Wir hören auch mehr auf unser Bauchgefühl.

Das Album befasst sich inhaltlich mit den sieben Todsünden, wobei die ersten beiden Songs als Einführung dienen und das Gesamtkonzept dem von „This Is Exile“ folgt.
Die Texte müssen zur Stimmung der Musik passen. Unser Sänger Phil lässt sich emotional von der Musik inspirieren und die Lyrics sind dann das Ergebnis. Dass das Ganze an „This Is Exile“ erinnert, ist nur als nettes Easter Egg für die Fans gedacht. Es ging nicht darum, bewusst auf eine Rückkehr zu den Wurzeln zu setzen.

Die Texte auf den beiden vorherigen Alben wirkten wesentlich persönlicher als die auf euren frühen Platten. Wolltet ihr jetzt bewusst zu abstrakteren Themen zurückkehren?
Ja, vor allem nach dem letzten Album „Kin“. Auf beiden vorherigen Alben war Phil sehr offen, was seine Familie betraf, aber er und die Band waren bereit, das hinter uns zu lassen. Also begannen wir, wieder Konzepte zu entwickeln, die eher ein wenig verrückt, übernatürlich oder auch makaber sind.

Jede Metalband behauptet grundsätzlich, dass das neue Album ihr härtestes sei. Ihr habt das ebenfalls versprochen und nun mal eben so wahr gemacht.
Die Idee ist bei jedem Album, einfach das zu machen, was wir fühlen und was Konsens innerhalb der Band ist. Wir fühlen keinen Druck – die Fans sind das Herzstück dieser Band und sie haben uns nie im Stich gelassen, egal, was wir gemacht haben. Wenn sie ein hartes Album haben wollten, ist das für sie dieses Mal einfach ziemlich gut gelaufen.

Phil hat gleich mehrere Riffs zum Album beigesteuert. Ist das neu oder hat euer Sänger schon öfter Gitarrenparts geschrieben?
Phil hat seit unserem Debüt „The Somatic Defilement“ immer mal etwas zu jedem Album beigetragen. Es ist also nichts Neues. Wie gesagt, wir schreiben größtenteils als Kollektiv. Manchmal hat zwar einer die meisten Riffs für einen Song geschrieben, aber wir geben immer noch gemeinsam die Richtung vor und äußern alle unsere Meinung dazu, was funktioniert und was nicht. Unsere besten Songs sind immer als Gemeinschaftswerk entstanden.

Brandon Zackey, ex-ENTERPRISE EARTH, DEAD ICARUS, ist euer neuer Vollzeit-Drummer. Hat sein Stil das Songwriting mit geprägt?
Brandon hat definitiv etwas von seinem Groove und seinem persönlichen Geschmack in dieses Album eingebracht. Das hat beim Songwriting sehr geholfen. Sein Beitrag war von unschätzbarem Wert in Bezug auf den Fluss der Songs. Er ist eine große Bereicherung für die Band. Obwohl er das ältere Material von Kevin Lane und NuGuy perfekt beherrscht, hat er seinen eigenen Stil und ist das Beste aus beiden Welten.

Nun gibt es, anders als auf den Vorgängern, keinen Cleangesang auf „Hymns In Dissonance“. Wie kommt’s?
Wir hatten nicht von Anfang an vor, auf dem Album auf Cleangesang zu verzichten. Wir waren uns einig, dass wir es versuchen würden, wenn sich ein Track dafür eignen sollte. Als das Material jedoch fertig war, verlangte das Album eben nicht danach. Schlicht und einfach.

„Deathcore“ ist fast schon einem Schimpfwort geworden ... Betrachtet ihr euch immer noch als Deathcore-Band?
Das war uns eigentlich noch nie wichtig. Die Leute können uns einordnen, wo sie wollen. Wir betrachte Deathcore jedenfalls nicht als Schimpfwort. Es ist nur so, dass es immer Musik geben wird, die einem Genre entspricht, das bei manchen Leuten einen faden Beigeschmack hinterlässt,. Nimm etwa Hair Metal oder Power Metal. In beiden Genres gibt es absolut legendäre Bands. Gleichzeitig habe ich aber auch aus beiden Richtungen überwältigend viel Müll gehört. Das gehört einfach zu Musik allgemein dazu.

Ihr habt einen ziemlich intensiven Extrem-Metal-Sound – fühlt ihr euch noch irgendwie mit den Core-Wurzeln verbunden, sei es durch Punk oder Hardcore?
Punk auf jeden Fall. Aber ich glaube, unser Gitarrist Alex war damals der Einzige, der sich für Hardcore begeistert hat. Alle anderen Hardcore-Vibes haben wir wahrscheinlich von Bands wie ENTOMBED oder DISMEMBER übernommen, die ab und an einen Hardcore-Touch haben, ohne es unbedingt zu beabsichtigen.

Gab es jemals die bewusste Entscheidung, euren Stil der Zeit anzupassen, um interessant zu bleiben?
Wir schreiben, was wir fühlen und was wir wollen. Wir würden unsere Fans auf keinen Fall im Stich lassen, aber sie sind durch alle Veränderungen hindurch mit uns gewachsen. Jetzt können sie die Reise mit uns fortsetzen. Wenn das die Dinge frisch hält, ist das großartig!

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