
Mag sein, dass ich mich da wiederhole, aber im Oi!- und Streetpunk-Kontext gibt es zwei Arten von Bands: Die einen machen wie 18-jährige Dorfbushaltestellenrumhänger auf hartes Männchen und praktizieren den legendären „Presswurstgesang“. Die anderen haben von Anfang an kapiert, wo COCK SPARRER ihre Vorbilder hatten und dass man auch mal freundlich sein muss, dass also Melodien wichtig sind – die dürfen auch gegrölt werden. Erstere Bands kommen quasi durchweg aus Deutschland – und ich verabscheue sie. Letztere Bands klingen wie CRIM: „Hart, aber herzlich“, lautet hier die Devise, das Gegröle ähnelt nicht dem Gekläffe eines räudigen Rocker-Pitbulls, sondern einem heiseren Männerchor nach dem Pub-Besuch. CRIM aus Tarragona, südlich von Barcelona gelegen, machen auch auf ihrem neuen, siebten Album, wie immer mit katalanischen Texten, wieder alles richtig. Druckvoller Punkrock, hymnischer Chorgesang, COCK SPARRER, LION’S LAW und CHARGE 69 lassen grüßen. Die smarten, sozialkritischen Texte lohnt es sich (etwa bei den Videos) auf Englisch nachzulesen, schon der Albumtitel deutet die Richtung an: Die Menschheit droht sich zurückzuentwickeln in einen mittelalterlichen Abgrund. Dazu passt die positiv motivierende Klangfarbe der Musik eigentlich nicht, aber mit immer nur Knüppelcrust in den Ohren macht der Tanz in den Untergang auch keinen Spaß. CRIM haben sich seit der Gründung 2011 zu einer der relevantesten Punkbands von der iberischen Halbinsel entwickelt, die zudem auch handwerklich richtig gut ist – so schaffen sie es, live wie auf Platte 40 Minuten Tempo und Druck hoch zu halten.
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