CRIM

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Touring is never boring

CRIM aus Tarragona in Spanien haben gerade ihr neues Album „Futur Medieval“ auf HFMN Records veröffentlicht. CRIM sind eine begeisternde Live-Band, und dafür muss man viel Zeit „on the road“ verbringen. Wer viel unterwegs ist, der erlebt auch viel ... Und dazu haben wir uns von Drummer Marc Anguela was erzählen lassen.

Beginnen wir mit dem Essen: Teilt doch mal ein paar Erinnerungen zum Thema Catering mit uns. Was war euer bestes Essenserlebnis bei einer Show oder einem Festival?

Wir hatten viele gute Mahlzeiten, vor allem wenn wir mit großen Bands durch Europa getourt sind. Wir waren mal mit THE ADICTS auf Tour und einige Veranstaltungsorte hatten voll ausgestattete Küchen und eigene Köche, die jederzeit für die Bands gekocht haben. Das war echt etwas, das wir nicht gewohnt waren, wir wussten gar nicht, dass so was bei einer Rock’n’Roll-Show möglich ist. Soweit ich mich erinnere, war das im Gebr. de Nobel in Leiden und der Markthalle in Hamburg am besten! Aber ich würde sagen, dass wir jeden Tag ein fantastisches Abendessen bekamen. Vor ein paar Monaten waren wir mit BAD RELIGION unterwegs und da war es genauso, und auch bei ein paar kleinen Touren mit THE TOY DOLLS gab’s jeden Abend eine super Mahlzeit. Große Metal-Festivals wie das Download oder das Resurrection Fest hatten auch ein super Catering. Da fühlt man sich selbst wie eine echte Legende, wenn man neben MEGADETH gegrilltes Schweinefleisch isst, hahaha. Wir kommen aus dem Mittelmeerraum, deshalb nehmen wir das Essen auf Tour sehr ernst. Nach der Show essen wir gerne Pizza, die lieben wir sehr, aber wir nehmen uns auch immer Zeit, um vor dem Soundcheck einen guten Ort zu finden, an dem wir das beste Mittagessen der Stadt genießen können. Wir benutzen sogar einen von Roadmanagern erstellten Guide mit den besten Lokalen. In einigen Städten, in denen wir schon öfter gespielt haben, haben wir bereits Lieblingsrestaurants, wie zum Beispiel das il Ritrovo in Berlin. Kleinere Veranstaltungsorte wie die Alte Hackerei in Karlsruhe bieten ebenfalls gutes Essen und Getränke. Und die beste Lasagne aller Zeiten haben wir in der Alten Schule in Halle an der Saale gegessen.

Und was war das Schlimmste? Gibt es Erfahrungen mit Noroviren oder Geschichten über Lebensmittelvergiftungen?
Die schlimmsten Erlebnisse hatten wir definitiv in den USA. An den meisten Tagen haben wir nicht am Veranstaltungsort zu Abend gegessen, sondern mussten uns mit billigen Burgern begnügen, mit Ausnahme des The Obrevatory in Orange County, wo wir gut gegessen haben. In den vielen Jahren, in denen wir auf Tour waren, hatten wir Glück und bisher keine Lebensmittelvergiftung. Nur einmal hatte unser damaliger Fahrer in Eindhoven ein paar magische Kekse gegessen ...

Apropos Transport: Gibt es Geschichten über Autopannen, (Beinahe-)Unfälle, miese Tourbusse ...?
Heute haben wir einen schönen Bus, den alle Bands von HFMN Crew, unserer Agentur, für ihre Tourneen nutzen, aber früher hatten wir unterwegs jede Menge Probleme ... Zuerst sind wir mit unseren eigenen alten Kleinwagen losgefahren, danach hatten wir in der Vergangenheit ein paar verschiedene, mit Sprühfarbe bemalte Jurassic-Vans, die natürlich alle unzählige Male liegen geblieben sind. Unser alter Van hatte einmal auf dem Weg von Ourense nach Madrid eine Panne und wir mussten anhalten, um in einer winzigen Stadt mitten im Nirgendwo Hilfe zu holen und etwas zu essen finden, und die einzige Bar in der Stadt war gleichzeitig das Bestattungsinstitut! Ein anderes Mal hatte unser Van auf dem Weg nach München einen totalen Motorschaden, da kamen uns die netten Jungs von NO FUN AT ALL zu Hilfe, damit wir an diesem Abend unseren Auftritt machen konnten. Zum Glück hatten wir noch keine Unfälle oder Zusammenstöße. Das Schlimmste war, als im August in Andalusien die Klimaanlage kaputtging ...

Du musst keine Namen nennen, wenn du nicht willst, aber ich denke, im Laufe der Jahre hast du viele Freunde und vielleicht auch einige Feinde gewonnen. Gab es denkwürdige Begegnungen?
Ich denke, wir sind nett genug, wir haben auf Tour sehr gute Freunde gefunden, egal ob bei kleinen oder großen Bands. Und besonders auf längeren Touren schließt man Freundschaften! Wir waren zum Beispiel mit BAD CO. PROJECT in Kalifornien und wir lieben diese Jungs. Von der ersten Nacht an musste ich mit Billy und Sucker im selben Bett schlafen, hahaha, also sind wir seitdem gute Freunde. Die TOY DOLLS sind die nettesten Typen überhaupt, auch NO FUN AT ALL, sehr sympathische Leute. Die lustigsten Gefährten auf Tour sind LION’S LAW, KALEKO URDANGAK und LA INQUISICIÓN ... wir hatten eine Menge Spaß zusammen. COCK SPARRER, THE BABOON SHOW, TALCO, AGNOSTIC FRONT ... Die sind auch alle super freundlich, wenn wir uns treffen. THE ADICTS waren super nett und liebenswürdig und haben uns auf der Tour das Gefühl gegeben, irgendwie zu Hause zu sein. Wir lieben sie sehr, besonders Onkel Pete und Kid. Nur nicht ihren damaligen europäischen Tourmanager, der war echt ein Arschloch.

Habt ihr mal schlechte Erfahrungen mit Polizei und Zoll gemacht?
Wir hatten selten große Probleme beim Zoll, nur einmal in Österreich. Die Bullen zwangen uns, jeden einzelnen Gegenstand aus dem Van zu holen und in einer Reihe aufzureihen, also letztendlich wurden es mehrere Reihen, damit die Hunde sie nach Bomben oder was auch immer sie suchten, abschnüffeln konnten. Wir haben zwei Stunden verloren und kamen zu spät zum Veranstaltungsort. Danke, ihr Schweine!

Gibt es Geschichten über Flughäfen, über gestrichene oder verpasste Flüge?
Letztes Jahr, nachdem wir in Nordholland beim Oi! In Hoofddorp gespielt hatten ... Unser Flug ab Amsterdam hatte massive Verspätung, mindestens vier oder fünf Stunden. Also haben wir uns entschieden, uns ein bisschen weiter weg vom Flughafen etwas zu essen zu holen, dann kam das Flugzeug doch früher, aber die App auf dem Handy, mit der wir ständig den Status checkten, zeigte immer noch die alte Verspätung an. Als wir am Flugsteig ankamen, haben wir festgestellt, dass Schiphol ein „stiller Flughafen“ ist, und sie haben uns nicht mehr ins Flugzeug gelassen, weil es schon voll besetzt war. Anscheinend benutzen sie keine Lautsprecher mehr, um die Anwohner nicht zu stören. Wir hatten aber am selben Abend einen Auftritt in Katalonien und mussten also um jeden Preis dorthin kommen. Also mussten wir uns aufteilen, um verschiedene Flüge mit verschiedenen Fluggesellschaften in verschiedene Städte zu buchen, weil es Sommer war und fast alle Verbindungen nach Spanien ausgebucht waren. Der Spaß kostete uns insgesamt fast 5.000 Euro und wir mussten uns von verschiedenen Leuten an den verschiedenen Flughäfen abholen lassen, zwei von uns kamen erst fünf Minuten vor Beginn der Show an. Stress? Ja, bitte.

Von Luxushotels bis zu von Kakerlaken befallenen Absteigen ... wir wollen eure Anekdoten hören!
Da gibt es unzählige Geschichten! Von verlassenen Fabriken, dreckigen besetzten Häusern, Sofas von Fremden, Lieferwagen ... bis hin zu netten kleinen Hotels, Clubwohnungen in Deutschland und großen Hotels, die aber eher selten. Das beste bisher war das Golden Nugget in Las Vegas, wo Frank Sinatra, glaube ich, ein paar Jahre gelebt hat, hahaha. Es gab sogar Haie im Swimmingpool, schicke Geschäfte, italienische Restaurants und ein klassisches Vegas-Casino. Das Schlimmste, an das ich mich erinnere, zumindest in letzter Zeit, war eine Absteige in Blackpool, die von einer Gruppe junger Drogendealer betrieben wurde. Total dreckig, Bettwanzen, tropfende Toiletten, Junkie-Schlägereien vor der Tür ... So cool, wir kommen wieder, wenn wir die Chance dazu haben! Wir haben auch in einem gruseligen Motel in Kalifornien übernachtet, in einem von denen, die voller verrückter Leute sind, wie man sie aus Krimiserien kennt. Wir haben auch in einem alten Zug in Jena und in Wilhelmshaven auf einem Kreuzfahrtschiff übernachtet. Und der verrückteste Ort der Welt ist das Hotel Kübler in Karlsruhe, wo die Zimmer in einem großen Baum, einem rostigen Wagen oder auch in einem Gebäude mit Clownsgesicht sein können.

Was war die härteste, längste und schrecklichste Fahrt zu einer Show?
Tarragona-München am Stück, mit einem sehr langsamen Fahrer, eine 24-Stunden-Fahrt. Nach Galicien oder Andalusien zu fahren, ist auch immer verdammt lang. Der erste und der letzte Tag der Europatouren sind immer scheiße.

Gibt es Geschichten über verlorene, gestohlene, vergessene oder kaputte Instrumente?
Bei einem abgedrehten Auftritt in einem verlassenen chinesischen Restaurant in Fresno, Kalifornien wurden uns ein paar Pedale und Drumsticks geklaut. Und einmal hat Ryanair auf dem Weg nach La Coruña unsere Gitarren und unser ganzes Equipment verloren, aber zum Glück haben wir sie eine Stunde vor dem Auftritt zurückbekommen. Seitdem passen wir gut auf unsere Sachen auf und versuchen, unsere Gitarren in einem schönen, fröhlichen Rucksack mit in die Kabine zu nehmen.

Wo habt ihr das wildeste Publikum?
Für uns natürlich in unserem eigenen Land ... Aber es ist immer schön, wenn wir bei kleinen deutschen Sommerfestivals und in Clubs oder Veranstaltungsorten in kleineren Städten spielen. Ein besonders verrücktes Publikum hatten wir in Hameln, im Mad MC, das seit mehr als 35 Jahren existiert. Der Tontechniker ist taub und mixt den besten Mexicaner des Landes. Thomas, der Besitzer, hat uns nach der Show ohne Grund geschlagen, er ist der lustigste Typ auf dem Planeten! Als sie den Laden geschlossen haben, haben sie uns angerufen, um auf einem Boot auf der Weser einen Gig für jemandes Geburtstag zu spielen. Das Mighty Sounds im tschechischen Tábor ist auch ein irres Festival, wir lieben es! Und dass unsere Show beim Rebellion Fest letztes Jahr so voll war, hat uns echt mega gefreut.

Welcher ist euer Lieblingsclub – und warum?
Es gibt so viele, dass es unmöglich ist, nur einen zu nennen. Das La Bodega Skate Center in Jerez, Jimmy Jazz in Vitoria, Rocksound in Barcelona (RIP), das alte Estraperlo in Badalona, Don’t Panic in Essen, Clash in Berlin, Steelbruch in Eisenhüttenstadt, Alte Hackerei in Karlsruhe, das Kassablanca Squat in Jena, Irish Inn in Wetzlar ... Es gibt so viele, dass wir sicher einige der besten vergessen haben. Aber wir mögen auf jeden Fall am liebsten kleine Locations, die von Punks betrieben werden.

Hattet ihr schon mal eine Nahtoderfahrung?
Fast jeden Abend nach der Show, wir sind ja auch echte Säufer, hahaha.

Was war eure verrückteste Erfahrung mit der Band?
Da gibt es auch eine ganze Menge ... Der verrückteste Ort und die – nicht stattgefundene – Show waren in Las Vegas. Wir spielten beim Punkrock-Bowling in einem sehr schönen Veranstaltungsort mit AGNOSTIC FRONT und THE OLD FIRM CASUALS, aber am nächsten Abend hatten wir einen Auftritt in einem anderen Raum gebucht. Wir mussten über eine Stunde durch die Wüste fahren, um zu einer stinkenden Garage zu gelangen, in der es weder Soundausrüstung noch ein Mischpult oder sonst irgendetwas gab. Überall lag Dreck, zerbrochene Flaschen und so weiter. Jemand brachte eine riesige Tom ohne Fell mit, um darauf zu spielen, einen winzigen Gitarrenverstärker und ein Keyboard. Dann kam das Publikum. Es waren alle möglichen Typen da, es sah aus wie in der Mos Eisley Cantina aus „Krieg der Sterne“. Nach ein paar Telefonaten wurde ein Schlagzeug aufgebaut und die erste Band begann mit ihrem Auftritt. Die BAD CO. PROJECT-Jungs hatten zu diesem Zeitpunkt längst beschlossen, den Ort zu verlassen. Die Bassdrum hatte keine Beine oder irgendetwas, um an ihrem Platz zu bleiben, also beschloss jemand, einen großen Stein davor zu legen. Ein paar 14-jährige Junkies mit tätowierten Gesichtern fingen an, Graffiti in dem Raum zu sprühen, man konnte dort kaum atmen, also gingen wir nach draußen. Die Leute in der nächsten Garage sahen nicht gerade freundlich aus, also gingen wir wieder rein und sahen, wie einer der jugendlichen Junkies den großen Stein nahm und ihn auf das mutierte Publikum warf. Der Stein zerbrach in Stücke, also gab es keine benutzbares Drumset mehr, die Show war für alle Bands vorbei. Die Jungs von BAD CO. PROJECT waren mit unserem Van in Vegas Old Town, also mussten wir eine Stunde warten, bis sie uns abholten und wir den Ort verlassen konnten. Aber da war ein netter Mann oder Sklave, der 30-Loch-Stiefel und Lederunterwäsche trug und mit einer Hundekette um den Hals an seine Herrin gefesselt war. Er fragte sie um Erlaubnis, mit uns sprechen zu dürfen, um sich für die Situation zu entschuldigen.

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