
Typischerweise versenden Labels ihre Releases an Geschäftskontakte mit einem Beipackzettel, der den Endverbraucher:innen nicht vorliegt und worin dann mehr oder weniger relevantes Hintergrundwissen geliefert wird. Konzertveranstaltende, Mailorder und auch „die Presse“ dürfen sich daran bedienen und haben damit „exklusive“ Informationen, etwa wenn die Bands (oder das Label) in Promo-Prosa Genrebezeichnungen und Bandvergleiche ausbreiten. ZOMBIE ZOMBIE umgehen diesen Umweg, verzichten auch auf einen Sticker auf dem Frontcover, sondern haben rechts unten auf dem Backcover eine Art Banderole aufgedruckt, die verrät: „Dedicated to THROBBING GRISTLE ‚20 Jazz Funk Greats‘, MOEBIUS & PLANK ‚Rastakraut Pasta‘, WEEN ‚12 Golden Country Greats‘“. Und sie verraten überdies, welche Synthesizer und sonstigen technischen Geräte sie bei der Generierung der auf dieser Schallplatte enthaltenen Klänge verwendet haben – es ist eine lange Liste. Und ... sie haben – als französische Band mit englischen Tracknamen – die LP-Seiten mit „A Seite“ und „B Seite“ benannt. Angesichts des Albumtitels „Funk Kraut“ und all dieser Hinweise müsste man ein musikhistorisch völlig unbeleckter Klotz sein, um nicht haarscharf schlussfolgern zu können (und das auch unter Unkenntnis bisheriger Releases von ZOMBIE ZOMBIE), dass man es hier mit Neo-Krautrock mit markantem Synthie-Einsatz zu tun hat, der auch im Spacerock wildert und tanzbare Discobeats inkorporiert. Man kann davon ausgehen, dass die Musizierenden – und darin liegt der Unterschied zu den Erfindern dieses Sounds aus den 1970ern – all die Platten, die heute als Meilensteine und Pioniertaten gelten, im Regal stehen haben und im Detail kennen. ZOMBIE ZOMBIE sind zur Epigonenexistenz gezwungen, aber sie ertragen es mit Würde und sind für ein klanglich in jeder Hinsicht überzeugendes Album verantwortlich.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #161 April/Mai 2022 und Thomas Kerpen