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HIRSCH EFFEKT

Solitaer/Gregær

Pandemiebedingt drängten sich THE HIRSCH EFFEKT zu dem Projekt „Solitaer/Gregær“. Jeder muss einen neuen Song schreiben, kleine Absprachen mit den anderen beiden waren genehmigt. Man kann sich einbilden, den leicht abgewandelten kreativen Prozess und die daraus resultierenden Änderungen in der Gewichtung rauszuhören, aber unterm Strich ist es für uns Hörerinnen und Hörer egal. Wir lassen uns von der Schöpfung „Palingenesis“ über die (vor Wut schnaubenden) Nasenlöcher („Nares“) bis hin zu Fehlbildung („Amorphus“) treiben. THE HIRSCH EFFEKT wissen ihr Latinum zu nutzen. Doch vor allem wissen sie, wie man Körper zum Vibrieren bringt. Alle drei neuen Songs drehen die Hirnwindungen auf links, eskalieren in purem Chaos oder einer smart herausgestellten Gesangslinie. Das Trio ist wütend, sitzt auf glühenden Kohlen und hat immer noch Bock, die Möglichkeiten seiner Instrumente zu entdecken. Und dann gibt es wieder diese übertrieben harmonischen Hilfeschreie, die uns mit einem Ruck das Feuer unterm Arsch wegziehen und Wärme verbreiten. Dass bei so peniblem Songwriting der letzte Track ausfadet, wird mit Sicherheit überlegt sein. Als Abschluss gibt es noch unter der Überschrift „Gregær“ vier orchestrale Versionen von bereits bekannten Songs. Durch die Orchestrierung werden THE HIRSCH EFFEKT fast zu einer anderen Band. Alles wirkt größer, aber die Musik verliert auch ihren dreckigen, ganz eigenen Charme.