KVELERTAK

Foto© by Stia Andersen

Ein Herz für Außenseiter

Nach dem Ausstieg von Sänger Erlend Hjelvik vor fünf Jahren war es zunächst unklar, wie es mit KVELERTAK weitergeht. Dieser brachialen Urgewalt aus Norwegen, die Rock’n’Roll, Punk und Black Metal mit drei Gitarren zu einem dunkel funkelndem Amalgam verschmilzt. Doch dann blies der neue Frontmann Ivar Nikolaisen frischen Wind in die Segel und brachte das havarierte Schiff wieder auf Kurs. „Endling“ ist schon das zweite Album mit der Rampensau von THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY am Mikrofon und beweist, dass der Vorgänger „Splid“ keine Eintagsfliege war. Die Band klingt wild und ungestüm wie in ihren Anfangstagen. Sänger Ivar Nikolaisen und Gitarrist Vidar Landa erklären uns hier, wem sie auf dem neuen Album „Endling“ besondere Aufmerksamkeit widmen.

Das neue Album steckt voller Geschichten aus dem Südwesten Norwegens. Was sind das für Storys?

Vidar: Das Album heißt „Endling“, das bedeutet übersetzt: Der letzte seiner Art. Viele Themen oder Geschichten, in die wir in den Songs eintauchen, beschäftigen sich mit Bräuchen oder Menschen, die es nicht mehr gibt. Oder Dinge, die sich gerade im Wandel befinden. Ich denke, das ist der rote Faden auf dem Album.
Ivar: Die meisten dieser Geschichten sind wahr. Das waren alles echte Frauen und Männer oder Dinge, die in den letzten zwanzig oder dreißig Jahre wirklich passiert sind. Durch das Internet gibt es nicht mehr viele von diesen Geschichten, die man sich früher erzählt hat. All diese Erzählungen verschwinden allmählich. Wir haben versucht, solche Storys zu sammeln und damit ein eigenes Bild von der Westküste Norwegens zu zeichnen.
Vidar: Das sind Erzählungen, die von der Öffentlichkeit nie groß beachtet wurden. Im Heavy Metal und auch auf unseren früheren Alben gab es immer jede Menge Themen aus der nordischen Mythologie. Deshalb haben wir uns auf die Suche nach Alternativen gemacht. Nach Storys, die noch nie aufgegriffen wurden. Wir hatten schon mit „Splid“ damit angefangen, nach Erzählungen zu suchen, die aus der Gegend stammen, aus der wir stammen. Da gibt es nämlich jede Menge verrückte Typen und unglaubliche Dinge, die dort passiert sind. Sachen, die viele Menschen nicht wissen. Wir wollten einfach nicht wieder das gleiche Wikinger-Zeug wiederholen, das die Leute schon von Netflix kennen. Es bleiben natürlich Heavy-Metal-Texte, aber wir wollten einfach neue Wege gehen.

Woher kennt ihr denn all diese Geschichten? Von euren Großeltern oder aus der Gemeindebücherei?
Ivar: Während der Pandemie habe ich mich in den Südwesten Norwegens zurückgezogen, wo ich herkomme, und bin dort viel in den Wäldern und den Bergen unterwegs gewesen. Dort leben viele Menschen total zurückgezogen. Merkwürdige, alte Menschen mit bemerkenswerten Geschichten. Menschen, die immer noch am Leben sind. Außenseiter und Eremiten. Eben die letzten ihrer Art.
Vidar: Die Gegend, aus der wir alle kommen, ist ein Landstrich, in dem lange Öl gefördert wurde. Aber momentan ändert sich das alles gerade. Die Öl-Plattformen in der Nordsee verschwinden, stattdessen werden überall Windräder errichtet. Dadurch müssen viele Menschen weichen, die dort schon seit Generationen mit ihrer Familie auf Bauernhöfen gelebt haben. Viele nehmen jetzt das Geld der großen Energie-Konzerne und verlassen ihre Grundstücke.

Gebt mir doch mal ein paar Beispiele für diese Geschichten.
Vidar: Der Song „Døgeniktens Kvad“ handelt von einem totalen Außenseiter, der nicht arbeitet und mit seiner Umwelt nichts zu tun haben will. Wir wurden dabei von einem Typen namens Helmut inspiriert, der im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs geboren wurde. Sein Vater war ein deutscher Soldat, der in Norwegen stationiert war, und seine Mutter war eine junge Norwegerin, die sich eben in diesen Soldaten verliebt hat. Alle, die etwas mit den Deutschen zu tun hatten, wurden nach Kriegsende extrem angefeindet. Deshalb hat sich Helmut irgendwann in die Berge zurückgezogen und lebt dort seitdem völlig abgeschottet. Er musste immer vor all den Leuten flüchten, die sich an den Deutschen rächen wollten. All die Jahre hat er vom Fischen und der Jagd auf verloren gegangene Schafe gelebt. Inzwischen muss er dort um seinen Platz kämpfen, den ihm Energiefirmen streitig machen wollen, weil sie dort Windräder bauen oder riesige Rohre verlegen wollen. Er ist ein Eremit, der jahrzehntelang nichts mit Menschen oder Zivilisation zu tun hatte. Ein sehr spezieller Charakter, der immer dafür verantwortlich gemacht wird, wenn etwas schiefläuft. Deshalb haben wir versucht, in seinen Kopf zu schlüpfen und einen Song aus seiner Perspektive zu schreiben. Der Song „Likvoke“ beschreibt ein altes Beerdigungsritual aus dem Südwesten Norwegens, das wir in einem uralten Geschichtsbuch in einer Bibliothek entdeckt haben. Wenn jemand gestorben ist, wurde er für eine ganze Woche im Wohnzimmer aufgebahrt und die Leute haben in dieser Zeit ausgiebig Abschied gefeiert. Mit Musik und jeder Menge Alkohol. Da wurden viele Song in einem Dialekt gesungen, der nur in Rogaland gebräuchlich war, und mit Instrumenten gespielt, die dort anders klangen als in anderen Teilen Norwegens. Und das sieben Tage und sieben Nächte lang. Damals sagten die Leute, das muss richtig laut sein, damit die Toten mit dem Fuß mitwippen. Es ist also ein Song über eine uralte Tradition, liebgewonnene Menschen mit einer ausgelassenen Totenfeier zu verabschieden.
Ivar: Da gibt es noch den Song „Fedrekult“, der davon handelt, wie verschiedene christliche Kirchen die Menschen entzweien können. Irgendwo zwischen Kristiansand und Stavanger gibt es einen kleinen Ort namens Egersund, in dem es drei verschiedene Friedhöfe gibt. Dort haben Menschen vor mehr als 150 Jahren ihre eigene Interpretation des christlichen Glaubens gestartet, weil sie mit der herkömmlichen Kirche nicht zufrieden waren. So kam es, dass es drei verschiedene Glaubensrichtungen in diesem kleinen Ort gab. Keiner von denen wollte noch mit den anderen sprechen. Und das seit fast 200 Jahren. Wenn einer von denen stirbt, kommt keiner von den anderen Splittergruppen zu seiner Beerdigung. Wenn sich jemand in eine Frau von einer anderen Kirche verliebt, wird er aus der Familie ausgeschlossen. Völlig verrückt.
Vidar: Der Song ist aus der Perspektive von zwei Brüdern geschrieben, die seit Jahren nicht mehr miteinander reden. Die leben tatsächlich in dieser kleinen Gemeinde völlig isoliert voneinander, nur weil der eine die Bibel anders interpretiert als der andere. Uns haben diese Familienkonflikte total fasziniert und auch die Konsequenz, mit der diese Menschen unerbittlich nebeneinander leben, ohne Kontakt zu haben. Man kann gar nicht glauben, dass es so etwas tatsächlich gibt. Dabei passiert es gleich vor unserer Haustür. Einfach unglaublich. Diese Geschichte wollten uns die Leute in Oslo gar nicht glauben.

Wenn man all diese Geschichten hört, die ihr auch auf Norwegisch singt, könnte man meinen, ihr habt eine ganz besondere Beziehung zu eurer Heimat.
Vidar: Wir fanden es einfach interessanter, Geschichten aus der Gegend zu erzählen, aus der wir kommen, als all diese alten Kamellen aus der Wikingerzeit noch einmal aufzukochen. Es sind die zentralen Dinge des Lebens, um die es in diesen Geschichten geht: Liebe, Hass und Tod. Und wir wollten uns auf die Gegend beschränken, aus der wir stammen. Als die Songs für das Vorgängeralbum „Splid“ entstanden sind, haben wir uns vor allem mit Dingen beschäftigt, die damals in der Welt um uns herum passiert sind. Die Wahlen in den USA, der furchtbare Präsident Donald Trump und die Spaltung der Gesellschaft, die dadurch entstanden ist. Durch die Pandemie waren wir aber so erschöpft, dass wir keine Lust hatten, politische Songs zu schreiben. Wir wollten lieber Texte schreiben, mit denen man sich eine Weile beschäftigen und in die Themen richtig eintauchen kann. Ich weiß aber nicht, ob man sagen kann, dass wir eine besondere Beziehung zu der Gegend haben, aus der wir stammen. Ich schätze mal, wir kennen die Storys von hier besser als aus anderen Landstrichen.
Ivar: Für mich macht es keinen Sinn, wenn man in Norwegen lebt und Songs über Texas schreibt. Niemand kann in unserem Dialekt besser singen als wir. Keiner kennt all die Geschichten von hier besser als wir. Keiner kann bessere Songs darüber schreiben als wir. Wir sind die einzige Band, die dafür geeignet ist. Wenn man etwas Einzigartiges schaffen will, muss man sich einfach an seiner unmittelbaren Umgebung orientieren.
Vidar: Und nur wir können uns darüber lustig machen. Wir erzählen diese Geschichte ja nicht, weil wir unheimlich stolz auf Norwegen sind, sondern weil diese Storys einfach unheimlich skurril sind. All diese Geschichten von Liebe und Hass für nichts.

Verbringt ihr viel Zeit mit Wandern, Jagen oder Fischen, wenn ihr all diese Typen aus den Wäldern kennt?
Ivar: Die Hälfte der Band besteht aus Vegetariern. Deshalb ist Jagen kein großes Thema bei uns, haha. Aber einige von uns angeln gerne. Ich lebe etwa eine Stunde außerhalb von Oslo mitten im Wald. In der Natur fühle ich mich unheimlich wohl. Ich kann nicht in der Stadt leben, das funktioniert bei mir einfach nicht. Vidar und ich sind fast den ganzen Winter lang Ski gefahren. Wir sind also viel draußen unterwegs.

Wo und mit wem habt ihr das neue Album aufgenommen? Für die letzte Platte „Splid“ seid ihr in die USA zu Kurt Ballou von CONVERGE gereist.
Vidar: Diesmal sind wir ins Duper Studio nach Bergen gefahren. Vor allem, weil wir mit Jørgen Træen arbeiten wollten. Er ist seit vielen Jahren in ganz Norwegen bekannt für seine Arbeit mit Künstlern wie KAIZERS ORCHESTRA oder THE NATIONAL BANK. Es ist gar nicht so einfach, ein Studio zu finden, das uns dabei hilft, unser Album besser zu machen. Und einen Produzenten, der alle sechs Bandmitglieder gleichermaßen anspricht. Als das Gespräch auf Jørgen kam, sagten wir alle: Warum haben wir nicht schon früher an ihn gedacht? Zum Glück war er sofort Feuer und Flamme für die Idee, mit uns zu arbeiten, und er hat gleich sein ganzes Team für uns geblockt. Wir hatten einen Monat Zeit und konnten mit drei Produzenten quasi rund um die Uhr arbeiten. Neben Jørgen waren es Yngve Sætre und Iver Sandøy, der auch bei ENSLAVED Schlagzeug spielt. Wir haben also jeden Tag von neun Uhr früh bis spät in die Nacht im Studio verbracht. Das war wirklich eine großartige Erfahrung. Ohne diese drei Produzenten würde „Endling“ definitiv anders klingen. Sie haben dem Album noch ein paar weitere Farben hinzugefügt. Wir sind super glücklich mit dem Ergebnis.

Wer ist denn verantwortlich für das wunderschöne Artwork? Das Bild von einer Eule mitten unter Falken.
Vidar: Das ist das Werk von Marald van Haasteren, der schon das Artwork zu „Splid“ gestaltet hat. Wir haben ihm ein paar grobe Ideen geschickt, welche Gedanken wir uns über die Songs gemacht haben, und dann war er völlig frei in der Gestaltung. Es ist seine ganz eigene Interpretation des KVELERTAK-Universums. Ich kann nicht genau erklären, was er sich dabei gedacht hat, aber die Eule begleitet uns ja schon seit vielen Jahren. Man könnte sie als unser Maskottchen oder spirituellen Begleiter bezeichnen.

Ivar, gehst du auch mit einer ausgestopften Eule auf dem Kopf auf die Bühne, wie es Erlend getan hat?
Ivar: Nein, das mache ich nicht. Das war sein Ding und ich mache meins. Die Eule begleitet uns immer noch, aber ich setze sie mir nicht auf den Kopf. Ich bin der Meinung, ich sehe ziemlich blöd damit aus. Ich habe es versucht, das kannst du mir glauben. Aber das passt einfach nicht zu mir.

„Endling“ ist euer zweites Album für Rise Records. Welche Erfahrungen habt ihr mit „Splid“ gemacht?
Vidar: Wir sind hochzufrieden und das obwohl wir uns in Norwegen befinden und das Label in den USA. Die haben einen wirklich guten Job gemacht. Wir haben auch genug Exemplare verkauft, so dass das Label happy ist. Sie haben uns in allen Belangen unterstützt. Wir können mehr oder weniger alles machen, was wir wollen. Wir spüren das volle Vertrauen des Labels. So sollte es eigentlich bei jedem Label sein.
Ivar: Sie haben uns keinerlei Vorschriften gemacht oder einen Hit gefordert. Sie haben uns nicht unter Druck gesetzt oder irgendwelche Gelder gestrichen. Wir hatten die volle Freiheit. Ich hätte nicht erwartet, dass sie so cool sind.

Gab es diesmal wieder Gäste im Studio wie Troy Sanders von MASTODON beim letzten Mal?
Vidar: Nur einen Lokalhelden aus Norwegen namens Frank Hammersland. Er war Sänger der Band POGO POPS, die früher THE DOOMSVILLE BOYS hießen und um die Jahrtausendwende ziemlich bekannt waren. Frank hat einige Alben mit der Band, aber auch Soloalben veröffentlicht, die einige von KVELERTAK ziemlich gut finden.
Ivar: Er hat in einem Plattenladen in Oslo gearbeitet und war eine echte Legende. Leider ist er kurz nach den Aufnahmen für unser Album an Krebs gestorben. Das hat uns alle sehr traurig gemacht und dadurch ist sein Beitrag für „Endling“ für uns etwas sehr Besonderes. Er hat Background-Vocals für den Song „Motsols“ eingesungen. Wenn du ihn und seine Band schon mal gehört hast, erkennst du seinen Gesang sofort. Wir haben das Album in den letzten Zügen der Pandemie aufgenommen, damals durften die Leute noch nicht reisen, deshalb war er der einzige Gast im Studio. Frank selbst kommt direkt aus Bergen.

Wie hat das eigentlich alles angefangen mit KVELERTAK vor 16 Jahren?
Vidar: Wir haben uns alle in Stavanger getroffen. Marvin und Maciek kannte ich schon vorher. Damals gab es dort eine große Straight-Edge-Hardcore-Szene und wir drei waren Teil davon. Marvin hat Bjarte in einer Musikschule kennen gelernt und Bjarte hat dann Erlend mitgebracht. So sind wir zusammengekommen. KVELERTAK war für mich am Anfang ein reines Spaßprojekt, bis wir gemerkt haben, dass das Songwriting bei uns wirklich gut funktioniert. Deshalb haben wir noch ein paar Wechsel an den Instrumenten vorgenommen und dann ein paar lokale Shows gespielt. Wir waren damals schon eine Rock’n’Roll-Band mit der Energie der Hardcore-Szene. Als wir Kurt Ballou gefragt haben, ob er unser Debütalbum produzieren will, begann unser raketenhafter Aufstieg. Nicht viele junge norwegische Bands sind zu dieser Zeit in die Staaten geflogen. Das war sauteuer und wir hatten überhaupt keine Kohle. Aber wir haben unsere letzten Kröten zusammengekratzt und haben alles andere aufgegeben, um diesen Traum zu leben.

In den frühen Tagen der Band hat man immer wieder gelesen, ihr wärt „die nächsten TURBONEGRO“. Waren die eine Art Role Model für euch?
Vidar: Absolut. Als wir angefangen haben, kam gerade das Album „Scandinavian Leather“ heraus. Auch „Apocalypse Dudes“ lief bei uns rauf und runter. Und kurze Zeit später haben SATYRICON ihr Album „Volcano“ veröffentlicht, das hat uns auch sehr inspiriert. Mit diesem catchy Black-Metal-Sound. Außerdem hat uns Thomas Seltzer aka Happy Tom von Anfang an sehr unterstützt. Ich glaube, 2009 haben wir unsere erste Show mit TURBONEGRO gespielt und er hat einfach unheimlich viele Kontakte auch in die USA und immer sehr nette Dinge über uns gesagt. TURBONEGRO waren also immer eine große Unterstützung für uns und sehr wichtig für unseren Sound.

Wie war es für euch, als Hank von Helvete vor zwei Jahren völlig überraschend gestorben ist?
Ivar: Wir haben nicht viele Rockstars in Norwegen, er war so ziemlich der einzige. Wir waren natürlich sehr traurig, als uns die Nachricht erreicht hat. Ich kannte ihn schon über zwanzig Jahre lang, Anfang der Nuller Jahre bin ich zu den ersten TURBONEGRO-Shows gegangen. Mit meiner alten Band SILVER habe ich auch ein paar Mal in ihrem Vorprogramm gespielt. Viele Leute in Norwegen hielten die Dinge, die er in den letzten Jahren gemacht hat, für ziemlich blöd. Zum Beispiel saß er in der Casting-Show „Idol“ in der Jury, hat in einem Film namens „Cornelis“ die Hauptrolle gespielt oder ist beim norwegischen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest angetreten. Auch seine Soloalben kamen in Norwegen nicht besonders gut an. Aber als er dann starb, haben die Leute erst gemerkt, wie wichtig er für die ganze Punk-Szene war. Viele Leute haben dann bereut, dass sie all die Jahre so schlecht über ihn gesprochen haben. Drei Jahre vor seinem Tod habe ich ihn noch gebeten, ein paar Gesangsspuren für meine Band THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY beizutragen, aber er hatte leider keine Zeit. Sein Tod war für uns alle ein Schock, weil er für immer weg war. Er war einzigartig und niemand konnte ihn ersetzen. TURBONEGRO sind zwar immer noch eine gute Band, aber nicht so großartig wie früher.

KVELERTAK sind in den letzten Jahren richtig groß geworden. Ihr wart mit Bands wie METALLICA, JUDAS PRIEST oder MASTODON auf Tour. Das klingt für mich wie ein Traum für ein paar Jungs aus der norwegischen Provinz.
Vidar: Absolut. Wir hatten in unseren Anfangstagen keine großen Ambitionen. Das war auch gut für unsere Entwicklung. Wir waren immer zufrieden, mit dem, was wir erreicht haben, und haben alles als Geschenk betrachtet. Und so ist es eigentlich immer noch. Wenn ich nur daran denke, dass wir ein ganzes Jahr mit METALLICA unterwegs waren, ist das total verrückt. Keiner von uns hätte so etwas je erwartet. Manchmal muss man eben Glück haben und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Aber natürlich muss man auch hart arbeiten und permanent auf Tour sein. Außerdem haben wir konsequent Alben veröffentlicht, in die wir sehr viel Zeit und Herzblut investiert haben.

Hat sich euer Leben durch den Erfolg verändert. Werdet ihr auf der Straße erkannt und um Autogramme gebeten?
Vidar: Haha. Das ist kein Problem. Wir sind einfach zu viele Musiker in der Band, all die Gesichter kann sich keiner merken. Zumindest für mich ist das so. Ivar wird vielleicht ein bisschen öfter erkannt. Wir leben aber alle ziemlich normal, und wenn uns doch mal jemand erkennt und sich für uns interessiert, finde ich das immer sehr schmeichelhaft.

Wie groß war der Verlust, als euch vor fünf Jahren mit Erlend und Kjetil gleich zwei langjährige Bandmitglieder verlassen haben?
Vidar: Für mich hat sich das wie eine Scheidung angefühlt. Wir haben so viel Zeit zusammen verbracht und gemeinsam Großartiges erreicht. Deshalb hat es mich sehr traurig gemacht, als die beiden ausgestiegen sind. Dass sie andere Interessen verfolgen und nicht mehr Teil von KVELERTAK sein wollen. Das war sehr hart für uns alle, weil wir damals gerade an Songs für ein neues Album gearbeitet haben. Das hätte auch locker das Ende der Band sein können, aber wir alle kannten Ivar und wir waren uns schnell einig, dass wir ihn als Ersatz haben wollten. Wir hatten in unseren Anfangstagen im Vorprogramm seiner Band SILVER gespielt. Außerdem war er schon 2010 mit uns im Studio und hat beim Song „Blodtørst“ auf unserem Debütalbum mitgesungen. Damals war Ivar eine Art Mythos, weil er der Axl Rose von Norwegen hätte werden können, aber er hat alles hinter sich gelassen und für ein paar Jahre in einer Waldhütte gelebt. Keiner in Oslo wusste damals, wo er sich genau aufhielt. Oder ob er vielleicht sogar durchgedreht ist. Es gab jede Menge Gerüchte über Ivar. Aber irgendwann habe ich ihn angerufen und ihn gefragt, ob er mir bei Holzarbeiten helfen könnte, weil er nicht nur ein sehr guter Sänger, sondern auch ein hervorragender Möbelschreiner ist. Dann habe ich vorgefühlt, was ihm die Bühne bedeutet, und er sagte, er sei total beeindruckt davon, dass wir von der Rockmusik leben können. Danach war ich mir ziemlich sicher, dass wir ihn fragen können, ob er bei uns einsteigen will.

Habt ihr noch Kontakt zu Erlend und Kjetil? Wisst ihr, was die beiden so treiben?
Vidal: Ich habe natürlich mitbekommen, dass Erlend ein Soloalbum veröffentlicht hat. Aber wir sehen uns eher sporadisch. Wir haben kaum noch Kontakt. Mit Kjetil unterhalte ich mich hin und wieder. Aktuell ist er damit beschäftigt, alte Häuser zu renovieren. Schlagzeug spielt er nur noch zum Spaß. Er hatte ja noch die Band TEMPEL mit seinen beiden Brüdern Inge und Espen, aber da ist er auch ausgestiegen.
Ivar: Kjetil besucht uns oft bei Konzerten. Ich denke, er war einfach müde vom ständigen Touren und wollte nicht mehr permanent unterwegs sein. Als wir die erste Show mit der neuen Besetzung hatten, kam Kjetil auf die Bühne und hat die Ansage für uns gemacht. Das war eine sehr coole Sache und eine gute Gelegenheit für ihn, sich gebührend zu verabschieden.

Ivar, warum hast du dich damals entschieden, der neue Sänger von KVELERTAK zu werden?
Ivar: Ich kannte die Jungs und sie sind einfach großartig. Außerdem muss ich seitdem nicht mehr als Schreiner arbeiten. Ich habe mein ganzes Leben in der Werkstatt verbracht und das ist wirklich harte Arbeit. Außerdem kann ich jetzt im Dialekt der Provinz Rogaland singen. Das ist die Gegend, aus der wir alle kommen. Das macht sonst keiner, das finde ich sehr cool. Jetzt kann ich endlich viel bessere Texte schreiben, weil das meine Muttersprache ist. Weil mein Englisch nicht so gut ist, war es immer hart für mich, gute Texte zu schreiben. Als Vidal mich gefragt hat, ob ich einsteigen will, habe ich nicht lange überlegt. Manchmal muss man einfach ins kalte Wasser springen. Ich mache keine großen Pläne. Keine Ahnung, was in fünf Jahren ist. So lange es cool ist, mache ich das jetzt einfach. Bis jetzt habe ich es nicht bereut, bei KVELERTAK zu sein.

Wie ist es mit KVELERTAK auf der Bühne zu stehen, im Vergleich zu deinen anderen Bands?
Ivar: Sie sind einfach sehr gute Musiker. Ich komme aus der Punk-Szene und da ist es vielen Leuten nicht so wichtig, ihre Instrumente gut zu beherrschen. THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY sind inzwischen auch ziemlich gut, aber das hat einige Jahre gedauert. Viele Musiker in der Punk-Szene halten das nicht für wichtig. Vielleicht auch, weil sie einfach nicht gut genug sind. Deshalb finde ich es supercool, die Songs im Studio quasi live spielen zu können und kaum Overdubs danach ergänzen zu müssen. Das können nicht viele Bands. Es ist doch toll, wenn man weiß, was man mit seinem Instrument alles machen kann. KVELERTAK wissen einfach, wie man Heavy Metal und Punkrock auf eine sehr gute Art spielt. Die haben ja auch schon mehr als tausend Shows gespielt, viel mehr als alle meine anderen Bands.

Und wie haben dich die KVELERTAK-Fans aufgenommen? Haben sie dich gleich akzeptiert?
Ivar: Viele Leute sind nach den ersten Shows zu mir gekommen und haben gesagt: Ich habe es geliebt, wie Erlend gesungen hat, aber ich liebe die Band auch, wenn du singst. Das hat sich gleich wahnsinnig gut angefühlt. Ich mache das natürlich total anders, aber die meisten im Publikum haben mich von Anfang an voll akzeptiert. Natürlich gibt es immer den einen oder anderen Nörgler, der mich ablehnt, aber ich habe vor allem positives Feedback bekommen. Damit kann ich gut leben, weil die meisten eben begeistert sind.

Wie schwierig ist es für dich, in zwei Bands gleichzeitig zu sein?
Ivar: Das ist manchmal schon kompliziert, aber die Jungs von THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY sind alte Freunde von mir, die kein Problem damit haben. Die haben alle normale Jobs und können sowieso nicht so viele Konzerte spielen. Nicht mehr als dreißig Shows im Jahr, das ist also überschaubar. Manchmal muss ich harte Entscheidungen treffen, vor allem in der Festivalsaison im Sommer. Aber das klappt schon, weil die Jungs wissen, dass KVELERTAK für mich Priorität haben.

Vor fünf Jahren habe ich Ivar mit THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY bei einer Show in Oslo gesehen und war sehr beeindruckt. Ich hatte aber auch ein bisschen Angst, weil er wirklich wie ein wildes Tier auf der Bühne ist.
Vidar: Das stimmt. Mit Ivar fühlt es sich an, wie in den Anfangstagen von KVELERTAK. Diese wilde Punk-Energie, die uns mit Erlend in den vergangenen Jahren irgendwie verloren gegangen ist. Ich habe Ivar auch mehrfach in kleinen Clubs gesehen und seine Performances waren immer unheimlich stark. Ich bin dann immer nach Hause gefahren und habe mich gefragt: Sind die vielleicht sogar besser als KVELERTAK? Ich hatte auch immer ein bisschen Angst, das hat mich auch irgendwie beeindruckt.

Ivar, du kommst aus einer sehr musikalischen Familie. Du hast mehrere Geschwister, die auch Musik machen oder in Bands spielen. Woher kommt das?
Ivar: Wir sind insgesamt sieben Geschwister. Aber nur meine beiden Schwestern Hilma und Elvira, mein Bruder Emil und ich sind Musiker. Wir sind in einem kleinen Dorf an der Westküste von Norwegen aufgewachsen. Meine Eltern hatten nie genug Geld für einen Fernseher, deshalb haben sie uns Musikinstrumente gekauft, um die Langeweile zu vertreiben. Deshalb durften wir im Keller so viel proben wie wir wollten. So sind alle Nachbarskinder immer zu uns gekommen, um Lärm zu machen. Und wir konnten schon sehr früh unsere ersten Bands gründen. Damals waren wir vielleicht zehn oder zwölf Jahre alt. Damals hatten wir noch kein Internet, deshalb kannten wir noch nicht viele Bands.
Vidar: Elvira, Hilma, Emil und Ivar haben viel Charisma, finde ich. Ihr Vater war Kirchenorganist. Elvira landet mit ihren Songs regelmäßig in den Charts. Emil und Hilma haben gemeinsam in der Alternative-Rock-Band SERENA MANEESH gespielt. Inzwischen hat Hilma schon ihr drittes Soloalbum veröffentlicht.
Ivar: Der Unterschied ist, dass meine Geschwister alle sehr talentiert sind und ich eben nicht, haha. Ich habe versucht, Schlagzeug und Gitarre zu spielen, aber das hat nie besonders gut funktioniert. Also habe ich einfach das Mikrofon übernommen und immer den Clown gespielt. Deshalb war ich schon in Kindheitstagen immer für die Action auf der Bühne zuständig. Damals sind wir vor allem an Orten aufgetreten, wo Punkbands nicht hinkommen, in Kirchen oder bei Straßenfesten. In unserer Gegend gab es keine Clubs für Rock- oder Punkbands. Aber irgendwann sind wir alle nach Oslo gezogen und das hat natürlich alles verändert. Mein älterer Bruder Emil war mit mir gemeinsam in der Band SILVER. Er war immer die größte Inspiration für mich und ist der beste Gitarrist, den ich kenne. Inzwischen ist er mehr in der Shoegaze- und Indie-Szene unterwegs. Und für Hilmas Alben habe ich ein paar Background-Vocals beigetragen. Es gibt also viele Verbindungen zwischen uns Geschwistern.

Vidar, du hast zusammen mit Marvin noch eine andere Band namens BEACHHEADS. Was passiert da gerade?
Vidar: Nicht viel. Vergangenes Jahr haben wir eine kleine Tour in Norwegen gespielt. Aber dann waren wir schon wieder sehr mit KVELERTAK beschäftigt. Für uns ist es ziemlich hart, beide Bands unter einen Hut zu bekommen. Ich organisiere bei KVELERTAK ziemlich viel hinter den Kulissen, deshalb ist es unheimlich anstrengend, nebenbei noch etwas anderes zu machen. Und Børild, der Sänger von BEACHHEADS, hat zwei Kinder, deshalb kann er auch nicht so viel Zeit in die Band investieren. Das gleicht sich also aus. Wir hätten schon wieder genug Material für ein drittes Album, das werden wir bestimmt auch irgendwann aufnehmen. Ich denke, wir müssen einfach unsere Termine besser mit dem Zeitplan von KVELERTAK abstimmen. Vor allem in Deutschland und Österreich haben wir mit BEACHHEADS jede Menge Platten verkauft, aber immer noch keine Shows gespielt. Das muss sich ändern. Aber im Moment gibt es keine Pläne, weil wir sehr mit KVELERTAK beschäftigt sind.

Macht ihr noch andere kreative Dinge neben der Musik? Schreibt ihr Bücher? Dreht ihr Filme? Malt ihr Bilder?
Vidar: Bei mir geht fast die komplette Zeit für Musik drauf. Ich versuche mich immer weiter zu verbessern, was Songwriting und Gitarre spielen betrifft. Letztes Jahr habe ich angefangen zu stricken. Ich schätze mal, das ist ein sehr kreatives Hobby. Vor allem im Herbst und Winter. Ich habe schon alles Mögliche gestrickt: Pullover, Mützen oder Schals. Zuletzt habe ich ein Stirnband für Ivars Tochter gestrickt. Ich versorge alle meine Freund mit Strickwaren, vor allem wenn sie Geburtstag haben. Normalerweise machen das vor allem Großmütter, aber ich versuche, ein moderner Mann zu sein.
Ivar: Ich habe auch nicht viel Zeit übrig, aber wenn dann gehe ich zum Fliegenfischen. Ich habe zwei Bands und eine Familie, da gibt es nicht viele Lücken im Terminplan. Deshalb nutze ich die freie Zeit und gehe in den Wald oder an den Fluss. Und natürlich mache ich immer noch Schreinerarbeiten. Vor allem zu Hause bin ich oft damit beschäftigt, Möbel zu bauen oder zu reparieren.

Könnt ihr was mit Sport anfangen? Entweder aktiv oder als Fans?
Vidar: Unser neuer Drummer Håvard steht voll auf Fußball, er ist zusammen mit Ole Gunnar Solskjær aufgewachsen. Der war sogar in der Nationalmannschaft und Spieler und Trainer bei Manchester United. Als sie jung waren, haben die beiden im gleichen Team gekickt. Deshalb war Håvard dann lange Fan von Manchester United. Wir haben auf Tour immer wieder Spiele von denen angeschaut. Håvard hat ihn auch im Old Trafford besucht und die Familien der beiden sind gut befreundet. Solskjær hat ihm zu Weihnachten sogar eine Flasche Whiskey geschenkt.

Kennt ihr auch Erling Haaland, den momentan vielleicht populärsten Norweger auf dem Planeten?
Vidar: Er ist in Bryne aufgewachsen, das ist nur dreißig Kilometer von Stavanger entfernt. Ich war großer Fan seines Vaters, als der bei Manchester City gespielt hat. Damals war ich selbst noch ein Kind. Aber Erling ist ein bisschen jünger als wir, deshalb haben wir keine persönliche Verbindung. Er war zu jung, um zu einem unserer Konzerte zu kommen, und als er das richtige Alter hatte, ist er schon ins Ausland gegangen. Und jetzt kann er nicht mal mehr aus dem Haus gehen, weil er so berühmt ist.

Was ist rund um den Release von „Endling“ geplant?
Vidar: Ende Juni haben wir die größte Show in unserer Geschichte gespielt. Wir waren Headliner vom Tons of Rock Festival in Norwegen, da kommen jedes Jahr rund 80.000 Besucher. Im September spielen wir dann einige große Shows in Norwegen, teilweise zwei Abende hintereinander. Mal sehen, wie das läuft. Im Oktober gehen wir drei Wochen in Europa auf Tour, in Deutschland, Schweden, Finnland, Belgien und der Schweiz. Dann beenden wir das Konzertjahr in Mexiko. Ich denke, im Frühjahr wird es Konzerte in Großbritannien, USA und Australien geben. Wir wollen aber nicht mehr permanent auf Tour sein, sondern auch Zeit mit unseren Familien verbringen. So haben wir immer einen guten Ausgleich und freuen uns dann wieder, unterwegs zu sein. Das liegt aber auch daran, dass die Welt immer noch mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen hat. 2024 wollen wir auf jeden Fall bei jeder Menge Festivals spielen.

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Diskografie
„Westcoast Holocaust“ (Demo-CD, Self-Released, 2007) • „s/t“ (CD/2LP, Indie Recordings, 2010) • „Meir“ (CD/2LP, Indie Recordings/Roadrunner, 2013) • „Nattesferd“ (CD/2LP, Indie Recordings/Roadrunner, 2016) • „Splid“ (CD/2LP, Rise, 2020) • „Endling“ (CD/2LP, Rise, 2023)

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Timeline
2007 KVELERTAK gründen sich 2007 in Stavanger, Norwegen. Zur Beginn besteht die Band aus Erlend Hjelvik (voc), Anders Mosness (gt, dr), Bjarte Lund Rolland (gt), Vidar Landa (gt) und Marvin Nygaard (bs). Im selben Jahr bringen KVELERTAK die selbst veröffentlichte Demo-CD „Westcoast Holocaust“ heraus.

2008 Kjetil Gjermundrød übernimmt die Drums.

2009 Als Verstärkung an der Gitarre und bei den Backing-Vocals kommt Maciek Ofstad dazu.

2010 Im Juni veröffentlichen KVELERTAK ihr selbst benanntes Debütalbum, das in Norwegen Gold erreicht. Daraufhin werden sie mit dem norwegischen „Spellemannprisen“ als beste Rockband und beste Newcomer ausgezeichnet.

2013 Ihr zweites Album „Meir“ wird im März veröffentlicht und landet auf Platz 1 der norwegischen Albumcharts. Weiterhin bekommt die Band auch international viel Aufmerksamkeit. Im Oktober veröffentlichen sie zusammen mit GOJIRA eine Live-Split-EP.

2016 Das in Oslo aufgenommene Album „Nattesferd“ wird im Mai veröffentlicht.

2017/18 KVELERTAK treten als Vorband bei der „World Wired“-Tour von METALLICA in Europa auf.

2018 Im Juli gibt Sänger Erlend Hjelvik bekannt, dass er die Band verlässt. Ivar Nikolaisen tritt an seine Stelle, er war bereits Gastsänger beim Song „Blodtørst“ von ihrem 2010 erschienen Debüt.

2019 Håvard Takle Ohr übernimmt für Kjetil Gjermundrød das Schlagzeug.

2020 Mit neuer Besetzung veröffentlichen sie via Rise Records ihr viertes Album „Splid“, das wieder Gold-Status in Norwegen erreicht.

2023 Ihr neues Album „Endling“ erscheint im September auf Rise Records.