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Foto© by Emilia Spitale

Woanders ist auch scheiße

Mit „This Is Normal Now“ bringen die Berliner das Lebensgefühl der 2020er auf den Punkt. Tagtäglich werden neue Realitäten geschaffen, Kriege, Klimakrise, Diktaturen. Darüber reden wir mit Tore und Erik.

Ich hatte eigentlich erwartet, dass endlich mal jemand den „Mambo No. 6“ veröffentlicht, aber stattdessen habt ihr den „Limbo No. 5“ geschrieben? Wieso ist Limbo besser als Mambo und was ist dein Lieblingstanz?

Erik: Der Titel ist natürlich ein Wortspiel, bestehend aus dem genannten Hit von Lou Bega und dem Limbus, also dem Konzept der Vorhölle. Quasi eine Zwischenwelt, die weder Dies- noch Jenseits ist, was wiederum eine ganz passende Metapher für das Gefühl ist, in einem irgendwie gearteten Zwischenraum gefangen zu sein. In dem Song geht es genau um so einen Nicht-Zustand oder Übergangsstadium, in dem man sich –  noch im irdischen  –  Leben manchmal wiederfindet, und in dem man nicht weiter weiß. Regt zum Nachdenken an, haha!

Gerade wird ja alles immer schlimmer, Trump, AfD, Klimawandel, dumme Menschen im Internet, mein Rücken mit dem Alter auch. Müssen wir uns damit abfinden?
Erik: Ich glaube nicht, dass wir das müssen oder sogar dürfen. Aber ich glaube auch, dass wir als Menschen nicht dafür gemacht sind, mit dieser unendlichen Flut an Informationen umzugehen, die jede Sekunde auf uns einprasseln. Diese Überforderung löst letztendlich einen Überlebensmechanismus in uns aus, der so funktioniert, dass wir uns, blöd gesagt, selbst abstumpfen oder irgendwie ablenken. Wir geben auf. Klappe
zu. Wir flüchten uns in Nostalgie, Fiktion oder ganz einfach Verdichtung, um noch so etwas wie eine Selbstermächtigung zu spüren. Und so werden diese Dinge, die eigentlich krasseste Paradigmenwechsel für uns oder unsere Umwelt bedeuten, einfach abgetan. Das ist wahrscheinlich auch wieder so ein Symptom des Spätkapitalismus. Von allen wird eine gewisse Mündigkeit verlangt, wobei uns aber die Ressourcen dazu völlig fehlen; ob der Zugang zu wirklich relevanten Informationen, die ökonomischen Mittel oder auch einfach die Zeit. Ständig müssen alle zu irgendwas eine Meinung haben, ohne eine Chance, sich diese überhaupt zu bilden. Und so wird alles Meinung, nur ohne Meinungen. Und alles irgendwie so gleich.
Tore: Viele Dinge wirken global. Die in der vorherigen Frage erwähnten Themen haben ja zum Beispiel überall Auswirkungen. Aus einer anderen Perspektive sprechen gewisse Leute davon, dass es uns noch nie so gut ging  –  Lebenserwartung steigt, mehr Wissen, mehr Technologie und Produktivität, wachsender Reichtum des Landes –, der Mensch damit aber noch nicht wirklich umgehen kann und deshalb das Leid sucht. Dass man das so eindimensional nicht betrachten kann und sollte, ist wohl klar. Trotzdem tue ich mich manchmal schwer, mich zu echauffieren, weil man dann doch anderes sieht, wenn man mal um sich blickt.

Ihr habt in den letzten Jahren ja auch den Sprung raus aus Deutschland geschafft – ist es woanders auch scheiße?
Tore: Wir haben auf jeden Fall schon öfter in England gespielt, was wir nächstes Jahr wiederholen möchten.
Erik: Da ist es auf jeden Fall auch scheiße. Was natürlich alle Orte immer wieder lebens- und besuchenswert macht, sind gute Leute. Die gibt es sicher überall auf der Welt.

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