PUP

Foto© by Vanessa Heins

Der beste Freund des Menschen

Eigentlich steht PUP für „Pathetic Use of Potential“. Den seit 2010 aktiven Jungs aus Kanada ist aber durchaus bewusst, dass man vielleicht erst an kleine Fellnasen denken könnte, wenn man ihren Bandnamen hört. Und so findet diese Assoziation nun auch Platz in ihrem fünften Album „Who Will Look After The Dogs?“. Gitarrist Steve Sladkowski gibt uns einen kleinen Einblick in die Themen der neuen Platte.

Im Mai erscheint euer neues Album und direkt danach geht es wieder für einige Shows nach Deutschland. Gibt es da einen Unterschied zu den Gigs in Kanada?

Ja, die deutschen Zuschauer waren anfangs ein bisschen schwieriger, haha. Es fühlte sich so ähnlich an wie in Quebec, wo Französisch gesprochen wird. Es gab eine gewisse Sprachbarriere und vielleicht hat sich auch der Humor nicht so gut übertragen. Es hat uns viele Auftritte gekostet, um beim Publikum richtig anzukommen, und das finde ich eigentlich ganz spannend. Wir haben festgestellt, dass die Leute, die in Deutschland zu den Konzerten kommen, wirklich begeistert sind und dazu neigen, uns gleich mehrmals zu sehen. Es braucht also Zeit, dabei sind wir in der heutigen Gesellschaft doch daran gewöhnt, sofort eine Belohnung zu bekommen. Da ist es schön, wenn man ein bisschen dafür arbeiten muss, um sein Publikum zu überzeugen. Vor allem als Vorband weißt du nie, ob die Leute vielleicht nur da sind, um den Headliner zu sehen. Du musst in die Menge schauen und darauf achten, wann die Leute Spaß haben oder mitsingen. Und das sind die Momente, wo du anknüpfen kannst.

Bei der Platte habt ihr mit dem Produzenten John Congleton in L.A. zusammengearbeitet. Wie kam der Kontakt zustande und wie war die Zeit im Studio?
Wir haben schon seit fünf Jahren Kontakt, und als wir jetzt darüber nachgedacht haben, mit wem wir die neuen Aufnahmen machen wollen, kam sein Name ins Spiel. Wir haben uns also mit ihm zusammengesetzt und es hat einfach gepasst. Er hat eine sehr aufgeschlossene, aber auch entschlossene Art, und das war etwas, das uns geholfen hat. Wir neigen dazu, alles zu sehr zu zerdenken und uns selbst im Weg zu stehen. Deshalb war es schön, jemanden wie John zu haben, der sehr sensibel, aber auch sehr überzeugt ist. Wir haben die Platte innerhalb von drei Wochen aufgenommen – so schnell wie noch nie. Wir haben viel darüber gelernt, wie man Entscheidungen trifft, und das hört man dem Ergebnis auch an. Es ist alles ein bisschen direkter.

Jeff Rosenstock ist in „Get dumber“ zu hören. Wie kam’s dazu?
Jeff ist ein sehr guter Freund von uns, den wir schon lange kennen. Eines Tages war er im Studio und wir meinten: „Hey Jeff, wollen wir nicht mal sehen, ob wir da etwas machen können?“ Ich fühlte mich immer ein bisschen an die BEASTIE BOYS erinnert, als er und Stefan zusammenspielten. Wir dachten einfach: Vielleicht klappt es ja. Warum probiert ihr es nicht einfach aus? Es war auch nicht so, dass erst der eine seinen Part aufgenommen hätte und dann der andere. Sie waren zusammen im Raum und haben sich die ganze Zeit gegenseitig angeschrien, was ich sehr lustig fand. Es hat einfach funktioniert. Sarah von ILLUMINATI HOTTIES, mit denen wir auf Tour gehen werden, hat auch einen besonderen Anteil an dieser Platte. Es ist wirklich toll, dass wir eine Reihe von Leuten um uns haben, mit denen wir nicht nur gut abhängen können, sondern auch Musik machen.

Was steckt eigentlich hinter dem Albumtitel „Who Will Look After The Dogs?“?
Die Band heißt ja PUP, aber wir haben uns bisher nie wirklich auf die Idee mit den Hunden eingelassen. Doch das entspricht schon unserem Sinn für Humor, so eine Art Augenzwinkern. Die Frage taucht aber zugleich in dem eher ernsten Text von „Hallways“ auf. Der sagt viel über das aus, was Stefan durchgemacht hat, als er die Songs schrieb. Es greift auch den Gedanken auf, dass der Begriff „Pup“ sowohl für ein Tier, aber auch als Slang-Ausdruck für Freunde verwendet werden kann. Die Freunde, die man braucht, wenn einem die Welt immer ein bisschen dunkler und fremder erscheint, was ja in Deutschland wie auch hier aktuell der Fall ist. Wir müssen aufeinander aufpassen, weil feststeht, dass wir von der Politik nicht beschützt werden. Wir hatten das Gefühl, dass der Titel zugleich ein wenig spielerisch und lustig wirkt, aber auch eine gewisse Ernsthaftigkeit vermittelt. Er schien uns einfach passend zu sein.

Apropos „Hallways“: Ihr habt ein wirklich interessantes Video dazu gedreht. Es sieht sehr amüsant aus, wie du da in der Couch steckst und Gitarre spielst, und wirkt ziemlich gemütlich ... oder doch eher ungemütlich?
Ja, es war ein bisschen von beidem. Aber es war definitiv sehr lustig. Ein wichtiger Aspekt war dabei der genaue Umfang meines Kopfes, damit das richtige Loch in die Couch geschnitten werden konnte und ich da perfekt reinpasse. Es war wirklich cool. Ich weiß nicht, ob ich so eine komplette Performance durchhalten würde, haha, aber es war einfach ein cooles Konzept, das Sterling, der Regisseur, uns da vorgeschlagen hat. Das Video spiegelt den Song auch gut wider. Es ist ein bisschen lustig, ein bisschen surreal und auch fast ein bisschen psychedelisch.

Musikalisch und von der Energie her erinnert mich das Album ein wenig an euer Debütalbum. Textlich wirkt ihr aber jetzt reflektierter und es scheint, dass die einzelnen Songs aus verschiedenen zeitlichen Perspektiven geschrieben wurden.
Ja, das war zum Teil eine bewusste Entscheidung, weil wir natürlich als Menschen und als Musiker gewachsen sind. Unser Bassist Nestor hat jetzt zwei Kinder, ich habe geheiratet. Unser Leben hat sich also offensichtlich verändert. Und Stefan, der die Texte schreibt, hat auch eine ziemlich große Veränderung in seinem Leben durchgemacht, zum Beispiel eine Trennung. Das ist die richtige Beobachtung, wenn man über unsere Beziehung zueinander, zu uns selbst, zu Liebespartnern, zu Freunden und Familie nachdenkt. Und das auch ist genau das, was ich mir von Musik wünsche. Es muss Raum für Neues geben, und ich glaube, das war genau die Richtung, in die wir gehen wollten, weil es uns erlaubt, den Spirit der Band zu bewahren und gleichzeitig zu versuchen, kreativ zu wachsen.

Ist eure individuelle Weiterentwicklung eine Herausforderung für die Bandbeziehung?
Es ist wie in jeder Beziehung: Es gibt schöne und schwierige Momente, es gibt Meinungsverschiedenheiten. All das halte ich für gesund. Solange man respektvoll miteinander umgeht, können Spannungen dazu beitragen, dass die Arbeit interessanter wird. Ich weiß nicht, ob es an den sozialen Medien liegt, aber ich habe das Gefühl, dass heute vieles sehr spannungsarm ist, ohne etwas, das dem Ganzen eine gewisse Schärfe verleiht. Ich glaube, das fehlt in vielen Musikveröffentlichungen. Ich will damit nicht sagen, dass wir besonders auffallend sind, aber ich denke, dass alles, was für mich aus kreativer Sicht interessant ist, etwas davon hat. Im Studio oder auf Tour denken wir immer daran, dass wir alle das Gleiche wollen. Das ist der Grund, warum wir in einer Band sind. Wir wollen das Gefühl haben, dass wir etwas tun, mit dem sich die Leute und wir selbst identifizieren können. Wenn man das im Hinterkopf behält, kann man die Schwierigkeiten meistern, die auftreten können, wenn man so lange aufeinander hockt. Und dazu gehört auch, dass man Dinge durchhält, die einem Unbehagen bereiten. So entwickelt man eine Verbindung zu den Menschen, die einem wichtig sind. Das ist eine gesunde Sache, der man sich immer bewusst sein sollte. Ich glaube nicht, dass man permanent Spannungen in seinem Leben haben will, aber es ist gesund, Unvollkommenheit zu akzeptieren, um mehr über sich selbst und die Welt zu erfahren. Außerdem gibt es so viel KI und die Leute machen sich Sorgen darüber, was echt ist und was nicht.

Spielt auch KI eine Rolle für euch? Macht es dir Angst, welche negativen Auswirkungen KI auf die Musik potenziell haben könnte?
Nein. Ich sehe nur all diese schrecklichen Technik-Freaks, die denken, dass sie die Welt auf eine Art beeinflussen können, die ich nicht schätze. Ich denke, dass echte Emotionen, Kreativität und das Denken durch nichts zu ersetzen sind. Dadurch fühlen wir uns verbunden. Und ich glaube, dass diese Verlierer, die meinen, dass KI unsere Zukunft ist, nichts anderes zustande bringen werden, als einen Haufen Leute anzulügen, um einen Haufen Geld für reiche Typen zu verdienen, die nur noch reicher werden wollen – und das auf Kosten der Menschheit. Ich mache mir Sorgen um diese Menschen, jedoch nicht um die Bedeutung von menschengemachter Kunst.

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