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GOOD RIDDANCE

Before The World Caves In

GOOD RIDDANCE sind wichtig, waren es schon immer und werden es wahrscheinlich noch eine Zeit lang bleiben. Bezogen auf die inhaltliche Relevanz eine ernüchternde Feststellung. Bevor ich mich hier zu Aussagen wie „wichtiger als je zuvor“ versteige, lieber die Feststellung: Auch auf ihrem zehnten Album verbindet die Band kritische Beobachtungen und gesellschaftliche Rückschlüsse mit ihrer Musik – und das mit einem nicht zu unterschätzendem Mehrwert. Gefühlt ist die Situation, mit der sich ein Großteil der Texte beschäftigen, so trostlos wie schon lange nicht mehr. Was laut Aussage von Sänger Russ Rankin in einer gewollt düsteren Stimmung resultiert. Trotzdem fühle ich mich von „Before The World Caves In“ so gut abgeholt, wie seit Ende der 1990er nicht mehr. Und meiner Meinung nach haben die vier Musiker aus Santa Cruz noch kein schlechtes oder auch nur durchschnittliches Album rausgebracht. Vor 40 Jahren gegründet, veröffentlicht die Band seit 36 Jahren Musik. 1995 kam das Debüt auf Fat Wreck Chords, seitdem sind Band und Label einander treu geblieben und GOOD RIDDANCE liefern ihre eingängige Mischung aus Punkrock und Hardcore. Damit haben sie nicht nur den von vielen despektierlich als kalifornisch oder Westküsten-Sound bezeichneten Stil von Fat Wreck mit definiert, sondern waren von Anfang an Teil des, je nach Sichtweise, guten oder schlechten Gewissens ihres Umfelds und – abgesehen von der Zeit der Auflösung zwischen 2007 und 2012 – eine Konstante, sowohl musikalisch wie auch inhaltlich. Aber anstatt sich auf ein „Wir haben es euch ja gesagt“ zurückzuziehen, machen sie einfach stoisch weiter. „Before The World Caves In“ enthält 13 Stücke, energetisch und frisch, die hängenbleiben, ohne dass sie sich klebrig anfühlen. „Poverty of language“, „To suffer is the name“, „What kind of day has it been“ oder „Devoid of faith“ sind so typisch GOOD RIDDANCE, wie man es sich nur vorstellen kann. Langweilig ist das aber nicht. Dafür verstehen sich Luke Pabich, Chuck Platt, Russ Rankin und Sean Sellers zu gut auf ihr Handwerk. Ähnlich verlässlich wie beispielsweise auch BAD RELIGION, allerdings die leicht jüngere Version, aber mit der gleichen inhaltlichen Relevanz und den inzwischen perfektionierten „Ohohoos“. Sozialkritische und politische Aussagen mit eingängigen Harmonien zu kombinieren, mag für einige ein Widerspruch sein. Hier funktioniert es. Ob man das Ganze als dialektischen Ansatz verstehen kann, sollen andere beurteilen. Auf die Texte der Band zu achten, lohnt sich in jedem Fall, weil sie seit jeher nicht auf die in der Szene gängigen Phrasen zurückgreifen müssen. Artwork und Design passen (sowieso!) auch wieder. GOOD RIDDANCE kümmern sich darum, dass Form und Inhalt stimmen. Wer meckern will, darf das gerne machen. Mir egal, ich bin Fan.

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