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999

s/t / Separates

Ich muss gestehen, dass mein Interesse für den britischen Punk Ende der 1970er immer eher den Bands galt, die schon sehr früh über den eigenen Tellerrand blickten wie XTC, WIRE, STRANGLERS oder BUZZCOCKS, und deswegen auch nie wirkten, als hätte sie sich ein findiger Manager ausgedacht und mit den passenden Klamotten ausgestattet. Und knapp Siebzigjährige immer noch mit Iro über die Bühne hüpfen zu sehen, ist auch nicht gerade ein Beweis für Authentizität. Dann doch lieber 999, die auf dem Cover ihren ersten beiden Alben aus dem Jahr 1978, dem selbstbetitelten Debüt und dem Nachfolger „Separates“, sehr unpunkig mit pastellfarbenen Klamotten und wenig aufregenden Frisuren posierten und eher wie Mitglieder einer schrägen Popband wirkten. Die wanderten 1987 als LP-Veröffentlichungen des französischen Labels Fan Club (benannt nach einem THE DAMNED-Song), einem Unterlabel von New Rose Records, in den heimischen Plattenschrank. Was mich heute wie damals an gerade diesen beiden Platten begeistert, ist das Gespür von 999 für poppige Hits mit Glamrock-Kante (mehr früher New Wave als Punk), die sich hier in zahlreicher Form finden lassen, wie „Homicide“, „Crazy“ oder „Hit me“. Die weitere Karriere von 999 verfolgte ich dann nicht mehr, auch wenn Album Nummer drei, „The Biggest Prize In Sport“ von 1980, rückblickend auch immer noch ziemlich okay ist. Aktiv sind 999 bis heute, was ihnen den Titel „one of the longest-lived groups of the punk era“ einbrachte, aber das sagt ja nicht zwangsläufig etwas über die Qualität ihrer Platten aus, wie dem 2020 entstandenen Spätwerk „Bish! Bash! Bosh!“. Ihre beiden ersten Platten halte ich für zeitlose Klassiker, die wohl deswegen auch immer wieder neu aufgelegt werden, hier als Doppel-CD, ergänzt um diverse Bonustracks wie dem vor dem Debütalbum nur auf Single veröffentlichten Track „Nasty, nasty“.

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