© by BandDas Streetpunk-Urgestein LOS FASTIDIOS aus Verona, gegründet 1991, ist unentwegt auf Tour, liefert ein unterhaltsames Album nach dem anderen ab, sorgt live für das besondere Gefühl, dass unsere Welt eben doch nicht so kaputt und hasserfüllt ist, wie es uns nicht wenige glauben machen wollen. Getrieben vom Glauben an eine bessere Zukunft ohne Hass und Krieg kennen LOS FASTIDIOS nur eine Richtung: nach vorn!
Und mit ihrem elektrisierendem 2Tone-Street-Ska, der sich vom stereotypen Straßenpunk der Frühphase längst zu einem fast poppigen Feelgood-Sound entwickelt hat, erreicht die Band immer neue Fans, die in der Musik das Verbindende und nicht das Trennende suchen. Das neue, 13. Album „Lovesteady“ geht konsequent diesen Weg weiter und erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem unsere Welt von Hass und schrecklichen Nachrichten förmlich erdrückt wird. Dass sich Frontmann Enrico und Crew – Elisa Dixan (voc), Bibol (gt), Midio (bs) und Mattia (dr) – mit ihrem positiven Way of Life und breitem sozialem Engagement nicht nur Freunde machen, das ist auch Teil der Geschichte, denn Punkrock ist mehr als Musik.
Enrico, „Lovesteady“, euer neues Album, ist ready. Was können wir erwarten? Kann mehr Liebe die Antwort auf die Probleme unserer Welt sein?
Wir leben in einer Welt, in der alles in eine komplett falsche Richtung läuft ... Musik ist einer der wenigen Auswege, um ein Lächeln zu finden. Jeder von uns braucht Liebe, braucht positive Vibes, daraus ist „Lovesteady“ geboren. Es entstand aus dem Wunsch heraus, in einer Welt zu leben, in der Diskriminierung, Hass, Kriege und Spaltung endlich verboten sind. „Lovesteady“ ist ein positives Album, von dem wir hoffen, dass es die Menschen zum Lachen, Tanzen, Singen und gleichzeitig zum Nachdenken bringt. Es ist ein Album, das manifestiert, wer wir sind und woher wir kommen. „Lovesteady“ ist unsere Musik, ist die Musik, die wir lieben – der Soundtrack der Subkultur, die wir auf unser Herz tätowiert haben. „Lovesteady“ ist unser way of life, basta!
Den lovely spirit hört man! „Lovesteady“ ist sehr abwechslungsreich, man ist schon fast überfordert von der Vielfalt an Sounds. Auch lässt sich ein gewisser Pop-Einschlag nicht verleugnen.
Unser Musikgeschmack ist sehr breitgefächert und ich habe immer auch britische Pop- und Soul-Klänge geschätzt. Jeder weiß, dass ich ein riesengroßer Fan von THE HOUSEMARTINS und THE BEAUTIFUL SOUTH und ihrem Sänger Paul Heaton bin, der jetzt übrigens seit einigen Jahren mit seinem Soloprojekt am Start ist. Selbst auf unseren früheren Alben konnte man schon einen Hauch von Pop wahrnehmen, das amüsiert uns und macht den Leuten Spaß, das merkt man auch bei unseren Konzerten. Auf dem letzten Album hatten wir auch ein Cover des 1990er-Jahre-Britpop-Songs „This is how it feels“ von den INSPIRAL CARPETS, in unserer speziellen Ska’n’Pop-Version, die auch live super kommt. Warum also nicht in dieser Richtung weitermachen? „Lovesteady“ ist ein Album, das etwa zu 50% aus 2Tone-Ska besteht, während die anderen 50% eine kunterbunte Mischung aus Sounds sind, die uns allen am Herzen liegen: Streetpunk, Britpop, Glam und ein bisschen Patchanka.
Welche Songs liegen dir besonders am Herzen?
Es ist ein Album, das mit dem Herzen gemacht wurde, und wir sind sicher, dass es der großen LOS FASTIDIOS-Familie in jedem Winkel des Planeten Freude bringen wird. Die Vielfalt der Songs macht es uns selbst sehr schwer, eine Hitliste aufzustellen. Wir sind aber sicher, dass alle irgendwie von den Fans als Lieblingssongs nominiert werden ... genau wie es bei den letzten beiden Alben der Fall war.
Sound- und produktionstechnisch habt ihr noch mal eine ganze Schippe draufgelegt – amtlicher Good-Vibes-Only-Sound! Sollte „Lovesteady“ von vornherein diesen besonderen Touch haben oder haben sich die Dinge im Studio einfach gefügt?
Wenn Lieder von Herzen kommen, haben sie immer eine starke, gute Ausstrahlung. Wir haben uns echt viel Mühe mit den Songs gegeben. Ich muss der ganzen Crew ein großes Kompliment machen – noch nie haben wir so gut zusammengearbeitet wie bei diesem Album, auch wenn wir weit auseinander wohnen. Wir leben ja alle in verschiedenen Städten: Verona, Cesena, Mailand, Berlin. Wir haben jeden Track bis ins kleinste Detail ausgefeilt. Eine großartige Arbeit, die bereits im Vorfeld geleistet wurde, dank der sorgfältigen Arbeit von Bibol in seinem kleinen Studio in Cesena. Kurios war dabei: Wir haben die Songs vor der offiziellen Aufnahme nie im Proberaum zusammen gespielt. Wir haben in der kompositorischen und kreativen Phase sehr gut kooperiert, auch wenn wir kilometerweit voneinander entfernt sind. Das ist die Stärke von Musik, die aus dem Herzen kommt.
Wir leben in sehr schwierigen Zeiten. Hass und Hetze, reaktionäre Tendenzen und egoistisches Alphatiergehabe haben Hochkonjunktur. Zieht euch das runter oder nehmt ihr das als Kampfansage – jetzt erst recht und aufgeben gilt nicht? Gibt es Momente des Zweifels, die euch vom Glauben an eine bessere Welt abfallen lassen?
Auch in schwierigen Zeiten wie diesen müssen wir mit einem Lächeln weitermachen, denn nur mit Optimismus und Positivität können wir den Schwierigkeiten begegnen, die uns täglich begegnen. Hass ist weit verbreitet, aber wir müssen, besonders wir Musiker, Fürsprecher der Hoffnung sein, alle daran erinnern, dass wir, wenn wir zusammenhalten, eine enorm starke Stimme sein können und in der Welt gehört werden. Unsere Positivität mögen einige nicht, es gibt diejenigen, die Hass auf Hass häufen, alles kaputtreden, alles Schöne zerstören wollen, das wir im Laufe der Jahre musikalisch und sozial aufgebaut haben. Wir haben immer gesagt, dass unsere Musik unsere Waffe ist, die einzige Waffe, die wir mögen, die Freude und Einheit bringt und nicht Tod und Spaltung. Macht Musik, keinen Krieg, bekämpft das System, nicht die Menschen!
LOS FASTIDIOS stehen schon immer für mehr als Musik. Euer Engagement für verschiedenste Initiativen ist bekannt. Im Zusammenhang mit Soli-Gigs für palästinensische Hilfsorganisationen gab es in der jüngsten Vergangenheit aber einige heftige Auseinandersetzungen. Habt ihr mit derartigem Gegenwind gerechnet? Wie sehr ist die „links-alternative“ Szene in dieser Hinsicht gespalten? Wie ist euer Standpunkt zur Lage in Nahost?
Jeder Konflikt bringt neue Spaltungen mit sich, leider auch in der alternativen Szene. Leider mit zunehmender Tendenz. Wir haben immer wieder unsere Ablehnung jeglicher Form von Krieg bekräftigt. Wir sind der Meinung, dass im Jahr 2025 internationale Konflikte auf zivile und diplomatische Weise gelöst werden sollten und nicht mit Bomben und Massakern an wehrlosen Menschen. Als Band waren und sind wir immer auf der Seite des Volkes, der unterdrückten Minderheiten, der ersten Opfer dieses und jedes kapitalistischen, kriegstreiberischen Systems. Im Laufe der Jahre haben wir an Dutzenden von musikalischen Veranstaltungen teilgenommen, die darauf abzielten, Geldmittel, lebensnotwendige Güter und Medikamente für die normale Bevölkerung zu sammeln. Für die Grundbedürfnisse der unter dem Krieg leidenden Bevölkerung. Wir versuchen in unserem kleinen bescheidenen Rahmen, das wenige zu tun, was wir können, um den Opfern eines jeden Konflikts unsere Unterstützung und unsere Nähe zu zeigen. Hass schürt Hass, wir sind oft geblendet von dem, was geschieht, wir schauen auf Länder im Krieg und vergessen, dass die Waffen, die unschuldige Menschen vernichten, in unseren Ländern hergestellt werden. Wir sind also alle in irgendeiner Weise daran beteiligt, wir sind alle verantwortlich. Es ist kompliziert. Hier sollte ein gemeinsamer weltweiter Protest ansetzen, gegen die Waffenhersteller. Das könnte ein guter Ausgangspunkt sein, um zu versuchen, die gesamte alternative, linke Szene zu vereinen. Gleichzeitig dürfen wir die vielen Kriege nicht vergessen, über die niemand spricht. Angefangen bei den Tausenden von Migranten, die im Mittelmeer sterben, verursacht durch die Gleichgültigkeit europäischer Regierungen. Gleichzeitig möchte ich daran erinnern, dass wir eine Musikgruppe sind und kein politisches Kollektiv, und dass alles, was wir tun, aus dem spontanen und solidarischen Gefühl für unsere Schwestern und Brüder überall auf der Welt entspringt, das uns immer dazu gebracht hat, sozial und empathisch zu handeln, unabhängig von Nationalität, Religion, Sexualität.
Und doch gab es kürzlich Ärger für euch. Erzähl doch mal, welche Borniertheit und Verachtung euch auf eurer aktuellen Tour begegnet sind und wie ihr persönlich und als Band damit umgegangen seid.
Leider hatten wir echt Probleme bei einigen Konzerten in Großbritannien und Irland. Es gab heftige Boykottaufrufe und zwar von einer Handvoll heldenhafter Keyboard-Krieger, die sich selbst als „Antifaschisten“ bezeichnen. Richtig schön mit anonymen Drohungen, die die Briefkästen von Clubs, Veranstaltern und Vorbands förmlich explodieren ließen, um eine Absage unserer Konzerte zu erreichen. Eine faschistische Strategie, die uns vorwirft, nicht das zu sagen, was sie wollen, über den Konflikt im Nahen Osten. Diese Leute wollen nicht verstehen und akzeptieren nicht, dass wir auf der Seite der Menschen stehen, niemals auf der der Regierungen, wir schwenken keine Nationalflaggen, sondern nur Fahnen der Union, des Antifaschismus, des Antirassismus, immer in Solidarität mit den Menschen und Minderheiten, die in allen Ecken der Welt unter Krieg, Ungerechtigkeit und Unterdrückung leiden und Hilfe brauchen. Wir haben Mitleid mit diesen Tastaturkriegern, wir respektieren ihre Sichtweise, aber nicht ihre Methoden. Doch wir lassen uns nicht unterkriegen, im Gegenteil, wir machen weiter, gehen unseren Weg weiter, mit unserer Musik, weil wir wissen, dass wir Teil der Lösung sind und nicht das Problem. Wir haben es trotzdem noch geschafft, drei großartige Gigs in Cambridge, Northwich und Leeds zu spielen, bei denen alles sehr gut lief – ohne das geringste Problem. Trotz dieser verrückten Situation haben wir viel Solidarität von Freunden und Fans aus UK erfahren. Danke! Sie alle haben monatelang mit großer Leidenschaft und Begeisterung auf uns gewartet, die Konzerte waren fast alle im Voraus ausverkauft. Unsere Gedanken sind bei jenen, die aufgrund von so viel Hass nicht mit uns tanzen und singen konnten. Musik zu zensieren ist eines der traurigsten Dinge, die passieren können.
Aber letztlich haben diese „Helden“ genau das Gegenteil erreicht. Die coolen Leute zeigen sich solidarisch, die Szene-Bubble diskutiert, wir führen dieses Interview. Generell sollten wir alle mehr mit- statt übereinander reden, nicht wahr?
Ich habe immer gesagt, dass es prinzipiell schlecht ist, über eine Person zu urteilen, die man vielleicht gar nicht kennt. Bevor man urteilt, wäre es zumindest besser, die Betroffenen direkt zu konfrontieren, um sie als Menschen besser kennenzulernen. Aber leider ist es für viele Leute einfacher, sicherer und vielleicht auch amüsanter, sich über andere lustig zu machen, anonym, hübsch bequem auf dem Sessel zu Hause sitzend. Schließlich muss es in dieser verrückten Welt auch diese Kategorie von Menschen geben. Und da für mich Respekt und Liebe die Begriffe sind, die ich in meinem Wortschatz bevorzuge, kann ich sagen: Ich respektiere ihr Recht, falsch zu liegen.
Ihr seid sehr aktiv in den sozialen Medien und nutzt diese als Sprachrohr für eure Sache. Wären LOS FASTIDIOS als 100%-DIY-Projekt heutzutage ohne diese überhaupt machbar und welche Grenzen setzt ihr euch im virtuellen Universum mit Blick auf Privatsphäre, Hasskommentare und sonstige „aufdringliche“ oder diskussionsfreudige Follower?
Wir sind eine zu 100% unabhängige Band. Wir machen alles selbst, von der Plattenproduktion über die Organisation bis hin zur Werbung. Soziale Netzwerke sind ein großartiges Werkzeug, um alles, was wir tun, zu promoten. Wir versuchen, sie bestmöglich zu nutzen. All das ist sehr positiv, wenn wir an die Schwierigkeiten denken, die wir als unabhängige Punkcombo vor 30 Jahren hatten, um unsere Musik und unsere Informationen zu verbreiten ... Alle sozialen Netzwerke sind also willkommen, solange sie nicht als Werkzeug missbraucht werden, um andere Bands, andere soziale und musikalische Realitäten anzugreifen und zu boykottieren. Ehrlich gesagt ziehen wir es vor, uns nie in virtuelle Konflikte zu verwickeln, für jede Diskussion bevorzugen wir das reale Leben, den Weg des direkten Dialogs mit echten Menschen und nicht mit gefaketen Social Media-Profilen.
Das richtige LOS FASTIDIOS-Gefühl kommt sowieso erst live auf. Da seid ihr unschlagbar und habt schon so einige Tanzmuffel zum Ausrasten gebracht. So richtig Fahrt habt ihr eigentlich auch erst aufgenommen, seitdem ihr euch soundmäßig so tanzbar und gut gelaunt gebt. Ich glaube, das lieben die Leute.
In einer Welt, in der es bereits zu viel Hass gibt, halten wir es für wichtig, zumindest die Konzerte als einen Moment des Feierns, des Spaßes, der Freude zu erhalten, wo das Lächeln überwiegt. Über die Jahre haben wir gelernt, dass man mit einem Lächeln die gleichen, auch ernste Dinge sagen kann und damit viel besser in die Herzen und Köpfe kommt ... auch ins Tanzbein. Es gibt nichts Schöneres, als am Ende unserer Konzerte alle Menschen lächeln zu sehen. All das nährt unsere Begeisterung und Hoffnung, lässt uns noch mehr verstehen, dass eine andere, bessere Welt möglich ist. Wir müssen sie nur wollen. Wir müssen es wenigstens versuchen.
Ihr seid quasi immer auf Tour, kennt hierzulande jeden Laden und wisst, was in den Clubs hier so läuft. Aber was geht zu Hause in Verona, wie schätzt du die aktuelle Szenelandschaft ein, welche Locations, Clubs sollten wir kennen? Schließlich lieben wir alle Bella Italia und Dolce Vita!
Vielleicht kennen wir den Rest der Welt besser als Verona, weil wir höchstens ein paar Tage im Jahr zu Hause sind, haha. Aber es ist trotzdem schön zu sehen, dass sich auch hier etwas bewegt. In Verona haben wir zwei wichtige Veranstaltungsorte, die ein gutes Musikprogramm machen, The Factory, wo wir jedes Jahr das Kob Fest organisieren – 2025 übrigens am 11. Oktober – und das Kroen. Und wir haben auch einige kleine alternative, soziale Räume wie Paratodos, InfoSpazio 161, Circolo Pink, nicht zu vergessen einige coole Bars wie Osteria ai Preti, Caffè Pedrotti, Samo Bar – unser Favorit! – und viele andere Lokale, die im letzten Jahr eröffnet wurden. Wenn wir uns in Richtung Gardasee bewegen, empfehlen wir unbedingt das Cà Bottona in Costermano! Wer in der Nähe ist und Tipps braucht, wir helfen gerne und es wird euch in Verona und der ganzen Region garantiert nicht langweilig.
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