
Die Berliner Punker ZSK machen nicht nur Musik, sondern stehen in der ersten Reihe, wenn es darum geht, sich antifaschistisch zu positionieren. Im Rahmen des neuen Albums „Feuer & Papier“ sprachen wir mit Sänger Joshi über diese Rolle der Band.
Wenn ich es mal salopp ausdrücken darf, ZSK sind so was wie die Antifa-Posterboys. Ihr seid definitiv sichtbar für das ganze Hassvolk da draußen. Wie geht man damit um? Es ist ja leicht, unter einem Pseudonym im Internet den Antifaschisten zu geben, aber wenn man mit einem Namen, einem Gesicht und einem Impressum erkennbar existiert, ist das noch mal ein anderer Schnack.
Ja klar, aber so sind wir angetreten. Und wie soll ich das sagen ...? Also ja, es kann viel passieren, aber ich gehe mal davon aus, dass die mich nicht totschlagen werden. Und ganz ehrlich, das reicht mir schon. Wenn der Faschismus kommen wird, werde ich nicht unterm Bett liegen und heulen. Ich werde da nicht kleinbeigeben und ich werde nicht einknicken. Klar, wir kriegen sehr viele Hassmails und Morddrohungen. Und wenn wir in Bochum spielen und ich springe von einer Ampel und die kracht runter, dann ist das Erste, was irgendein Nazi macht, anonym eine Anzeige wegen Sachbeschädigung zu erstatten. Die Bullen meldeten sich bei uns, sagten, eigentlich würden sie gar nicht ermitteln wegen so einer Lappalie, aber jetzt liege eben eine anonyme Anzeige vor, jetzt müssten sie. Die versuchen uns also schon auf allen Ebenen zu stressen, und das wird in Zukunft sicher noch viel schlimmer. Und es gibt auch immer Veranstalter, die uns sagen, sie haben super Schiss, dass ihr Jugendzentrum bald keine Fördergelder mehr kriegt, wenn sie weiter Punk-Konzerte machen. Das ist schon eine ganz andere Liga.
Nach Claudia Roth als Kulturstaatsministerin mit einer klar linken Sozialisation und Verständnis für solche Sachen haben wir jetzt in diesem Amt mit Wolfram Weimer einen rechtskonservativen Publizisten, der für die Verteilung von Fördergeldern zuständig ist. Julia Klöckner, die das dritthöchste Amt im Staat hat, kumpelt mit dem reichen Förderer des rechten Hetzportals von Julian Reichelt. Man bekommt gerade eine Idee davon, was Donald Trump in den USA anstellt, der Museen umkrempeln lässt und in Kultureinrichtungen eingreift. Es zeichnet sich auch hier ein rechtes Rollback ab. Als Band kann man schon noch seine Musik so machen, wie man will, aber was ist, wenn der Veranstalter vor Ort, wenn das Kulturzentrum mit der 1.000er-Halle, die man braucht, sagt, man könne solche Antifa-Konzerte nicht mehr machen, weil sonst vor Ort von AfD und CDU keine Mittel mehr genehmigt werden. Was dann?
Schau dir die Liste an, welche Alben von der Initiative Musik bezahlt wurden in den letzten zwei, drei Jahren ...
Die Initiative Musik gehört zum Machtbereich des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ...
Da war eines von uns dabei, von Danger Dan, von POGENDROBLEM ... viele linke Bands im weitesten Sinne. Irgendwann wird das alles nicht mehr sein, wenn die AfD sagt, wir geben Linksextremisten kein Geld. Die Zeiten werden nicht besser, aber ich will nicht jammern, weil das wäre Jammern auf sehr hohem Niveau.
Wie meinst du das in Bezug auf ZSK?
Was soll uns schon passieren? Wir werden immer einen Club finden, wo wir spielen können. Aber irgendeine kleine linke Punkband sonst wo, die kann dann nicht mehr spielen. Ich kann denen dann ja auch keinen Auftrittsort bescheren. Insofern mache ich mir keine Sorgen um uns als ZSK, denn wir sind auf einem Niveau, da muss schon sehr viel passieren, dass wir dicht machen müssen. Aber für die Subkultur, die es ja zum Glück noch in sehr, sehr vielen Orten gibt, wird die Luft immer dünner. Und das wird Folgen haben. Die AfD weiß genau, welche Köpfe sie abschlagen muss, damit ihre Gegner nicht weiter herangezogen werden. Leute, die sich politisch engagieren und die ein Gefühl dafür entwickeln, dass sie die Menschenrechte verteidigen wollen, die entstehen nicht beim STRASSENBANDE 187-Konzert, sondern die entstehen bei einem IRIE REVOLTE-Konzert, bei einem Punk-Konzert, bei dem Hardcore-Konzert im linken Jugendzentrum. Da wachsen die heran, mit dem Grundverständnis, dass Nazis scheiße sind, dass Rassismus nicht okay ist, dass man Demokratie verteidigen muss. Und wenn es diese Orte nicht mehr gibt, wo junge Leute sozialisiert werden in diese Richtung, mit diesen Werten, die auch vom Punk kommen – ja, es gibt auch linken HipHop –, dann wird’s schwierig. Wenn du die Basis cuttest, kommt irgendwann keine Generation mehr nach. Das sieht man ja jetzt schon.
Inwiefern?
Das sieht man jetzt schon in Unis und an Schulen. Früher waren die ganzen Profs an der Uni und die Lehrer alte 68er, die waren irgendwie cool und links und hatten Rückgrat. Die Leute jetzt knicken ein, die Lehrer trauen sich kaum noch, ein Wort gegen die AfD zu sagen, weil sie denken, dann kommt ja die Schulbehörde. Dieser vorauseilende Gehorsam, den wir in ganz vielen Bereichen der Gesellschaft bemerken, der macht mir wirklich Sorgen. Ich habe das Gefühl, die Leute benehmen sich jetzt schon so, als wäre die AfD längst Regierungspartei. Und das ist kein guter Umgang mit denen. Es ist das Gegenteil von wehrhafter Demokratie, wenn man ohne Not vor denen einknickt und aufgibt. Diesen Weg werden wir mit unserer Band nicht gehen. Ich wünsche mir, dass viele weitere Leute da stabil bleiben und dagegenhalten, und nicht aus einer – noch! – unbegründeten Angst aufhören zu tun, was sie tun.
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