ZSK

Foto© by Konzertsucht

Restglaube an die Menschheit

Vor 30 Jahren gründeten sich die heute in Berlin ansässigen ZSK in Göttingen, wegen einer Pause von 2007 bis 2011 ist die Bandgeschichte etwas kürzer. Gefühlt sind sie bis heute – wohl eher in den Augen (noch) älterer „Szenehasen“ – die „Kiddie-Band“ geblieben, die sie in den 1990ern waren, und das hat auch sicher was mit dem dauerjugendlichen Aussehen von Frontmann Joshi zu tun. Und sie schaffen etwas, das anderen Bands nicht gelingt: selbst zu altern, ihr Publikum aber (gefühlt) dauerjung zu halten. So gelingt es ihnen, Punkrock auch in der Generation U30 (und U20!) relevant zu halten. Das hat auch etwas zu tun mit ihrer personellen Connection zur Kampagnenorganisation „Kein Bock auf Nazis“, deren Bedeutung in Zeiten von AfD-Propagandaerfolgen in der Gen Z nicht unterschätzt werden darf. Ende September erschien das neunte ZSK-Album „Feuer & Papier“ – ein guter Anlass für ein Interview mit Joshi.

Joshi, du sagtest eben, du stehst jeden Morgen um sechs auf. Ist das noch Punkrock?

Wenn ich später aufstehen würde, dann würden nicht so viele schöne Alben rauskommen. sage ich dir. Nee, ich arbeite sehr hart und sehr viel, nicht nur für Kein Bock auf Nazis, sondern auch für die Band. Und ich merke, wenn ich später aufstehe, fehlen mir so viele Stunden am Tag, das würde überhaupt nicht funktionieren.

Das Gefühl kenne ich. Wenn ich nicht nach acht am Rechner sitze, fängt der Tag für mich schon schlecht an. Deshalb meine Frage, ist das noch Punkrock, so eine „protestantische Arbeitsmoral“?
Tja, kommt drauf an, wie man Punk versteht. Also für mich ist Punk nicht rumliegen und nichts tun. Und ich muss morgens drei Kinder in die Schule bringen. Das ist sehr Punk, finde ich.

Mit dem Lastenrad ...?
Ja, ich habe tatsächlich ein Lastenrad. Und ich fahre mit meinen Kindern zu Punk-Konzerten. Letztes Wochenende waren die mit bei einem Festival, wo wir gespielt haben. Die standen am Bühnenrand und fanden das cool – noch. Irgendwann sagen sie aber wahrscheinlich: „Papa, du bist so peinlich mit deiner Band.“

Kinder auf dem Punk-Konzert, ein gutes Stichwort. Hat sich daraus die Idee ergeben, mit ZSK diese „Kinderkonzerte“ zu spielen?
Na klar. Wir haben inzwischen sieben „Bandkinder“ und die hatten wir immer mal bei Konzerten mit. Wir haben viele Freunde mit Kindern, viele befreundete Bands haben Kinder, und dann hatte ich die Idee, dass wir, wenn wir in Berlin spielen, mal allen sagen, kommt doch nachmittags vorbei, dann spielen wir für euch. Und dann waren beim ersten Mal 70 Leute da und es war total nett. Ich habe vorher für alle so Schatztüten gepackt mit Chips und Lolli und Button. Die Leute fanden das unglaublich gut. Ein Jahr später waren es dann schon 150 oder 200 Leute, und 2024 kamen 600. Es war ein Konzert vor dem Konzert. Witzig ist, dass die Kinder selbst ziemlich still sind und überhaupt nicht so jubeln, wie man sich das vorstellt, weil die von der Gesamtsituation überfordert sind, weil das so krass für die ist. Aber hinten sehe ich die Eltern, die das abfeiern – und manchen kommen die Tränen, weil das für die so ein toller Moment ist, dieses Punkrock-Ding an ihre Kinder weiterzugeben. Es gibt ja endlos viele dieser Kinderbands, die solche Witzlieder machen über Schokolade und Geburtstag und so. Aber wir machen ein echtes Punk-Konzert, nur eben nachmittags. Der Großteil des Konzerts ist ziemlich normal, außer dass die Ansagen ein bisschen anders sind – das unterscheidet uns.

Diese „Kinderbands“ sind ein richtiges Geschäftsmodell geworden, ein eigener Markt, spätestens seit DEINE FREUNDE.
Ja, total. Leider bei uns nicht, weil wir das finanziell total blöd gemacht haben. Die ersten drei Kinderkonzerte waren komplett umsonst und wir schenkten allen noch eine Schatztüte, da haben wird draufgezahlt. Jetzt für die Tour haben wir 15 Euro für die Tickets genommen, das ist eigentlich total bekloppt, weil wir wieder Schatztüten machen. Wir müssen jetzt 4.000 Schatztüten packen und wir schenken jedem Kind auch noch ein Kinderbuch, das ich geschrieben habe. Und ja, ich weiß, es ist ein riesiger Markt und die ganzen Majorlabels schauen total auf junge Leute. Früher haben die Kids angefangen, mit 11, 12, 13 Musik zu hören, doch heute fangen sie mit 6 und 7 an, Nina Chuba zu hören. Es ist ein Riesenmarkt, denn es gibt drei Dinge, für die Menschen sehr gerne viel zu viel Geld ausgeben: Kinder, Haustiere und Sex.

Ich hätte gesagt: Saufen und Fressen.
Ja, aber nicht in diesem Maße. Wenn dein Kind sagt, es will einen bestimmten Teddybären, aber der ist völlig überteuert, dann kaufst du den irgendwann trotzdem. Und wenn das Kinderkonzert von Popkünstler XY 150 Euro kostet, dann geben die Eltern auch irgendwann nach, so von wegen: Ach, ist doch mein Kind, dem will ich was Gutes tun. Da müssten wir wahrscheinlich schlauer oder, wenn man so will, böser denken und mehr Geld nehmen, aber scheißegal, es ist cool so.

Es gibt ja einige Menschen aus der Rockmusikszene, die im Bereich der Kindermusik aktiv sind, sich da eine zweite oder neue Karriere aufgebaut haben. Im Zweifelsfall kann das eine durchaus „bereicherndere“ Erfahrung sein, als nach 20 Jahren immer noch mit der alten Band durch die Lande zu tingeln ...
Du eröffnest mir hier voll die Exit-Strategie, wenn wir mit ZSK nicht mehr vorankommen, hahaha. Nee, also so, wie du es gerade beschreibst, habe ich noch überhaupt nicht darüber nachgedacht. Wir haben das Glück, dass das mit ZSK so gut läuft. Wir haben noch nie so viele Alben verkauft wie bei dem letzten, und die Tickets laufen gut, da bin ich total happy. Und es ist schlimm genug, dass ich diese ganze Kein-Bock-auf-Nazis-Kampagne machen muss, das ist wahnsinnig viel Arbeit. Aber ich verstehe jeden Musiker, der sich da umschaut, und finde es cool, wenn man weiter Musik machen kann und nicht Pizza ausfahren muss. Das ist unser großes Glück als Musiker: ich kann machen, was ich will. Man könnte sagen, man muss auf Tour gehen, um Geld zu verdienen, okay, aber das will man als Musiker meistens sowieso, deshalb geht das gut zusammen. Mir kann niemand sagen, was ich tun soll oder nicht. Ich habe keinen Chef. Wir machen alles einfach so, wie wir wollen. Und das macht mich froh.

Dieser anhaltende und anwachsende Erfolg, wie erklärst du dir den? Auch vor dem Hintergrund, dass ihr als Band erstaunlich junge Fans habt. Andere Bands, die ähnlich lange dabei sind, haben da – und das meine ich nicht ageistisch – eher ein „Problem“ mit der Altersstruktur ihres Publikums und weniger Nachwuchs.
Ja, ich weiß, das sagen uns viele und wir sehen das auch. Wir sind super glücklich, dass das so ist. Ich war mit 13, glaube ich, das erste Mal bei einem NOFX-Konzert, da war ich der Jüngste. Und jetzt war ich bei ihrer Abschiedstour – und gefühlt immer noch der Jüngste. Das macht mich echt fertig. Damals war solcher Punk der heiße Scheiß für 15- bis 18-Jährige, und jetzt ist das „Alte-Leute-Musik“. Ich verstehe auch, dass wir mit der Musik, die wir machen, eine aussterbende Spezies sind, weil Gitarrenmusik 95% der jungen Leute einfach nicht interessiert ...

... aber es gibt Ausnahmen, wie man im aktuellen Heft an DIE SPITZ oder MARIA ISKARIOT sieht.
Ja, die Ausnahmen gibt es, aber wenn du zu einer beliebigen Schule fahren würdest und 100 Schülerinnen und Schüler fragst, was sie für Musik hören, wird die Antwort sein: „Rap.“ Ich will darüber nicht jammern, das wäre einfach peinlich. So sind die Zeiten eben und unsere Musik verschwindet immer mehr in einer Art Nische. Warum das klappt, dass bei uns trotzdem immer viele junge Leute kommen? Keine Ahnung. Es ist nicht so, dass wir überlegen, was können wir machen, um junge Leute anzuziehen, sondern es passiert einfach. Ich kann mir vorstellen, dass das an unseren Texten liegt, die die Leute in ihrer Lebenswelt abholen. Die Leute schreiben uns echt viel, Briefe und Mails und Nachrichten, da sind herzzerreißende Sachen dabei. Leute schreiben uns, dass bestimmte Songs oder wir als Band insgesamt ihnen durchs Leben helfen. In persönlichen Krisen, aber auch in dieser politischen Krise, die wir alle spüren. Und ich glaube, dass wir es schaffen, oder ich konkret mit meinen Texten, diese Lebenswelt anzusprechen. Das liegt daran, dass ich mir das nicht aus den Fingern sauge. Ich fühle mich gar nicht so weit weg.

„Young until I die“?
Ja, aber nicht gestellt. Wenn ich zu Demos gehe, bei Protesten bin oder auch auf Konzerten, dann berührt mich das immer noch so wie damals mit 15. Vielleicht nicht mehr 100% wie damals, aber sehr nah dran. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich bei einem geilen Konzert bin, wie etwa der NOFX-Abschiedsshow. Und bei Protestaktionen bin ich immer wahnsinnig wütend. Es gibt Bands, die altersmilde werden, aber bei mir ist das nicht so, ganz viele Sachen machen mich super wütend und bewegen mich. Und ich glaube, weil ich das in meine Texten packe, kommt das bei den Leuten an und packt die. Und ich glaube, deshalb finden die unsere Musik gut. Das wäre meine Erklärung, aber. vielleicht gibt es auch noch eine ganz andere, die ich nicht auf dem Schirm habe.

Es gibt aber auch die andere Seite. ZSK sind eine polarisierende Band. Genau das, was du gerade beschrieben hast, also dass eure Musik auf eine berührende und motivierende Art funktioniert. Das erwischt – ich polemisiere jetzt – saturierte, zynische, alte Punk-Menschen auf dem komplett falschen Fuß. Bekommst du das mit?
Ja klar. Das Internet ist einfach ein sehr böser Ort. Das wissen wir. Die regen sich auf, dass wir Kinderkonzerte machen, Kinder hätten auf Punk-Konzerten nichts zu suchen. Ein Typ hat uns geschrieben: „Zu meiner Zeit da nannte man Bands wie euch Plastics. Ihr gehört verprügelt und ausgeraubt.“ Okay, geht’s auch eine Spur kleiner, Opa? Ganz ehrlich: I don’t fucking care! Es ist mir maximal scheißegal. Wir spielen so tolle Konzerte mit so tollen Leuten, und wenn Punk-Opa bockig auf mich reagiert, weil ihm unser Auftritt nicht gefällt, dann ist es halt so. Es gab in der Punk-Geschichte immer Bands, wo irgendwer gesagt hat, ja, gefällt mir nicht. Get over it, es ist doch Punk, ich kann doch machen, was ich will. Ich bin doch niemandem verpflichtet. Gründe deine eigene Band, mach die so, wie du willst. Früher habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, wenn man uns böse Briefe geschickt hat. Bei unseren Konzerten sind so coole Punk-Kids, die haben Wut im Bauch, die wollen die Welt verändern, die haben wahnsinnige Freude mit uns – darauf kommt es an. Außerdem gibt es auch viele Ältere bei unseren Shows, da kommen ja nicht nur 16-Jährige. Das sind coole Kids, die schreiben uns: „Wegen euch habe ich eine AG gegen rechts gegründet!“ Oder: „Wegen euch haben wir eine Band gegründet und wir covern jetzt eure Songs.“ Wenn dann irgendwer sagt, dass wir polarisieren oder peinlich sind, dann bitte, mir egal. Wichtig ist für mich, dass wir uns nicht verbiegen und anfangen komische, peinliche Dinge zu machen, die wir eigentlich nicht wollen. Es ist nicht meine größte Freude, diese ganzen Videos für alle Singles zu machen. Aber ich verstehe, dass das dazugehört und wir schaffen es oft, das irgendwie so witzig zu drehen, dass wir alle drüber lachen können. Wir können uns nicht in irgendeine Höhle setzen und uns benehmen wie in den 1990ern. Alles soll immer so bleiben, wie es ist, dieses konservative Denken, das verstehe ich nicht. Und ja, ich würde mir auch wünschen, dass Punk noch so aufregend und crazy wäre wie in den 1990ern. Aber die Welt dreht sich weiter.

Eine Band, die ein paar Jahre Vorsprung vor euch hat, sind die DONOTS. Die sind seinerzeit noch voll reingeraten in diese Majorlabel-Maschinerie der 1990er, als nach dem Punk-Boom um GREEN DAY, OFFSPRING, NOFX, MILLENCOLIN und Co. die Musikindustrie junge Bands nach ihren Wünschen umformen wollte. War es euer Glück, dass ihr dafür zu spät wart, dass euch nie jemand sagen konnte, wie ihr zu sein habt und ihr eigentlich immer euer eigener Herr wart?
Ja, absolut. Die DONOTS, mit denen wir sehr gut befreundet sind, haben ja richtig gelitten damals. Es war ja wirklich so, wie du es gerade beschrieben hast. Wir waren zwischendurch über ein paar Ecken auf einem Majorlabel, People Like You gehörte zu Century Media und damit zu Sony. Aber wir hatten das nie in unserer Bandgeschichte, dass ein Label kam und gesagt hat: Das hier wird eure Single, so sollen die Bandfotos aussehen. Das gab es bei uns nie. Und selbst unser Auftritt damals beim Kinderkanal, der ja immer noch legendär ist auf YouTube, den wollten wir selbst, da hat niemand gesagt, ihr müsst das machen. Das aktuelle Album erscheint jetzt auf unserem eigenen Label, wir machen alles selbst, nur den Vertrieb nicht. Alles liegt in unseren Händen, wir können tun und lassen, was wir wollen. Das ist wahnsinnig viel mehr Arbeit, doch wenn es erfolgreich ist, kannst du dich freuen und sagen, ich habe das alles selber gemacht. Wir hatten aber von Anfang an alle Coverartworks und alle T-Shirt-Designs selbst in die Hand genommen.

Wie ist die Jobverteilung in der Band?
Wir haben natürlich um uns herum Leute, die für uns arbeiten. Wir haben eine Booking-Agentur, wir haben ein Management und eine Promo-Agentur sowie einen Produktmanager, den wir eingekauft haben für das Album jetzt. Das ist das Team um uns herum, doch das letzte Wort haben immer wir. Ich schreibe alle Songtexte, aber die spreche ich mit den anderen durch. Arne kümmert sich um das Live-Ding: Wo auf der Bühne stehen die Verstärker, welche Kabel liegen wo, wie machen wir das In-Ear-Monitoring? Er kann sehr gut mit Technikkram und das hilft uns bei den Demoaufnahmen im Proberaum sehr, denn das ist echt nicht meine Welt. Er stellt da einen Laptop hin und ein Mikro und wir können schnell irgendwas aufnehmen. Ich mache das manchmal total dilettantisch mit meinem iPhone zu Hause, wenn ich eine Idee habe, ganz schnell mit der Akustikgitarre. Eike macht Logistisches und Finanzkram, Busse mieten und so weiter. Das kostet super viel Zeit. Und ich mache viel das Optische, die ganzen Cover- und T-Shirt-Motive habe ich mir ausgedacht und ich versuche dann immer einen Grafiker zu finden, der diese Idee, die ich im Kopf habe, auch umsetzen kann. Unser Schlagzeuger Matthias ist leider gegangen kürzlich, er hat es einfach nicht mehr gepackt. Clint ist jetzt ganz neu dabei, und der hat erst mal noch Welpenschutz, der muss nur da sein und spielen.

Über dein Engagement bei Kein Bock auf Nazis sprachen wir schon kurz, und wenn ich es mal salopp ausdrücken darf, ZSK sind so was wie die Antifa-Posterboys. Ihr seid definitiv sichtbar für das ganze Hassvolk da draußen. Wie geht man damit um? Es ist ja leicht, unter einem Pseudonym im Internet den Antifaschisten zu geben, aber wenn man mit einem Namen, einem Gesicht und einem Impressum erkennbar existiert, ist das noch mal ein anderer Schnack.
Ja klar, aber so sind wir angetreten. Und wie soll ich das sagen ...? Also ja, es kann viel passieren, aber ich gehe mal davon aus, dass die mich nicht totschlagen werden. Und ganz ehrlich, das reicht mir schon. Wenn der Faschismus kommen wird, werde ich nicht unterm Bett liegen und heulen. Ich werde da nicht kleinbeigeben und ich werde nicht einknicken. Klar, wir kriegen sehr viele Hassmails und Morddrohungen. Und wenn wir in Bochum spielen und ich springe von einer Ampel und die kracht runter, dann ist das Erste, was irgendein Nazi macht, anonym eine Anzeige wegen Sachbeschädigung zu erstatten. Die Bullen meldeten sich bei uns, sagten, eigentlich würden sie gar nicht ermitteln wegen so einer Lappalie, aber jetzt liege eben eine anonyme Anzeige vor, jetzt müssten sie. Die versuchen uns also schon auf allen Ebenen zu stressen, und das wird in Zukunft sicher noch viel schlimmer. Und es gibt auch immer Veranstalter, die uns sagen, sie haben super Schiss, dass ihr Jugendzentrum bald keine Fördergelder mehr kriegt, wenn sie weiter Punk-Konzerte machen. Das ist schon eine ganz andere Liga.

Nach Claudia Roth als Kulturstaatsministerin mit einer klar linken Sozialisation und Verständnis für solche Sachen haben wir jetzt in diesem Amt mit Wolfram Weimer einen rechtskonservativen Publizisten, der für die Verteilung von Fördergeldern zuständig ist. Julia Klöckner, die das dritthöchste Amt im Staat hat, kumpelt mit dem reichen Förderer des rechten Hetzportals Nius von Julian Reichelt. Man bekommt gerade eine Idee davon, was Donald Trump in den USA anstellt, der Museen umkrempeln lässt und in Kultureinrichtungen eingreift. Es zeichnet sich auch hier ein rechtes Rollback ab. Als Band kann man schon noch seine Musik so machen, wie man will, aber was ist, wenn der Veranstalter vor Ort, wenn das Kulturzentrum mit der 1.000er-Halle, die man braucht, sagt, man könne solche Antifa-Konzerte nicht mehr machen, weil sonst vor Ort von AfD und CDU keine Mittel mehr genehmigt werden. Was dann?
Schau dir die Liste an, welche Alben von der Initiative Musik bezahlt wurden in den letzten zwei, drei Jahren ...

Die Initiative Musik gehört zum Machtbereich des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ...
Da war eines von uns dabei, von Danger Dan, von POGENDROBLEM ... viele linke Bands im weitesten Sinne. Irgendwann wird das alles nicht mehr sein, wenn die AfD sagt, wir geben Linksextremisten kein Geld. Die Zeiten werden nicht besser, aber ich will nicht jammern, weil das wäre Jammern auf sehr hohem Niveau.

Wie meinst du das in Bezug auf ZSK?
Was soll uns schon passieren? Wir werden immer einen Club finden, wo wir spielen können. Aber irgendeine kleine linke Punkband sonst wo, die kann dann nicht mehr spielen. Ich kann denen dann ja auch keinen Auftrittsort bescheren. Insofern mache ich mir keine Sorgen um uns als ZSK, denn wir sind auf einem Niveau, da muss schon sehr viel passieren, dass wir dicht machen müssen. Aber für die Subkultur, die es ja zum Glück noch in sehr, sehr vielen Orten gibt, wird die Luft wird immer dünner. Und das wird Folgen haben. Die AfD weiß genau, welche Köpfe sie abschlagen muss, damit ihre Gegner nicht weiter herangezogen werden. Leute, die sich politisch engagieren und die ein Gefühl dafür entwickeln, dass sie die Menschenrechte verteidigen wollen, die entstehen nicht beim STRASSENBANDE 187-Konzert, sondern die entstehen bei einem IRIE REVOLTE-Konzert, bei einem Punk-Konzert, bei dem Hardcore-Konzert im linken Jugendzentrum. Da wachsen die heran, mit dem Grundverständnis, dass Nazis scheiße sind, dass Rassismus nicht okay ist, dass man Demokratie verteidigen muss. Und wenn es diese Orte nicht mehr gibt, wo junge Leute sozialisiert werden in diese Richtung, mit diesen Werten, die auch vom Punk kommen – ja, es gibt auch linken HipHop –, dann wird’s schwierig. Wenn du die Basis cuttest, kommt irgendwann keine Generation mehr nach. Das sieht man ja jetzt schon.

Inwiefern?
Das sieht man jetzt schon in Unis und an Schulen. Früher waren die ganzen Profs an der Uni und die Lehrer alte 68er, die waren irgendwie cool und links und hatten Rückgrat. Die Leute jetzt knicken ein, die Lehrer trauen sich kaum noch, ein Wort gegen die AfD zu sagen, weil sie denken, dann kommt ja die Schulbehörde. Dieser vorauseilende Gehorsam, den wir in ganz vielen Bereichen der Gesellschaft bemerken, der macht mir wirklich Sorgen. Ich habe das Gefühl, die Leute benehmen sich jetzt schon so, als wäre die AfD längst Regierungspartei. Und das ist kein guter Umgang mit denen. Es ist das Gegenteil von wehrhafter Demokratie, wenn man ohne Not vor denen einknickt und aufgibt. Diesen Weg werden wir mit unserer Band nicht gehen. Ich wünsche mir, dass viele weitere Leute da stabil bleiben und dagegenhalten, und nicht aus einer – noch! – unbegründeten Angst aufhören zu tun, was sie tun.

Du erwähntest selbst eure privilegierte Position. Und klar, wenn man in einem linken Berliner Stadtbezirk wohnt, ist man privilegiert. Wer wegen der Kinder und der Miete und der schönen Natur vor einigen Jahren rausgezogen ist ins brandenburgische Umland, in die nette Kleinstadt mit S-Bahn-Anbindung und nicht so viel Hundescheiße auf der Straße, der hat jetzt leider in seiner Nachbarschaft 35% AfD-Wähler und muss sich in den Strukturen vor Ort, in der Schule, beim Elternabend und so weiter, sehr pragmatisch auseinandersetzen mit diesen Leuten.
100% genau das sagen FEINE SAHNE FISCHFILET immer. Viele reden immer nur darüber, aber die treffen in MeckPomm jeden Tag auf diese Leute und müssen mit der Situation umgehen. In Interviews höre ich oft die Frage: „Habt ihr Angst?“ Und ich antworte: „Nicht um mich, sondern um den ZSK-Fan in Bautzen, um den habe ich Angst.“ Aber was soll ich machen? Ich kann nicht Tag und Nacht durch ganz Deutschland fahren und Leute an der Bushaltestelle gegen Nazis verteidigen. Wir haben eine schwierige gesellschaftliche Situation und ich weiß, dass wir mit ZSK ein Riesenglück haben, dass wir ganz entspannt in Berlin leben können und immer rumschreien können gegen Nazis. Aber wir versuchen natürlich, dort hinzugehen, wo es brennt. Wir haben letztens in Zwickau gespielt, in Riesa, in Glauchau.

Erzähl mal, wie war’s da? Parken da dann irgendwo die Autos mit den Typen, die sich ganz genau anschauen, wer zu so einem Konzert kommt?
Wenn wir irgendwo im Osten in einem kleinen linken Zentrum spielen, ist das eigentlich immer überraschend entspannt. Man darf da nicht mit Vorurteilen hinfahren, dass man also denkt, an jeder Ecke sind Nazis, die einen sofort überfallen. So ist es nicht. Wir laden oft zu Konzerten Antifa-Gruppen ein, und wenn du mit den Leuten redest, über deren Lebensrealität, merkt man schon, das ist was anderes, als in Kreuzberg zu wohnen, absolut. Aber wir bemerken da selten so eine Endzeitstimmung. Die Leute sind ganz stabil, aber viele fühlen sich auch alleingelassen. Ich habe mich letztens mit Pudding aus Grimma getroffen, als wir in Leipzig gespielt haben, und da haben wir ihn auch auf die Bühne geholt, damit er was über die Alte Spitzenfabrik in Grimma erzählen kann: Denen werden einmal die Woche die Scheiben eingeschmissen.

Im August haben wir mitbekommen, wie dem legendären „Jamel rockt den Förster“-Festival nun verstärkt seitens der Verwaltung Knüppel zwischen die Beine geworfen werden. Man ahnt, dass es analog zu linken, antifaschistischen Strategien, wie man Nazis bekämpfen kann, auch welche gibt, wie Rechte auf so institutionellem Wege gegen linke Veranstaltungen agieren. Die Rechten tasten sich mit solchen Aktionen voran, um zu schauen, was möglich ist. Mit entsprechenden Leuten in den Stadtverwaltungen, die sich noch nicht mal politisch offenbaren müssen, sondern nur die Vorschriften etwas genauer und ein bisschen weniger flexibel auslegen müssen.
Ja, völlig logisch: Die 25% AfD, die müssen ja irgendwo sein. Und die sind unter den Beamten, die sind bei der Polizei, die sind beim Verfassungsschutz, die sind in den Sicherheitsbehörden. Und irgendwann werden dort die Tabus fallen, dann ist man nicht mehr sicher. Ich frage mich gerade in Sachsen, wie verbreitet die AfD-Sympathien dort schon in den Sicherheitsbehörden sind. Dass bei Prozessen gegen Antifaschisten mal eine Akte durchgestochen wird an die Bild-Zeitung oder so, das gibt es seit 30, 40 Jahren. Aber dass immer in Sachsen die Akten als Erstes bei den Nazis landen und auf Nazi-Seiten veröffentlicht werden, obwohl die Inhalte eigentlich nicht publiziert werden dürfen, das gibt schon zu denken, wo da die Sympathien und wo die Kontakte liegen. Ich glaube, wir müssen uns darauf einstellen, dass man immer sagen kann, wir leben in einem demokratischen Staat und alle Verwaltungen und Behörden sind erst mal der Demokratie verpflichtet, so wie wir uns das vorstellen. Nämlich gegen Nazis und gegen den Rechtsruck. Aber der Wind dreht sich da gerade und diese Menschen, die AfD gewählt haben, sind alle irgendwo. Wenn die an einem Schreibtisch sitzen und überlegen können, mache ich „Jamel rockt den Förster“ fertig oder nicht, dann sagen sie inzwischen immer öfter: Ja klar, warum nicht? Den scheiß Zecken mache ich den Laden dicht.

Wie wichtig ist es, für Band und Kein Bock auf Nazis in rechtlicher Hinsicht fitte Menschen im Hintergrund zu haben?
Wir haben mit Kein Bock auf Nazis eine Anwaltskanzlei, mit der wir einen Deal haben. Die haben alle Vollmachten von uns und egal, was passiert, die springen direkt ein. Das braucht man auch, gerade weil KBAN mittlerweile eine große Organisation ist. Wir haben nicht nur mit Nazis Probleme, sondern auch mit Betrügern: Die überweisen dir eine Spende und dann wollen sie die zurück, aber eigentlich wollen sie das Geld abziehen. Oder sie machen einen Lastschriftauftrag auf dein Konto. Da sind vielleicht auch ein paar Nazis dabei, aber das sind Sachen, womit auch andere große NGOs zu kämpfen haben. Auch mit Leuten, die versuchen, einen abmahnen zu lassen wegen eines Fehlers im Impressum. Man muss da gegen alles gewappnet sein. Und klar, wir haben um uns herum sehr viele sehr fitte Leute, die uns auf vielen verschiedenen Ebenen helfen. Und ich freue mich, dass es sehr viele Leute gibt, die sehr standhaft sind. Auch in sehr großen Firmen, wo jemand sagt, ich kann euch das nicht schriftlich geben, aber ich finde euch total toll und bin auf eurer Seite und mache euch das und das jetzt mal zum halben Preis. Und das ist schon cool. „Faith in humanity restored“, sagt man dazu im Englischen, also dass man noch an das Gute im Menschen glauben kann.

Angesichts der Schwere des Kontextes, in dem sich ZSK thematisch bewegen, hat eure Musik eine erstaunliche, fröhliche Leichtigkeit.
Das ist mir auch total wichtig. Ich habe keinen Bock, immer der Nörgel-Opa zu sein. Natürlich finde ich in der Welt extrem viele Sachen ganz schlimm und wir sagen das auch manchmal in unseren Liedern. Aber ich empfinde auch eine ganz dolle Lebensfreude, die mir zum großen Teil auch diese Punkrock-Welt eröffnet hat. Ich liebe Konzerte, ich liebe es, neue Menschen kennenzulernen, ich liebe es, auf Reisen zu gehen, ich liebe es, diese Live-Momente zu haben und mit den Leuten zu lachen. Viele Leute denken, ZSK, die sind immer so ernst und die machen immer nur so politische Ansagen. Aber wenn die mal bei einem Konzert von uns sind, dann merken die auch, es ist eine Punkrock-Show. Wir wollen mit unserem Publikum einen guten Abend haben, weil wir wissen, dass die Leute daraus auch sehr viel Kraft schöpfen. Ich finde es wichtig, dass man zusammen Spaß hat und nicht an der Welt verzweifelt. Und ich versuche, das in die Songs zu packen. Hoffnung verbreitet man nicht, wenn man immer nur jammert, wie schlimm alles ist.

Jedes Lied wird mit einer bestimmten Absicht geschrieben. Wenn ich mir vorstelle, ich würde die KI meiner Wahl bitten, mir eine Punkrock-Motivationshymne zu kreieren, könnte ich mir vorstellen, dass die Antwort lautet: „Hier ist mein Vorschlag. Das Lied heißt ‚Nicht allein‘.“
Konkret bei diesem Song hatte ich Bock, einen Track zu machen mit einem Beat und einer Bassline in Richtung „The passenger“ von Iggy Pop. Als der Song entstand im letzten Winter – der kam im Januar raus – waren es sehr dunkle Zeiten, viele Leute waren richtig geschockt von der ganzen politischen Situation, und ich wollte den Leuten sagen: Lasst uns nicht aufgeben, es wird irgendwann besser, lasst uns jetzt nicht verzweifeln. Und dann habe ich versucht, das in Worte zu fassen. Und das kam bei den Leuten auch genauso an, die sagten: „Voll cool, genau das habe ich jetzt gebraucht.“ Und das freut mich. Mir ging es darum, den Leuten eine Wertschätzung zu geben und zu sagen, wir sehen euch alle da draußen. Du hast auf der einen Seite halt eben diese schlimmen Umfragewerte mit Zuwächsen für die AfD, du hast die schlimmen Kriege in der Welt und schon wieder einen Nazi-Angriff irgendwo. Auf der anderen Seite gibt es aber viele Leute, die sich tagtäglich in irgendeiner Form gerade machen für eine bessere Welt. Leute, die sich gegen eine Klimakatastrophe engagieren. Für Tierrechte. Für Frauen im Iran. Gegen Nazis. Nur sind die nicht immer alle sichtbar. Deshalb war es auch so schön, als es diese großen Demonstrationen gab gegen Friedrich Merz und diese Menschenmassen unübersehbar in der Tagesschau zu sehen waren. Fuck, ja, ich bin nicht allein! Das steckt in diesem Song drin. Und das hätte eine KI, glaube ich, so nicht hinbekommen.

Wie kamt ihr auf den smarten Coversong „Sommer ohne Nazis“, basierend auf „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ von Rudi Carrell von 1975?
Ich wollte sogar mal eine Coversong-EP rausbringen – aber eine, die nicht peinlich ist. Also keine keine Titel von Bands, für die man sich schämen würde, keinen Scooter-Song. Für das R.E.M.-Cover auf „Punk Chartbusters“ muss man sich nicht schämen, Katy Perry wäre mir aber too much. Ich wollte auf die EP Sachen machen wie einen Thees Uhlmann-Song, oder „Kunstfreiheit“ von Danger Dan, aber das haben nun schon andere Bands gecovert. Oder was von TOCOTRONIC. Letztlich habe ich das dann verworfen. Von diesem Lied nun denken immer alle, es sei von Rudi Carell, dabei es ist ein Hit aus den USA, den er eingedeutscht hat. Ich fand das sehr witzig und passend. Leider hören die Leute nur auf den Refrain und nicht auf die Strophe. Darin geht es darum, dass wir das Gefühl haben, dass es früher einen größeren, breiteren gesellschaftlichen Konsens gegen Nazis gab, der auch viel mehr Protestformen nicht nur akzeptiert, sondern auch gefördert hat. Die Gewerkschaft hat früher gesagt, wir blockieren mit allen zusammen den Nazi-Aufmarsch. Und da haben nicht alle geheult, wenn mal irgendwo eine Barrikade gebrannt hat. Da hat die Gewerkschaft oder die SPD vielleicht gesagt, das ist nicht unsere Protestform, was ja auch völlig in Ordnung ist, aber es wurde sich nicht gleich distanziert und rumgeheult. Die Gesellschaft war breiter aufgestellt, die Brandmauer war größer und stärker und mächtiger als jetzt. Als wir aufgewachsen sind, sind noch alle rausgegangen, wenn die Nazis kamen. Jetzt ist es teilweise ein Streitthema, wie man damit umgeht.

Wird es einen Alternative-Mix der Platte geben ohne AutoTune auf den Vocals?
Wir fanden es einfach up-to-date. Manche Leute glauben, das ist alles AutoTune, aber das ist teils ein Filter, der so ein bisschen nach Telefonhörer klingt. Wir hören auch viele aktuelle Platten, viele haben das, und ich finde es in Ordnung. Ich habe keinen Bock, mit unserem Sound stecken zu bleiben in den 1990ern und 2000ern. Auf jeder Platte haben wir bisher neue Sachen gemacht. Ich finde es cool, auch Neues auszuprobieren und nicht hängenzubleiben. Manche Leute feiern es total, manche Leute finden es komisch. Wir finden es gut. Wir polarisieren wieder.

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Diskografie
„Keep Skateboarding Punkrock“ (Cassette, self-released, 1997) • „Riot Radio“ (LP/CD, Wolverine Records, 2002) • „From Protest To Resistance“ (LP/CD, Blitzcore, 2004) „Discontent Hearts And Gasoline“ (LP/CD, Bitzcore, 2006) • „Herz Für Die Sache“ (LP/CD, People Like You Records, 2013) • „Hallo Hoffnung“ (LP/CD, People Like You Records, 2018) • „Ende Der Welt“ (LP/CD, Century Media, 2021) • „HassLiebe“ (LP/CD, Hamburg Records, 2023) • „Feuer & Papier“ (LP/CD, Hamburg Records, 2025)

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