© by KonzertsuchtSoni von konzertsucht.de ist für alle Fotos von ZSK hier verantwortlich, auch für das Coverfoto. Wir wollten was zu deren Entstehung wissen.
Soni, bitte stell dich vor.
Hey, ich bin Soni. Ich komme aus Bonn und habe dort bis zu meinem Umzug nach Berlin 2021 gelebt. Hauptberuflich arbeite ich als Projektleiterin in einer Veranstaltungsagentur und bin gelernte Veranstaltungskauffrau. 2014 fing ich nach dem Abitur an, meine freie Zeit immer mehr auf Konzerten und Festivals zu verbringen. Ich fand diese Musikwelt damals ganz schön faszinierend und dachte, wie gerne ich ein Teil davon wäre – nur die richtige Aufgabe für mich war noch nicht sofort klar. 2015 war ich dann das erste Mal als Helferin beim Green Juice Festival in Bonn dabei, habe Merch verkauft und beim Auf- und Abbau geholfen. Alles begann mit ein paar Konzertberichten und einer furchtbar schlechten Digitalkamera. Unerwartet kam das gut an, und so gab es einen einschneidenden Moment beim BLACKOUT PROBLEMS-Konzert im Oktober 2015 im Underground in Köln: Am nächsten Tag erstellte ich die Webseite konzertsucht.de. Anfang 2016 kaufte ich mir meine erste Systemkamera und fotografierte die ersten Konzerte und Festivals für meinen Blog, für Bands und Veranstaltende. Was als Blog begann, entwickelte sich nach einiger Zeit zu einem reinen Foto- und Videoprojekt. 2018 lernte ich auf einem Festival die Band RADIO HAVANNA kennen, die mich kurzerhand mit auf Tour nahm und mir ihr vollstes Vertrauen schenkte. Mit dieser Band ging es 2019 dann auch als Support von ZSK auf Tour. 2022 kam schließlich eine Anfrage von Joshi für ein Tour-Wochenende in Wiesbaden und Saalfeld. Als sich herausstellte, dass ich mittlerweile in Berlin lebe und meine Bilder ganz gut ankamen, war ich plötzlich mit an Bord. Dieses Jahr wird Konzertsucht 10 Jahre alt. Ganz schön verrückt.
Was macht für dich den Reiz von Konzertfotos aus, aber auch des Inszenierens von Bandportraits?
Am meisten Spaß am Fotografieren von Konzerten bereiten mir die unvorhergesehenen Momente und die Action auf der Bühne – wenn immer etwas passiert und man gefordert wird. Die Herausforderung besteht darin, all diese Augenblicke aus einer guten Perspektive zu erwischen und die Show bestmöglich zu dokumentieren und darzustellen. Danach bearbeite ich die Fotos in meinem Stil nach meinem Gefallen, um ein eigenes Werk zu schaffen, das man sich irgendwann als Erinnerung anschaut und denkt: Ach stimmt, so war das damals. Das war echt cool. Das Inszenieren von Bandbildern auf Tour hat dabei seinen ganz eigenen Charakter. Man hat kein vorbereitetes Studio, kein perfektes Licht und oft nicht die optimalen Bedingungen. Es geht darum, spontan coole Hintergründe und Spots zu entdecken und diese Gelegenheiten zu nutzen, um verschiedene Momente einzufangen und Auswahlmöglichkeiten zu schaffen. Die Zusammenarbeit mit Joshi ergänzt sich da sehr gut, weil er als kreativer Kopf unglaublich viel Input gibt und ich mich in der Umsetzung ausleben kann. Das führt meistens zu tollen Ergebnissen – auch wenn ich anfangs gerne mal skeptisch bin.
Wie fotografierst du, was machst du mit dem Material in der Weiterbearbeitung?
Von meinen Arbeitsmitteln her bin ich ganz einfach und mit wenig Gepäck unterwegs. Ich habe früh gelernt, dass es gar nicht so sehr auf Technik oder den ständigen Wechsel von Objektiven und Zubehör ankommt, sondern dass man sich besser auf den eigenen Blick, die Gegebenheiten vor Ort und die richtigen Positionen bzw. Winkel konzentriert. Ich laufe tatsächlich immer noch mit derselben Sony-Kamera herum, die ich bereits 2019 bei der Tour mit ZSK und RADIO HAVANNA dabeihatte – ein Backup habe ich nicht. Das wird mir irgendwann bestimmt nochmal zum Verhängnis. Auch bei meinen Objektiven halte ich mich schmal. In 90 % der Fälle fotografiere ich mit meiner 14 mm Weitwinkel-Festbrennweite, bei größeren Venues oder Festivals auch mal mit dem 24 mm oder 28–75 mm. Mehr Linsen habe ich nie dabei. Nach den Shows geht’s direkt an den Laptop zur Bearbeitung der Bilder in Adobe Lightroom. Im Idealfall bekommt die Band noch am selben Abend den Link zu den Fotos für Social Media. Am nächsten Tag wird dann ein Reel geschnitten. Backups der Bilder landen auf meinem eigenen Server – man weiß ja nie, wovon man später nochmal Print-Aufnahmen für ein Media-Book oder Pressebeiträge braucht. Mein Archiv ist nach all den Jahren entsprechend gut gefüllt; nur Fotos, die qualitativ nichts geworden sind, lösche ich.
Du begleitest ZSK sehr intensiv. Wie kam es zu dieser Verbindung, was fasziniert dich an der Band?
Vor ein paar Jahren hätte ich auch nicht gedacht, dass ich irgendwann mal über 100 Shows von ZSK fotografieren würde. Die Zeit vergeht einfach unglaublich schnell, wenn man mit den richtigen Leuten abhängt und alles passt. Am wichtigsten ist mir beim Touren, dass jeder seinen eigenen Space hat, so sein kann, wie er ist, und man trotzdem gemeinsame Erlebnisse teilt. Dass man sich wohlfühlt und wertgeschätzt wird. Und dass ich die Menschen wirklich mag, mit denen ich so viel Zeit meines Lebens verbringe. Wenn das mit einer Band nicht stimmt, fahre ich auch nicht mit. Unsere Crew ist einfach cool und unternimmt auch privat ziemlich tolle Sachen. Außerdem stehe ich gerne hinter den Werten und dem Engagement der Band. Unsere Demokratie, die Gleichberechtigung und der respektvolle Umgang miteinander müssen gewahrt werden. In der heutigen Situation geht das leider nur noch, indem man laut ist und sich einsetzt.
ZSK und vorne dran Joshi wirken auf den Fotos, als hätten sie Spaß, sich für die Zuschauenden – und damit auch die Kamera – in Szene zu setzen. Zusammen mit einem guten Blick seitens der Fotografierenden eine ideale Kombination. Wie arbeitet ihr da zusammen, was ist Zufall, was sprecht ihr ab?
Die Zusammenarbeit für Bildmotive – insbesondere bei den Shootings – funktioniert sehr gut, weil Joshi die kreativen Ideen einbringt und ich mich auf die Umsetzung konzentriere. Ich war schon immer eher der organisatorische Typ und fühle mich dadurch sehr gut abgeholt. Die Locations auf Tour sind fast immer Zufall, höchstens wir kennen die Venues schon sehr gut. Für die Shootings hat die Band meist schon klare Vorstellungen, und ich sage dann, was sich gut umsetzen lässt und was nicht. Oft arbeiten wir aber auch einfach spontan mit Dingen, die uns vor die Füße fallen, und albern ein wenig herum. Dabei entstehen manchmal die besten und ungeplantesten Fotos. So wie letztens, als wir in Kassel während eines Konzerts kurzerhand in die nebenliegende Tankstelle gelaufen sind, um für den halben Club Eis zu kaufen – das haben wir dann auf Video festgehalten. Das hat richtig Spaß gemacht.
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