Foto

D.O.A.

Let’s Wreck The Party

Nach „Something Better Change“ (1980), „Hardcore ’81“ (1981) und „War On 45“ (1982; eigentlich nur ein Minialbum) war „Let’s Wreck The Party“ 1985 das vierte Album der Hardcore-Erfinder D.O.A. aus dem kanadischen Vancouver. Es erschien auf Alternative Tentacles, später gab es mal eine CD-Version auf Sudden Death, dem Label von Frontmann Joey „Shithead“ Keithley, doch nie einen LP-Rerelease. Bis jetzt das polnische Pasazer-Label die Initiative ergriff und das nachgeholt hat – mit dem Verweis auf die enge Beziehung von D.O.A. zu Polen, wo die Band schon vor der Wende 1989/90 spielte, wo es D.O.A.-Tapereleases gab – und der D.O.A.-Klassiker „General strike“, hier auf dem Album enthalten, wurde als Bezug auf die gegen kommunistische Diktatur in Polen agierende Gewerkschaft Solidarnosc gesehen. Mit „Race riot“ und „Let’s wreck the party“ sind noch zwei weitere Klassiker enthalten, die bis heute Live-Hits sind. Doch generell hinterlassen die zwölf Songs einen zwiespältigen Eindruck: So krass D.O.A. bis heute live sind, so zahm ist das Album aufgenommen und produziert: sehr clean, sehr transparent – so als hätte man einen New-Wave-Filter darübergelegt. Man achte nur auf Songs wie „Shout out“, „Singin’ in the rain“ (!) oder „Murder in Hollywood“: man müsste Joey mal fragen, was sie damals im Studio geritten hat, wer ihnen reingeredet hat, wer dachte, das sei der Sound der Zeit. Hier fehlt der Druck, der Dreck, der Hardcore, der D.O.A. auszeichnet, die bärige Gitarre. Ganz ehrlich, ich hatte das Album mit diesen eigentlich starken Tracks darauf nicht so seltsam aufgenommen in Erinnerung. Eigentlich ist das nur aus Gründen der Komplettierung der Diskografie zu rechtfertigen. Gut, dass die Band später wieder die Kurve kriegte. Die LP kommt mit Poster und Reproduktion des originalen Textblatts.

Anzeige