
Es dürfte 2005 gewesen sein, als ich die – damals noch Göttinger – Skatepunk-Band ZSK zum ersten Mal wahrgenommen habe. Sie waren vertreten auf dem Sampler einer Hannoveraner Antifa-Gruppe gegen einen Auftritt von BÖHSE ONKELZ und stachen durch ihren Sound zwischen den Crust- und Hardcore-Punk-Bands heraus. Obwohl sie mit „Küsst die Faschisten“ das Tucholsky-Gedicht „Rosen auf den Weg gestreut“ von 1931 über das Erstarken des Nationalsozialismus und vor allem dessen Verharmlosung durch die konservativen Kräfte vertont hatten, hatte dieser Song doch etwas sehr überzeugend Positives, Kämpferisches. Jetzt, rund 20 Jahre später, wirkt das Gedicht aktueller denn je – und ZSK sind auch immer noch sind da. Gegen die dunkle Wolke des immer stärker werdenden Rechtsrucks und Faschismus setzt die Band mit ihrem aktuellen Album abermals einen kämpferisch-trotzigen und auch positiven Akzent! Der Opener „3 Uhr nachts“ ist so ein Song. „Ruf mich an, wenn du Sorgen hast“, singen ZSK da, und weiter: „Du hast im Kirchenchor gesungen, und dann kam die Musik“ – hey, das bin ich! Und „Wir kommen in deine Stadt“ über Wohnzimmerkonzerte, das ist einfach der charmante ZSK-Humor und eine Drohung der besonderen Art. „So viel Gutes“ thematisiert die Klimakatastrophe, den Wahn, irgendetwas zu verpassen, bis hin zur Selbstzerstörung. Der Titelsong „Feuer und Papier“ strahlt wieder so viel Hoffnung aus, ein trotziges „Wir machen weiter und hören nie auf“. Danach „Keine Liebe für Berlin“ – und wenn, dann nur für Kreuzberg, aber gegen Gentrifizierung und eine übervolle Stadt voller Touristen. „Vielen Dank“, sagen sie für jede Morddrohung, alle Beleidigungen, dazu die klare Aussage: „Es ist uns einfach scheißegal!“ „Nicht allein“ geht an alle raus, die sich wehren und dabei auch zu Recht mal zweifeln oder auch verzweifeln. „Was wirst du sagen, in zehn Jahren / Wenn sie dich fragen, wo alle waren /Du warst ganz vorn, hast dich nicht weggeduckt / Die kriegen uns nie kaputt“, das hat ganz das Gefühl von „Herz für die Sache“, das berührt, das gibt Kraft. Mit „Leuchtraketen“ folgt ein Punkrock-Smasher, der Demo-Geschehen beschreibt: „Ausnahmezustand für ein paar Stunden/ Bitte gib mir mehr davon“. Auch da gehe ich voll mit, und ich habe es zwar nicht mit Bengalos, aber das Kribbeln im Bauch kommt bei diesem Song hoch. Mit dem Covern von deutschen Schlagern habe ich immer schon meine Probleme gehabt, doch bei dem letzten Song des Albums ist das anders. Bei „Sommer ohne Nazis“ covern sie „Wann wird es endlich mal Sommer“ und ach, wie geil ist das denn? „Ich will einen Sommer ohne Nazis / Einen Sommer, wie er früher einmal war“ – ich brülle spontan mit. Der Titel wurde nicht zum ersten Mal gecovert, aber noch nie so genial! „Mit Nazis wurde niemals diskutiert ... und niemand hat geweint, wenn es eskaliert!“ Eben. Ich bin begeistert!
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