Dafür / dagegen

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Du hast für Trump gestimmt? Dann tschüss!?

Die Wiederwahl von Donald Trump polarisiert nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland. Und wir werden wohl früher oder später feststellen, dass auch das eine oder andere Mitglied einer geliebten, geschätzten US-Band sich dazu bekennt, für Trump gestimmt zu haben. Nimmt man das hin, kann man das hinnehmen? Oder ist das der Punkt, an dem das Fan-Sein und die Freundschaft endet? Argumentiert man, dass es ja auf die Musik ankommt, dass das Recht auf Meinungsfreiheit gilt und die individuelle Wahlentscheidung akzeptiert werden muss? Oder „cancelt“ man so eine Band, ist es Zeit, sich von Platten, Shirts, Tickets zu trennen? Wir tauschen (wie immer etwas zugespitzt) die Argumente und Emotionen hierzu aus ...

Dafür

Mit dem Begriff „canceln“, der bei diesem Thema oft als Vorwurf dient, kann ich gar nichts anfangen. Der Ausdruck gehört für mich zur Argumentation der politischen Rechten, die das den anderen vorwirft, der Politik, dem Staat oder der „Systempresse“. „Canceln“ kann auch nicht von einem Fanzine ausgehen – und schon gar nicht von einem einzelnen Fan. Der ich nun mal bin, sonst würde ich hier nicht schreiben. Trump-Wähler:innen wird es bei Bands bestimmt hier und da geben, auch bei solchen, die hier auftauchen. Bei der letzten Wahl wurde Trump von manchen gar als „Punk“ bezeichnet, weil er das sagen würde, was ihm gerade in den Sinn kommt, und das auf unflätigste Weise. So etwas begeistert dann zum Beispiel einen Johnny Rotten/John Lydon. Nein – Trump ist kein Punk, sondern ein Nazi-Skinhead. Bei manchen US-Bands will ich manchmal auch gar nicht so detailliert wissen, was sie für Ansichten haben. Da ist „unpolitisch“ oft schon ein Segen. Viele Punks und Bands in den USA ticken völlig anders als hierzulande: Eine Woche vor der Wahl hatte Fat Mike auf seiner persönlichen Instagram-Seite einen Wahlaufruf gegen Trump veröffentlicht – und geschrieben, dass er weiß, er werde dafür viel Hate abbekommen. Die Kommentarfunktion war abgeschaltet. Glaubte er, dass Nazis kommentieren würden? Ich bin mir ziemlich sicher, er befürchtete, dass ihm dort eher einzelne Fans von NOFX die Freundschaft aufkündigen würde. Und zuletzt: Musiker:innen, die Trump wählen, sind nicht „Punkrock/Hardcore/Rock’n’Roll“, wie es auf der Titelseite des Ox steht. Also haben sie hier im Heft nichts zu suchen – all die Musiker:innen, die diesen Horror mitgewählt haben und die Diktatur als Quittung bekommen, wenn nun „durchregiert“ werden kann. Und da bin ich auch raus. Ich habe einfach keine Lust, sinnlos Zeit mit solchen Leuten zu verschwenden, auch nicht in Interviews. Es sind genügend andere gute und tolle Bands unterwegs.
Roman Eisner

Dagegen
Keine Sorge, ich bin kein Fan von Jens Spahn, aber dessen Satz zum Umgang mit der Corona-Pandemie hat schon eine gewisse Tiefe: „Wir werden einander viel verzeihen müssen.“ Viel – nicht alles. Das macht den Unterschied. Und ja, ich hasse Trump und alles, wofür er steht. Aber die Argumentationslinien, die hier etwa zum Wahlverhalten von Schwarzen, Hispanics und anderen Minderheiten zu beobachten waren, sind schon erstaunlich. Oder auch einfach das Wahlverhalten vieler Leute aus dem Bauch heraus und mit Blick auf den Kontoauszug, egal, wie viel Wunschdenken da im Spiel ist. Menschen handeln nicht rational, das wissen wir. Und auf jeden beinharten Rassisten und jede eiskalte evangelikale Christenirre kam wohl auch jemand, der – egal, wie punkrockig oder hardcorig der Hintergrund – in Zeiten brutaler Desinfomationskampagnen auf Orwell-1984-Niveau irgendwann im Kaninchenbau verschwunden ist. Wir kennen das ja nur zu gut aus der Pandemiezeit, doch manche von den Schwurblern, auch in der Szene und im Bekanntenkreis, merkten irgendwann, was sie da für einen Scheiß gelabert und geschrieben haben, und kamen stillschweigend wieder angekrochen. Ich neige – außer bei völlig inakzeptablen Ausreißern etwa in Sachen Sexismus, Xenophobie oder Misogynie – zum Vergessen, eine gnädige Eigenheit des menschlichen Gehirns. Und so wird es sich auch in Sachen „MAGA-Madness“ verhalten: Gestern noch den Trumpzi gewählt, ein paar Monate später (ich blicke in meine Glaskugel gen 2026) „blitzgemerkt“, dass der und sein Bande doch (wieder!) totale Scheiße anrichten, still geworden und reumütig und Entschuldigungen murmelnd wieder angeschlichen kommen. Scheiße nur, dass wegen dieses „Verwählens“ aber wohl tausende Menschen abgeschoben oder eingeknastet wurden. Das muss diese Person dann mit ihrem Gewissen ausmachen.
Joachim Hiller

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