Dafür / dagegen

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Coversongs

Wer auf Festivals geht und in kurzer Zeit viele Bands sieht, stellt fest: fast alle haben einen „lustigen“ Coversong. Ein New-Wave-Hit aus den 1980ern, Genre-Klassiker, Metal-Oldie ... Und die Leute gehen ab. Oder auch nicht. Die einen finden das unterhaltsam bis lustig, die anderen wenden sich mit Grausen ab. Die Ox-Kollegen Gary Flanell und Abel Gebhardt müssen das auch bei den Proben ihres Bandprojekts TJA. diskutieren – sie haben einen Coversong im Programm ...

Dafür
Ich bin bei diesem Thema von Haus aus Fürsprecher, weil ich früher selber mal in einer Coverband gespielt habe. Warum wir das getan haben? Weil’s geil war! In erster Linie ist eine gute Coverversion als Verbeugung vor einer/m Künstler:in sehen. Da es da draußen jede Menge guter Songs und Bands gibt, ist eine Hommage in Form eines Covers immer gerechtfertigt. Besser gut kopiert, als schlecht selber gemacht – hier passt es bestens. Darüber hinaus unterstreicht eine Coverversionen auch deinen Status als musikalische Checker:in. Du kennst den Song, die Platte, den/die Künstler:in. Und zeigst das, indem du sogar weißt, wie man die geilen Songs spielt. Davon abgesehen sind Coverversionen eine gute niedrigschwellige Möglichkeit, selber ans Musikmachen und schnell an Erfolgserlebnisse zu kommen. Mit drei Akkorden kannst du 90% aller Popsongs spielen. Damit kriegst du sogar alte Berliner Schlager hin, wie die sehr gute No-Wave-Band TJA. mit dem „Lied von der Krummen Lanke“ derzeit beweist. Dazu muss man die kulturelle Dimension von Coverversionen sehen: Songs zu covern ist eine Methode der kulturellen Informationsweitergabe. Ein Cover ist immer eine Form von Oral History, ähnlich anzusehen wie das Singen von Volksliedern, die seit Jahrhunderten immer wieder rezitiert werden. Songs von DIE ÄRZTE, DIE TOTEN HOSEN oder auch TON STEINE SCHERBEN wurden schon zig mal von irgendeiner Band gecovert. Die kennt mittlerweile jedes Kind hierzulande und das zeigt, dass Coverversionen die Bewahrung und Weitergabe dieser Songs und Texte über Generationen hinweg mindestens tatkräftig unterstützen, bis sie neben Beethoven, Bach und all den anderen Freaks zum musikalischen Kanon gehören. Allein das ist ein Aspekt, der alle Coverversionen für immer rechtfertigt. So ein musikalisches Zeugnis bleibt, auch wenn alle Punks mal wirklich tot sind. So gesehen sind Coverversionen wirklich die Zukunft.
Gary Flanell

Dagegen
Es gibt ja wirklich nichts Unoriginelleres und somit auch Langweiligeres als Bands, die durch das Nachspielen von bekannten Liedern darauf hoffen, ein bisschen bessere Stimmung auf ihren Konzerten zu erzeugen. Wenn ich das mit meinem eigenen Material nicht hinbekomme, sollte ich genau das mal überdenken und mich nicht an dem anderer Künstler bedienen. Noch schlimmer wird es, wenn es solche Coverversionen dann sogar noch auf einen Tonträger schaffen. Dabei ist es eigentlich ziemlich unerheblich, ob sich die Band dem Werk möglichst originalgetreu nähert oder versucht, diesem eine eigene Note zu verleihen. Das Lied wurde ja mal von einem Künstler genau so komponiert und aufgenommen, wie er es haben wollte. Warum also das Stück neu interpretieren? Dann sollte man doch lieber etwas wirklich Neues schaffen. Und bitte kommt mir nicht damit, dass es doch auch irgendwie witzig sei. Ein spießiger Schlager im Punk-Gewand? Das war schon vor fast 40 Jahren bei DIE TOTEN HOSEN alias DIE ROTEN ROSEN nicht mehr komisch. Oder harte Rock-Songs im Lounge-Stil? Haben NOUVELLE VAGUE bis zum Erbrechen ausgeschöpft, obwohl das Konzept bereits nach zwei Liedern langweilte. Und reine Coverbands wie ME FIRST & THE GIMME GIMMES? Ernsthaft? Boring ohne Ende. Da kann ich ja gleich eine Tanzkapelle buchen, die mit ihren „Hits von heute und gestern“ von Familienfest zu Familienfest tingelt. Aber selbst in meiner eigenen Band TJA. komme ich um Coverversionen nicht herum. Mein Bandkollege Gary Flanell will die unbedingt im Programm haben, weil sonst nicht viel kreativer Input von ihm kommt. Und um des lieben Bandfriedens willen muss ich da mitmachen. Nicht zuletzt, damit ich mir nicht seine musikhistorischen Nerd-Argumente pro Coverversion anhören muss. Ein furchtbar theoretisches Gelaber. Wer also als Künstler nur einen Funken zu sagen hat, sollte es hinbekommen, eigene Lieder zu komponieren.
Abel Gebhardt

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