
(LP, Pogar, 1991)
Als dieser Sampler 1991 erschien, war es die letzte Veröffentlichung des Berliner Labels Pogar. Zugleich war es der erste „Berlin Punk Sampler“ überhaupt und so konnte das Label aus dem Vollen schöpfen. Pogar wurde 1981 gegründet von Andreas Kelling, Inhaber des Berliner Plattenladens und Mailorders Vinyl Boogie, der konsequent nur 7“s veröffentlichte, vor allem von Berliner Bands. Für die Compilation griff Andreas auf die eigenen Releases zurück. Den Anfang machen drei Songs von VORKRIEGSJUGEND von ihrer „Heute Spaß, morgen Tod“-Platte, die 1983 als Doppel-Single erschien und 1991 bereits ein begehrtes Sammlerstück war. Der düstere Basslauf von „Vaterland“ hämmert aus den Boxen und wird zum Start einer beindruckenden Compilation. Die drei Songs zeigen die ganze Klasse der Band! Zwischen rasend schnell wie „Heute Spaß, morgen tot“ und dem Midtempo Smasher „Vaterland“.
Es folgen zwei Tracks von VELLOCET von der 7“ „Here’s The Warning“. Die 1985 gegründete Band war faktisch eine der Nachfolgerbands von VKJ. Wie damals üblich, waren sie nun wesentlich metallischer und vertrackter. Die „probegepogten“ Spandauer MALINHEADS sind dann mit dem Titelsong ihrer zweiten Platte „Medical Fame“ vertreten. Wüster Berliner Punk mit US-Hardcore-Kante und englischen Texten. Die Flipside eröffnen HARNRÖHRER mit „Manchmal hab ich’s satt“. Ihre Kritik an einer zunehmend unkreativen und auf reinen Konsum orientierten „Plastik Punk“-Szene stammt von ihrer einzigen Single von 1982, der ersten Pogar-Platte. MARPLOTS mit straightem deutschen Pogo-Punk beschreiben mit „Bombenterror“ von ihrer gleichnamigen EP von 1985 die allgewärtige Kriegsgefahr dieser Jahre.
DISASTER AREA sind mit dem Skatepunk-Song (wie der aufkommende US-Hardcore damals auch hieß) „Skate tonight“ vertreten. Der Song stammt von ihrer Split-Single mit DIE SCHLIMMEN FINGER, die genialen melodischen Fun-Punk spielen und hier mit „Grießbrei“ dabei sind. THE VOICE schlagen dann eher Oi!-Punk-Klänge an und besingen einen „Teenage nightmare“. Die HONKAS, deren Mitglieder sowohl aus Wolfsburg als auch aus Berlin stammten, singen „Das Lied für Fritz“, also den Hamburger Serienmörder Fritz Honka. Die WALTONS covern zum Schluss „Blitzkrieg bop“ von RAMONES als Psychobilly-Version. Die ersten 2.000 Exemplare kamen mit Textblatt und Background-Informationen zur Punk-Szene in Berlin von 1977 bis 1991. Eine Neuauflage gab es nicht, dafür erschien 2002 mit „Wenn kaputt dann wir Spass“ die ultimative Berliner Punk-Compilation auf Weird System mit dickem Beiheft, für das auch Andreas Kelling ausführlich interviewt wurde.
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